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Die Elektromobilität als Chance für den Maschinenbau

| Autor: Stefanie Michel, Stéphane Itasse

Steigt die Anzahl der Elektrofahrzeuge, werden sich auch die Fertigungsverfahren verändern. Für den Maschinenbau bietet sich hier ein Potenzial, auf das er bereits heute reagieren kann.
Steigt die Anzahl der Elektrofahrzeuge, werden sich auch die Fertigungsverfahren verändern. Für den Maschinenbau bietet sich hier ein Potenzial, auf das er bereits heute reagieren kann. (Bild: ZF Friedrichshafen)

Elektrische Antriebe in Fahrzeugen werden zunehmen. Wenn traditionelle Antriebsstränge zukünftig an Bedeutung verlieren, gilt das auch für deren Produktionsverfahren und -technik. So sind Maschinenbau und Antriebstechnik-Hersteller gefragt, diese Transformation hin zur Elektromobilität mitzugestalten und neue Wertschöpfungspotenziale zu entwickeln.

Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs wird nicht nur die Mobilität verändern, sondern ebenso die Fertigungsindustrie beziehungsweise den Maschinenbau. Zum einen bedingen neue Anforderungen an die Elektroantriebe auch neue Verfahren in der Produktion. Zum anderen werden sich die im Fahrzeug eingesetzten Komponenten verändern. Darauf müssen sich die Zulieferer einstellen – hinsichtlich Supply Chain bis zum Automobilhersteller und ebenso hinsichtlich der produzierten Stückzahlen. Doch auch die Automobilhersteller selbst stehen vor der Herausforderung, diesen Wandel hin zur Elektrifizierung, der eine Zunahme an Komplexität mit sich bringt, in ihre Prozesskette zu integrieren.

Wie die Elektromobilität den Maschinenbau bedroht Bis zu 50 % sind einzelne Fachzweige des Maschinenbaus von der Automobilindustrie abhängig. Mit der Elektromobilität drohen teilweise empfindliche Verluste, wie eine neue Studie zeigt. Um von der Entwicklung zu profitieren, müssen sich die Unternehmen neu positionieren.
Die Managementberatung Porsche Consulting geht in ihrer neuen Studie „Auswirkungen der Elektrifizierung des Automobils auf den deutschen Maschinenbau“ davon aus, dass der Markt für Elektrofahrzeuge ab dem Jahr 2030 stark zunimmt und ab 2035 mehr Pkw mit reinem Elektromotor als mit Verbrennungsmotor abgesetzt werden. Da ein Elektromotor weitaus weniger Teile enthält als ein Verbrennungsmotor und in vielen Antriebskonzepten zudem das Getriebe entfällt, sehen die Berater gravierende Auswirkungen vor allem für die Anbieter von Werkzeugmaschinen, aber auch von Öfen und Brennern, Pumpen für Werkzeugmaschinen, Werkzeugen und Spannmitteln sowie Walzwerkseinrichtungen und Gießereimaschinen. So erwarten die Autoren der Studie beispielsweise, dass die Zerspananteile im Jahr 2030 bei 91 % und im Jahr 2050 bei 55 % des heutigen Umfangs liegen – bei einem insgesamt wachsenden Automobilmarkt. Die Berater prognostizieren deshalb, dass ab 2030 im Maschinenbau mit einem Rückgang der jährlichen Wachstumsraten auf knapp 1 % zu rechnen ist. In besonders betroffenen Wirtschaftszweigen, wie der Werkzeugmaschinenindustrie, müssen bis zum Jahr 2050 mehr als 20 % der Wertschöpfung anderweitig erbracht werden. Auf der anderen Seite kann der Maschinenbau durch eine bewusste Neupositionierung auf einem insgesamt wachsenden Pkw-Markt (+ 130 % bis zum Jahr 2050) im Zuge der Elektromobilität auch profitieren.

Im Geflecht rund um die Automobilindustrie haben sich zudem die Werkzeugmaschinenhersteller eine zentrale Stellung erarbeitet. Doch auch sie sind bisher stark vom Verbrennungsmotor abhängig, indem sie Werkzeuge für Fertigungsverfahren liefern, die beim Elektromotor nicht mehr anfallen. Beispielsweise werden formgebende Verfahren sukzessive von Montageprozessen abgelöst, die bei der Produktion von Elektromotoren, aber auch von Batterien oder Brennstoffzellen eine größere Rolle spielen. Zwar wird es an Autos weiterhin Bauteile geben, die beispielsweise zerspant werden, doch deren Anteil wird sich verringern. Somit sind die Werkzeugmaschinenhersteller ebenfalls betroffen und müssen im Hinblick auf die Elektrifizierung neue Produkte entwickeln sowie zukunftsfähige Geschäftsmodelle vorstellen.

Die Zeit ist reif für den Elektroantrieb

Im Fokus dieser Betrachtung steht der elektrische Antriebsstrang und der Elektromotor selbst – und gerade hier ist der Maschinenbau als Innovationstreiber gefragt. Angesichts des schleppenden Absatzes von Elektrofahrzeugen stellen sich die Unternehmen natürlich die berechtigte Frage, ob die Zeit für Veränderungen bereits reif ist. Doch wer kann in die Zukunft blicken? Prognosen für den Absatz von Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 gibt es einige, doch zu einem einheitlichen Ergebnis kommen sie nicht. Eine aktuelle Studie des Industrieverbands Giesserei-Chemie erwartet für Europa 2030, dass der Anteil der Elektrofahrzeuge am Absatz fast 30 % beträgt. Der VDMA hingegen geht beispielsweise in seiner Studie „Antrieb im Wandel“ von lediglich 21 % aus. Nichtsdestotrotz werden elektrische Antriebe in Fahrzeugen einen immer größeren Marktanteil erlangen und damit wird sich das Produktionsvolumen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Zukunft verringern. Angesichts der langwierigen Transformationsprozesse ist es daher wichtig, sich schon heute auf zukünftige Veränderungen einzustellen – sowohl als Anbieter von Produktionsmaschinen als auch als Anbieter der Antriebssysteme.

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