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Die neuen Normen ISO 9000:2000ff zur Zertifizierung von QM-Systemen

29.09.2006 | Redakteur: MM

Gegenüber den Normen aus dem Jahr 1994 hat die ISO 9001:2000 einige Vorteile. Die Orientierung am Hauptwertschöpfungsprozess und die Festlegung der Abfolge und Wechselwirkung der Prozesse wirken dem...

Gegenüber den Normen aus dem Jahr 1994 hat die ISO 9001:2000 einige Vorteile. Die Orientierung am Hauptwertschöpfungsprozess und die Festlegung der Abfolge und Wechselwirkung der Prozesse wirken dem Abteilungsdenken entgegen. Außerdem muss die oberste Leitung die Ermittlung der Kundenforderungen und die ständige Verbesserung der Wirksamkeit des QM-Systems sicherstellen. Umfang und Tiefe der Dokumentation kann besser auf Größe und Komplexität des Unternehmens sowie die Mitarbeiterqualifikation abgestimmt werden. In der überarbeiteten Version der Normen DIN EN ISO 9000, 9001 und 9004 ist die bisherige eindeutige Benennung ,,Forderung" durch die mehrdeutige Benennung ,,Anforderung" als Übersetzung von ,,requirement" ersetzt worden. Die Benennung ,,Anforderung" ist wegen der Mehrdeutigkeit (im Sinne von ,,anfordern" und ,,fordern") gegen den Willen des fachlich zuständigen Arbeitsausschusses NQSZ 1 und im Widerspruch zum bisherigen Gebrauch in den DIN EN ISO 9000 - Normen und den anderen deutschsprachigen QM-Normen vom Beirat des NQSZ und vom DIN festgelegt worden. Im Folgenden taucht ,,Anforderung" nur in den Zitaten aus den Normen auf.Die Kernnormen der ISO 9000 - Normenreihe liegen nun in grundlegend überarbeiteten Fassungen vor:- DIN EN ISO 9000:2000 Qualitätsmanagementsysteme - Grundlagen und Begriffe - DIN EN ISO 9001:2000 Qualitätsmanagementsysteme - Anforderungen - DIN EN ISO 9004:2000 Qualitätsmanagementsysteme - Leitfaden zur Leistungsverbesserung Die ISO 9000:2000 ersetzt die ISO 8402:1994 und die ISO 9000-1:1994. Die ISO 9001:2000 ersetzt die ISO 9001:1994, die ISO 9002:1994 und die ISO 9003:1994. Die ISO 9004:2000 ersetzt die ISO 9004-1:1994 und einige weitere Normen der ISO 9000-Familie.Die Normen der ISO 9000-Familie sind die weltweit am weitesten verbreiteten und angewendeten internationalen Normen überhaupt. Ihre Bedeutung für viele Volkswirtschaften ist hoch, sollen sie doch der Leistungsverbesserung von Unternehmen dienen und bilden sie doch einen Rahmen für unzählige qualitätsbezogene Produkt- und Verfahrensnormen und gesetzliche Regelungen. Sie bilden ein Element im Bestreben zum Abbau von Handelshemmnissen weltweit. Sie stehen und standen Modell für nationale oder internationale Normen zum Umweltmanagement, Arbeitsschutzmanagement und Informationssicherheitsmanagement. Sie werden in Verträgen zwischen Unternehmen und in gesetzlichen Regelungen herangezogen sowie für Zertifizierungszwecke und Herstellererklärungen genutzt.So ist es nicht verwunderlich, dass die Revision der 1994er-Versionen der ISO 9000-Normenreihe auf hohes Interesse stieß. Im Laufe der Jahre schälten sich als wichtige Ziele für die Normeninhalte und den Normenaufbau heraus:- Orientierung an den folgenden anerkannten Grundsätzen für das Qualitätsmanagement: Kundenorientierung, Führung, Einbeziehung der Personen, prozessorientierter Ansatz, systemorientierter Managementansatz, ständige Verbesserung, sachbezogener Ansatz zur Entscheidungsfindung, Lieferantenbeziehung zum gegenseitigen Nutzen; - Festlegung der Begriffe direkt in der ,,Einstiegsnorm" ISO 9000; - Verwendung einer Terminologie, die weniger orientiert ist am Sprachgebrauch in Branchen, in denen materielle Produkte entstehen, sondern beispielsweise besser in Dienstleistungs- und Softwarebranchen verstanden wird; - Vereinheitlichung der Abschnittsgliederungen von ISO 9001 und ISO 9004 so, dass