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Auslandsmärkte Afrika: Chinesischer Einfluss und europäische Chancen

Autor / Redakteur: Thomas Isenburg / M. A. Benedikt Hofmann

Die wirtschaftliche Dominanz Europas und Nordamerikas in Afrika ist vorüber und China gewinnt rasend an Bedeutung. Dennoch bleibt der Markt für europäische Unternehmen interessant.

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Im Infrastrukturbereich werden die großen strukturelle Unterschiede bei Geschäften zwischen Europäern und Asiaten deutlich.
Im Infrastrukturbereich werden die großen strukturelle Unterschiede bei Geschäften zwischen Europäern und Asiaten deutlich.
(Bild: Dr. Thomas Isenburg)

Michael Monnerjahn ist schon lang beratend mit den Entwicklungen auf dem afrikanischen Markt betraut. Der Manager ist für die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing Germany Trade & Invest (GHATI) tätig und meint: „Zu beachten ist das Engagement der Europäer in den letzten Jahrhunderten. Die koloniale Zeit hat erhebliche Spuren in ganz Afrika hinterlassen.“ Dem Nachholbedarf der Chinesen gewinnt er Positives ab, indem er meint, das China ein wichtiges Exportland für Deutschland ist. Zum Ende des letzten Jahrhunderts exportierten die Chinesen noch Rohstoffe. Heute gibt es einen hohen Bedarf an metallischen Erzen und Kohle.

Ein Abnehmer für metallische Werkstoffe ist die Automobilindustrie. Hier ist die deutsche Industrie traditionell als Maschinenlieferant gut positioniert. Die Zentren für den Autobau befinden sich in Marokko und traditionell in Südafrika. Die Rainbow Nation exportiert bis zu 600.000 am Kap produzierten Autos mit dem Steuer auf der rechten Seite. In Marokkos Freihandelszone um Tanger sind es historisch bedingt eher französische Zulieferer, die gut im Geschäft sind. Hier werden noch einmal 400.000 bis 500.000 Autos gebaut. Gerade die Region um Tanger hat eine beachtliche Entwicklung durchlaufen. Dabei wuchs das Automobilgeschäft von der Lieferung von Ersatzteilen zum Milliardengeschäft mit Automobilen. Ebenso positiv die Entwicklung der Rotorblattfertigung von Siemens Gamesa. Das Personal musste seit der Gründung bereits aufgestockt werden und Rotoren werden inzwischen in 2 Linien gefertigt, so Sonia Adnane von Siemens Gamesa. Fertigungen auf dem afrikanischen Boden sind dabei weniger automatisiert und eher händisch strukturiert. Jedoch sind dies Bereiche, in denen die Europäer im Wettbewerb mit den Chinesen Akzente setzen können. Hierzu Monnerjahn: „Ein starkes Argument kann die Qualität der gelieferten Maschinen sein. Hiervon profitieren die deutschen Maschinenhersteller. “

Deutschland ist ein Land, das etwa einen Anteil von 8 bis 9 % am weltweiten Maschinenmarkt hat. Es profitiert von Ländern, die massiv in Maschinen investieren. Dazu Monnerjahn: „Als ich mich vor etwas über 10 Jahren begann, mich mit Afrika zu beschäftigen, begannen auch die Chinesen aktiv zu werden. Nun liegen die ersten Erfahrungen vor mit einer ganzen Bandbreite. Es gibt sehr günstige Anbieter der Produkte, die schneller kaputt gehen als ein deutsches Top-Produkt.“

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„Afrika wird einige neue Chinas hervorbringen“

Ein buntes Bild vom Exportkontinent Afrika liefert ebenfalls Professor Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Der Verein aus dem Umfeld der deutschen Bundesregierung berät Unternehmen bei ihren geschäftlichen Aktivitäten auf dem Kontinent. Afrika wird einige neue Chinas hervorbringen, meint Liebing. Eine Ursache sieht er in dem Bevölkerungswachstum. Während dieses in dem Rest der Welt stagniert, wird sich Afrikas Wirtschaft vervierfachen. Liebing meint: „Selbst Länder, die in Deutschland nicht den besten Ruf haben, wie Nigeria, verfügen über ein dynamisches Unternehmertum. Es sind private Unternehmer, die ihr Geld in Fabriken investieren und auf der ganzen Welt Maschinen kaufen.“ Dabei ist eine Aussage des Afrikakenners: „Es gibt große Erfolgsgeschichten und das Gegenteil.“

