Finanzen Deutliches Umsatzminus bei Schaeffler

Redakteur: Melanie Krauß

Im Jahr 2020 sind die Umsätze bei Schaeffler insgesamt deutlich zurückgegangen. Einige Sparten konnten sich im zweiten Halbjahr jedoch schon wieder merklich erholen, ebenso wie der Chinamarkt.

Firma zum Thema

Schaeffler schließt das Geschäftsjahr 2020 aufgrund der Coronaviruspandemie mit deutlich weniger Umsatz ab.
Schaeffler schließt das Geschäftsjahr 2020 aufgrund der Coronaviruspandemie mit deutlich weniger Umsatz ab.
(Bild: Schaeffler AG)

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat heute seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlicht. Der Umsatz der Schaeffler Gruppe lag bei 12,6 Mrd. Euro (Vorjahr: rund 14,4 Mrd. Euro). Währungsbereinigt sank der Umsatz um 10,4 Prozent. Von der negativen Entwicklung waren alle Sparten betroffen. Jedoch trat in der zweiten Jahreshälfte und insbesondere im vierten Quartal eine spürbare Verbesserung gegenüber dem 1. Halbjahr ein, zu der alle Sparten beigetragen haben. Von den vier Regionen konnte sich China am schnellsten erholen und schloss das Jahr auf währungsbereinigter Basis mit einem Umsatzplus von 8,7 Prozent ab. In den Regionen Americas, Europa und Asien/Pazifik war die Umsatzentwicklung rückläufig.

Das Ergebnis vor Finanzergebnis und at-Equity bewerteten Beteiligungen und Ertragsteuern (EBIT) war von Sondereffekten in Höhe von 946 Mio. Euro (Vorjahr: 372 Mio. Euro) belastet. Diese betrafen vor allem die Ausweitung der bereits im Jahr 2019 etablierten Transformations- und Effizienzprogramme Race (Automotive Technologies), Grip (Automotive Aftermarket) und Fit (Industrial) sowie die Wertminderung des der Sparte Automotive Technologies zugeordneten Geschäfts- oder Firmenwerts und führten zu einem EBIT von minus 143 Mio. Euro (Vorjahr: 790 Mio. Euro).

Die EBIT-Marge vor Sondereffekten lag trotz des Umsatzrückgangs bei 6,4 Prozent (Vorjahr: 8,1 Prozent). Hier zeigte sich, dass die initiierten Maßnahmen im Rahmen der Spartenprogramme sowie zusätzliche Kostenanpassungen wirken. Nach einem schwachen ersten Halbjahr mit 1,2 Prozent EBIT-Marge verbesserte sich diese im zweiten Halbjahr auf 10,5 Prozent und lag damit auch über Vorjahr (8,4 Prozent).

Das den Anteilseignern des Mutterunternehmens zuzurechnende Konzernergebnis betrug im Berichtszeitraum minus 424 Mio. Euro nach 428 Mio. Euro im Vorjahr. Das Ergebnis je Vorzugsaktie lag bei minus 0,63 Euro (Vorjahr: 0,65 Euro).

Das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis vor Sondereffekten betrug 325 Mio. Euro (Vorjahr: 686 Mio. Euro). Auf dieser Basis wird der Vorstand der Schaeffler AG der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende in Höhe von 25 Cent je Vorzugsaktie (Vorjahr: 45 Cent) vorschlagen. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von rund 50 Prozent (Vorjahr: rund 43 Prozent) bezogen auf das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis vor Sondereffekten.

Starker Auftragseingang in der E-Mobilität in Automotive Technologies

Die Sparte Automotive Technologies erzielte einen Umsatz in Höhe von 7,821 Mrd.. Euro (Vorjahr: 9,044 Mrd. Euro). Währungsbereinigt ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent zurück. In einem ohnehin rückläufigen Marktumfeld wurde die Umsatzentwicklung im Berichtsjahr massiv durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie belastet.

Weltweit ging die Automobilproduktion um rund 16 Prozent zurück. Diesem negativen Trend konnte sich auch Schaeffler nicht entziehen. Gleichwohl entwickelte sich der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte positiv und übertraf den Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent. Insgesamt erreichte die Sparte Automotive Technologies so eine Outperformance von mehr als 4 Prozentpunkten gegenüber dem Markt. Die Sparte Automotive Technologies erzielte im Berichtsjahr ein Auftragseingangsvolumen von 10,2 Mrd. Euro. Hiervon entfielen 2,7 Mrd. Euro auf den Unternehmensbereich E-Mobilität, was deutlich über der Zielvorgabe von 1,5 bis 2 Mrd. Euro lag.

