CFK sorgloser zerspanen

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Der unsichtbare schwarze Tod für elektrische Systeme

Doch nicht nur vom CFK-Staub alleine gehen Gefahren für Mensch und Maschine aus. Wenn man nicht richtig aufpasst und die Rahmenbedingungen für eine vernünftige CFK-Bearbeitung nicht geschaffen hat, bevor man loslegt, kann es brandgefährlich und dann teuer werden, wie Schaltschrankexperten und Elektronikspezialisten warnen. Das ist vor allem dann im Hinterkopf zu behalten, wenn man nicht nur für die mechanische Endbearbeitung verantwortlich sein will, sondern die CFK-Teile auch herstellen möchte. Denn hauchdünn und fast unsichtbar können einzelne Carbonfasern zum Teil tage- und wochenlang in ungeschützten Produktionsbereichen umherfliegen. Irgendwann kommt der Tag, an dem die elektrisch sehr gut leitfähige Faser von einem PC- oder Schaltschranklüfter erfasst und ins System gesaugt wird. Dort verursacht der unscheinbare Fremdkörper einen handfesten Kurzschluss, der zumindest Teile des betroffenen Geräts oder des Schaltschranks zerstört, nicht selten aber zum ausgewachsenen Brand im System führt. Passiert das unerkannt während der „mannlosen“ Wochenendschicht, kann das zur wirtschaftlichen Katastrophe für das Unternehmen werden. Das soll nach Angabe von Experten durchaus oft vorkommen und die Dunkelziffer bei solchen Schäden, ausgelöst von Carbonfasern, sei hoch. Deshalb sollten Motoren, SPS, Steuerungen, PCs sowie HMI-Panels und Frequenzumrichter gesondert geschützt werden, wenn in der Nähe mit Carbonfasermaterial hantiert wird. Mittlerweile gibt es Spezialisten, die sich der Thematik annehmen, vor Ort eruieren, welche Maßnahmen nötig sind, um sich maximal zu schützen, und die Unternehmen bei der Projektierung der Schutzmaßnahmen bis zuletzt unter die Arme greifen. Zu den Waffen der Experten gehören elektrische Standardkomponenten, wie etwa Umrichter mit maximaler Schutzart, Kapselungsstrategien und spezielle Dichtungskonzepte. Siemens bietet dazu an, komplette Schaltschränke auf diese Weise vor Carbonfaserflug zu schützen, von der Planung bis zum Bau derselben. Allerdings gebe es keine Patentlösung für den Schutz elektrischer Einheiten. Oft müssten individuelle Lösungen erarbeitet werden. Stets aber raten die Kenner der Materie dazu, den Aufwand wirtschaftlich abzuwägen, bevor man mehr investiert als das bestehende Risiko eigentlich rechtfertigt.

Eins sollte der Anwender dennoch niemals tun – die Tür eines auch noch so geschützten Schaltschranks während der Arbeiten mit den gefährdenden Werkstoffen zu öffnen. Dann nützen die besten Absaug- und Abdichtmaßnahmen nichts. MM

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