Neben der Frage nach den Kunden sind die Finanzierungen sowie deren Absicherung entscheidend für den Geschäftserfolg. Da sieht Liebing einen Knackpunkt, denn chinesische und auch indische sowie französische Unternehmen tun sich hier leichter. Die Banken in Deutschland sind konservativer, weil es weniger Traditionen in den Geschäftsbeziehungen mit Afrika gibt, erklärt der Vorsitzende des Afrika-Vereins. Das hat in Deutschland Geschichte, denn auch die Haltung der Bundesregierung ist trotz des Engagements von Bundeskanzlerin Merkel in der jüngsten Vergangenheit eher konservativ. Bis vor einigen Jahren mangelte es noch an Hermesbürgschaften für Geschäfte in Afrika. Deswegen kaufen viele nicht in Deutschland. Die Kunden in Afrika sind gut vernetzt und ausgebildet. Sie wissen, welche Qualität sie von wem erwarten können.

Bundesregierung ist gefragt

Schon seit einigen Jahren gibt es die Forderung nach einem Fonds für Forderungsausfälle wie es ihn bereits in den Niederlanden gibt. Dieser wurde nun mit einem Volumen von 400 Mio. Euro für mittelständische Unternehmen in Afrika bereitgestellt. Ein anderer Aspekt sind Versicherungen, denn es gibt eine ganze Reihe von Parametern, bei denen andere besser sind. Dazu erklärt Liebing: „Mir sind Ausschreibungen in Afrika bekannt, wo Bieter aus unterschiedlichen Ländern mit gleichem Preis für das Produkt einen Preisunterschied von 10 % hinbekommen, allein dadurch, dass in Deutschland und nicht in Asien finanziert wird.

Zur Situation führt Liebing ein Beispiel aus dem Sport an: „Wenn sie auf einem Fußballfeld stehen und die eine Mannschaft muss stehen bleiben, den anderen ist alles erlaubt – wer hat dann die besseren Chancen, ein Tor zu schießen?“

Afrika ist eine entscheidende Frage für das Wachstum der deutschen Wirtschaft. Die Antwort können deutsche Unternehmen nur begrenzt beeinflussen. Hier ist die Bundesregierung gefragt.

Die Lage vor Ort kann Matthias Boddenberg, Leiter der Industrie- und Handelskammer südliches Afrika in Johannesburg gut einschätzen. Boddenberg meint es gäbe große strukturelle Unterschiede bei den Geschäften zwischen Europäern und Asiaten. Im Infrastrukturbereich werden diese bei Projekten wie dem Flughafen von Mosambik, den Krankenhäusern in Sambia oder den Eisenbahnen in Kenia deutlich. Boddenberg erklärt: „Zunächst treffe das betroffene Lande eine Vereinbarung mit der Volksrepublik China. Dann bieten die Chinesen mit einer Vielzahl an Unternehmen an.“

Dazu gehören dann die Finanzierung einer staatlichen oder halbstaatlichen Bank, indem ein Angebot und ein Finanzierungspreis abgegeben werden, so Boddenberg weiter. In diesem Bereich sieht der Kenner der afrikanischen Geschäftswelt eine Schwäche bei den Europäern, denn es ist kaum möglich, ähnliche Konsortien unter einem Generalunternehmen zusammenzustellen.

Die Technik muss zu den Anforderungen passen

Das direkte Geschäft bei Maschinen verläuft anders. Die deutschen Maschinen werden qualitativ als hochwertig bewertet, sind aber eben teurer als beim asiatischen Wettbewerb. Im asiatischen Raum wird eher Massenware produziert. Diese ist dann für spezielle Einsätze nicht so gut geeignet. Hier können deutsche Unternehmen punkten, indem sie individuelle Maschinen installieren und die Personen schulen sowie einen Service bieten. Allerdings gibt es auch vermehrt chinesische Servicepunkte in Afrika. Häufig gilt Hightech aus Deutschland auf dem afrikanischen Markt als overengeniert. Die asiatische Technik ist in der Handhabung einfacher, was sich auch in einem niedrigeren Preis niederschlägt.

Es kristallisiert sich heraus, dass die Technik auf die Bedürfnisse der Menschen in Afrika abgestimmt sein muss. Das Gleiche gilt für die Finanzierungen.

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