Der starke Rückgang der weltweiten Automobilproduktion führte im Berichtsjahr in drei von vier Regionen zu Umsatzrückgängen. Besonders betroffen war Europa, wo der Umsatz währungsbereinigt um minus 19,7 Prozent zurückging. Die Region Americas verzeichnete ein Umsatzminus von währungsbereinigt 13,7 Prozent. In der Region Greater China stieg der Umsatz währungsbereinigt um 5,8 Prozent. In der Region Asien/Pazifik ging der Umsatz währungsbereinigt um minus 13,2 Prozent zurück.

Das EBIT vor Sondereffekten sank um 44 Prozent auf 278 Mio. Euro (Vorjahr: 496 Mio. Euro). Die EBIT-Marge vor Sondereffekten ging auf 3,6 Prozent (Vorjahr: 5,5 Prozent) zurück. Vor Sondereffekten konnte die EBIT-Marge im zweiten Halbjahr mit 10,0 Prozent sowohl gegenüber dem ersten Halbjahr (minus 5,5 Prozent) als auch dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (6,1 Prozent) deutlich verbessert werden.

Automotive Aftermarket mit starker Marge trotz Umsatzrückgang

Auch die Sparte Automotive Aftermarket musste im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang hinnehmen. Volumenbedingt sanken die Umsatzerlöse auf 1,641 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,848 Mrd. Euro). Dies entspricht einem Rückgang um währungsbereinigt minus 7,0 Prozent. Die Umsatzentwicklung verlief in allen Regionen negativ, wobei sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr überall verbesserte.

In der Region Europa sanken die Umsatzerlöse um währungsbereinigt minus 7,8 Prozent. Die Region Americas verzeichnete einen Umsatzrückgang um währungsbereinigt minus 4,3 Prozent. In Greater China fiel der Umsatzrückgang mit währungsbereinigt minus 1,9 Prozent moderater aus. In der Region Asien/Pazifik sanken die Umsatzerlöse um währungsbereinigt minus 12,3 Prozent.

Das EBIT vor Sondereffekten lag bei 259 Mio. Euro (Vorjahr: 305 Mio. Euro). Dies entspricht einem Rückgang um 15,1 Prozent. Trotz des deutlichen Umsatzrückgangs konnte die EBIT-Marge vor Sondereffekten im zweiten Halbjahr aufgrund von Kostenanpassungen gegenüber dem ersten Halbjahr verbessert werden und erreichte wieder das Niveau des Vorjahreszeitraums von 17,4 Prozent. Bezogen auf das Berichtsjahr lag die EBIT-Marge vor Sondereffekten bei 15,8 Prozent (Vorjahr: 16,5 Prozent).

Sparte Industrial mit deutlichem Umsatzplus im Sektorcluster Wind

Die Sparte Industrial erzielte einen Umsatz von 3,138 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,535 Mrd. Euro), was einem Rückgang um währungsbereinigt minus 9,2 Prozent entspricht. Dabei entwickelten sich die verschiedenen Sektoren unterschiedlich. So konnte insbesondere der Sektorcluster Wind ein spürbares Umsatzwachstum erzielen, zu dem insbesondere die Region Greater China beitrug. Dies reichte aber nicht aus, um das stark gesunkene Nachfragevolumen weltweit zu kompensieren.

In der Region Europa sank der Umsatz um währungsbereinigt minus 18,4 Prozent, was auf die rückläufige Nachfrage in den meisten Sektorclustern zurückzuführen ist, inbesondere in den meisten Sektoren des Clusters Industrial Automation. Das Handelsgeschäft (Industrial Distribution) war durch den Nachfragerückgang im Service und ein entsprechendes Herunterfahren der Lagerbestände geprägt.

Die Region Americas musste einen deutlichen Umsatzrückgang um währungsbereinigt minus 13,5 Prozent hinnehmen. Belastend waren hier der Rückgang bei Industrial Distribution und in den Sektorclustern Raw Materials und Aerospace. In der Region Greater China stieg der Umsatz im Geschäftsjahr um währungsbereinigt 18,1 Prozent. Dies war vor allem auf das gute Geschäft in den Sektorclustern Wind und Power Transmission zurückzuführen. In der Region Asien/Pazifik lag der Umsatz mit währungsbereinigt minus 13,6 Prozent unter dem Vorjahr. Maßgeblich für den Rückgang waren Industrial Distribution und der Sektorcluster Two Wheelers. Allerdings verbesserte sich die Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr in diesen beiden Bereichen deutlich.

