Spannmittel

Die Mikro-Nische wird auch für die Spanntechnikhersteller größer

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Mario Baur, Marketing bei der Röhm GmbH in Sontheim, stellt jedoch fest: „Dieser Markt ist in letzter Zeit sehr viel dynamischer geworden.“ Hersteller führen dies darauf zurück, dass jetzt in großem Maße der Schwenk von manueller Produktion auf automatisierte Prozesse stattfindet.

Mikrospannmittel nicht von der Stange erhältlich

Der eine oder andere Hersteller ist überzeugt, dass sich das Nischengeschäft auf das Standardgeschäft insgesamt auswirkt. Denn Mikrospannlösungen gibt es praktisch nicht von der Stange. Je kleiner die Werkstücke, desto intensiver wird der Informationsfluss zwischen Anwender, Maschinen-, Werkzeug- und Spannmittelhersteller sein müssen. Dazu Erowa-Manager Meier: „Das stellt nicht zuletzt hohe Anforderungen an die Produktentwicklung, macht die Sache für uns interessant und bringt uns sowie unsere Kunden weiter.“

Bislang eingesetzte Spannmittel sind im Miniaturbereich nur bedingt verwendbar. Die Spanngenauigkeiten reichen nicht aus und die erforderlichen Rundlaufgenauigkeiten werden nicht erreicht. Sehr kleine, filigrane Werkstücke erfordern zudem ein sauberes, sorgfältiges Arbeiten und auch in der Handhabung stößt man an Grenzen. „Ein häufiger Grund für den Wechsel auf unser Präzisionsspannsystem sind Defizite in der Prozesssicherheit“, urteilt Schunk-Experte Kostner. Gerade bei Mikroanwendungen seien Anwender auf eine durchgängig hohe Prozessstabilität angewiesen.

Forschung zu Mikrospannmitteln ist von den Universitäten zu den Herstellern übergegangen

Die universitäre Forschung hat sich aus dem Mikro- in den Nanobereich verabschiedet. Größere Projekte sind jedenfalls nicht in Sicht. „Jetzt sind die Hersteller mit ihren Entwicklungsabteilungen dran“, sagt Baur. Was die drauf haben, wird die EMO im September in breiter Vielfalt zeigen. Aus Sonderlösungen sind Baureihen geworden und Baukästen werden erweitert. Röhm wird beispielsweise das bereits vorgestellte Programm erweitern und als Lösung die beidseitige Bearbeitung einer Platine in einer Aufspannung zeigen. Baur erwartet insbesondere in der Kombination Mikrospanntechnik und Automation einen Entwicklungsschub. „Schnellwechselsysteme mit hohen Spannwiederholgenauigkeiten werden eine wichtige Rolle spielen.“

Generell stellen sich die Hersteller von Spannsystemen auf die Komplettbearbeitung ein. Rolf Glück, Vertriebsleiter Referenzsysteme der Hirschmann GmbH, Fluor-Winzeln, nennt den Knackpunkt: „Priorität hat in der Praxis die durchgängige Prozesskette.“ Dort hat Hirschmann die Erfahrungen aus dem Verbundprojekt „Mikroproket“ aufgegriffen und mit dem integrativen Nullpunktspannsystem µ-Pris-Fix ein Mini-Spannsystem für Anwendungen in der Kleinteilefertigung entwickelt. Dabei betrage die Wechselgenauigkeit in der Prozesskette, also beim Wechseln von einer auf eine andere Maschine, weniger als 1 µm. Eingesetzt wird das patentierte Referenzsystem in der spanenden (fräsen, drehen, schleifen) und nichtspanenden (erodieren, lasern) Bearbeitung von Werkstücken sowie in der Messtechnik. Interessant dürfte sein, in welche Richtung sich die auf der vergangenen EMO gezeigte Kombination des damals neuen Senkerodiersystems von Mitsubishi Electric und des Mikrospannsystesm von Hirschmann entwickelt hat.

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