Das EBIT vor Sondereffekten sank um 26,3 Prozent auf 266 Mio. Euro (Vorjahr: 361 Mio. Euro). Die EBIT-Marge vor Sondereffekten ging um 1,7 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent (Vorjahr: 10,2 Prozent) zurück.

Free Cash Flow über Vorjahr

Der Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten der Schaeffler Gruppe war mit 539 Mio. Euro (Vorjahr: 473 Mio. Euro) positiv. Damit liegt der Wert im Rahmen der angepassten Prognose vom 9. November 2020 von rund 500 bis 600 Mio. Euro. Die Investitionsauszahlungen (Capex) für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte sanken im Berichtszeitraum unter das Niveau des Vorjahrs auf 632 Mio. Euro (1.045 Mio. Euro). Dies entspricht einer Investitionsquote von 5,0 Prozent (Vorjahr: 7,2 Prozent). Die Reinvestitionsrate lag bei 0,67 (Vorjahr: 1,01).

Die Netto-Finanzschulden beliefen sich zum 31. Dezember 2020 auf 2.312 Mio. Euro (31. Dezember 2019: 2.526 Mio. Euro). Dabei erhöhte sich das Gearing-Ratio, also das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zu Eigenkapital, auf 125,8 Prozent (31. Dezember 2019: 86,6 Prozent). Die Schaeffler Gruppe, deren Bilanzsumme sich zum 31. Dezember 2020 auf rund 13,2 Mrd. Euro (Vorjahr: rund 12,9 Mrd. Euro) erhöhte, beschäftigte zum selben Stichtag 83.297 Mitarbeitende (Vorjahr: 87.748), was einem Rückgang um rund 5,1 Prozent entspricht.

Prognose für das Jahr 2021 basiert auf vorsichtiger Markteinschätzung

Die Schaeffler Gruppe rechnet für das Geschäftsjahr 2021 mit einem deutlichen währungsbereinigten Umsatzwachstum um mehr als 7 Prozent. Der untere Grenzwert basiert auf einer konservativen Markteinschätzung für das globale Wachstum der Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Zugleich geht das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2021 davon aus, eine EBIT-Marge vor Sondereffekten in Höhe von 6 bis 8 Prozent zu erzielen. Für das Jahr 2021 erwartet die Schaeffler Gruppe zudem einen Free Cash Flow vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten von etwa 100 Mio. Euro. Hierbei sind im Vergleich zum Vorjahr ein volumenbedingter Anstieg des Working Capital, eine Normalisierung des Investitionsvolumens sowie höhere Auszahlungen für Restrukturierungen berücksichtigt.

Der Konzern erwartet, dass die Sparte Automotive Technologies um 2 bis 5 Prozentpunkte stärker wächst als die globale Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Auf dieser Basis rechnet das Unternehmen für die Sparte Automotive Technologies mit einem deutlich positiven währungsbereinigten Umsatzwachstum sowie mit einer gegenüber dem Vorjahr leicht verbesserten EBIT-Marge vor Sondereffekten in Höhe von über 4,5 Prozent.

Für die Sparte Automotive Aftermarket erwartet der Konzern im Geschäftsjahr 2021 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum um 5 bis 7 Prozent und eine gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufige EBIT-Marge vor Sondereffekten in Höhe von über 11,5 Prozent. Hierbei sind höhere Produktkosten, temporär höhere Logistikkosten im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des Montage- und Verpackungszentrums in Halle (Saale), Kosten für Digitalisierung sowie negative Währungseinflüsse berücksichtigt.

Für die Sparte Industrial geht das Unternehmen angesichts der Bandbreite der Einschätzungen unter anderem von Oxford Economics zum Wachstum der globalen Industrieproduktion davon aus, im Geschäftsjahr 2021 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum um 4 bis 6 Prozent zu erzielen sowie eine hohe einstellige EBIT-Marge vor Sondereffekten in Höhe von über 8,5 Prozent.

Dr. Klaus Patzak, Finanzvorstand der Schaeffler AG, sagte: „Wir blicken zuversichtlich auf das kommende Geschäftsjahr und gehen für unsere Märkte von einem relativ robusten Wachstum aus. Allerdings bleibt das wirtschaftliche Umfeld in Zeiten der Pandemie herausfordernd, mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus rechnen wir erst nach 2022. Unsere Prognose reflektiert das.“

(ID:47241940)