beide Normen ein ,,konsistentes Paar" darstellen; - bessere Kompatibilität mit den Umweltmanagementnormen der ISO 14000-Normenreihe; - Positionierung des Qualitätsmanagements im Rahmen des übergreifenden Managements und Erleichterung der Integration der verschiedenen Managementfelder;- Erleichterung der Anwendung der Normen durch kleine Unternehmen;- stärkere Ausrichtung auf die Erfüllung der Qualitätsforderungen, die der Kunde an die Produkte und anderen Ergebnisse des Unternehmens stellt, auf die Zufriedenstellung des Kunden und auf Verbesserungsmaßnahmen;- Berücksichtigung der Konzepte von TQM (Total Quality Management) und von Modellen, die auf ,,Business Excellence" abzielen; - Reduzierung der Anzahl der Nachweismodelle (wegen der seltenen Anwendung von ISO 9003:1994 und weil oft ISO 9002:1994 unangemessen angewendet wird, obwohl das Unternehmen Produkte entwickelt und in der Entwicklung viele Fehler ihre Ursachen haben); - Reduzierung der Anzahl der Normen und Leitfäden der ISO 9000-Normenfamilie, die die QM-Normen der ISO 10000-Reihe einschließt; - Praxiserprobung der Normentwürfe vor Veröffentlichung der Normen.Mit den neuen Normen und der in Vorbereitung befindlichen Norm über Audits von Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen (ISO 19011) werden die obigen Ziele in befriedigender Weise erreicht. Hilfreich dafür ist das verwendete Modell eines prozessorientierten Qualitätsmanagementsystems, wie es im Folgenden bildlich dargestellt ist (entnommen aus DIN EN ISO 9000).Anwendungsbereich der ISO 9000 Der Anwendungsbereich der ISO 9000 lautet: ,,Diese Internationale Norm beschreibt Grundlagen für Qualitätsmanagementsysteme, die den Gegenstand der ISO-9000-Familie bilden, und legt die zugehörige Terminologie fest. Die Norm ist anwendbar auf- Organisationen; die durch die Verwirklichung eines Qualitätsmanagementsystems Vorteile suchen; - Organisationen, die Vertrauen zu ihren Lieferanten erwerben wollen, dass diese ihre Anforderungen an das Produkt erfüllen werden; - die Nutzer der Produkte; - alle, die mit einem gemeinsamen Verständnis der im Qualitätsmanagement verwendeten Begriffe zu tun haben (zum Beispiel Lieferanten, Kunden, Behörden); - alle, innerhalb und außerhalb der Organisation, die das Qualitätsmanagementsystem bewerten oder im Hinblick auf die Einhaltung der Anforderungen der ISO 9001 auditieren (zum Beispiel Auditoren, Behörden, Zertifizierungs-/ Zulassungsstellen) - alle, innerhalb und außerhalb der Organisation, welche die Organisation bezüglich eines für sie geeigneten Qualitätsmanagementsystems beraten und schulen; - Entwickler in Bezug stehender Normen." Der Anwendungsbereich von ISO 9001 unter ,,Allgemeines" lautet: ,,Diese Internationale Norm legt Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem fest, wenn eine Organisation:- ihre Fähigkeit zur ständigen Bereitstellung von Produkten darzulegen hat, die die Anforderungen der Kunden und die zutreffenden behördlichen Forderungen erfüllen, und - danach strebt, die Kundenzufriedenheit durch wirksame Anwendung des Systems zu erhöhen, einschließlich der Prozesse zur ständigen Verbesserung des Systems und der Zusicherung der Einhaltung der Anforderungen der Kunden und zutreffenden behördlichen Anforderungen." Der Anwendungsbereich von ISO 9004 lautet: ,,Diese Internationale Norm gibt über die in ISO 9001 enthaltenen Anforderungen hinausgehende Anleitungen, um sowohl die Wirksamkeit als auch die Effizienz eines Qualitätsmanagementsystems und damit die Möglichkeiten der Leistungsverbesserung einer Organisation zu berücksichtigen. Im Vergleich zu ISO 9001 werden die Ziele der Kundenzufriedenheit und der Produktqualität ausgeweitet, um auch die Zufriedenheit interessierter Parteien und die Leistung der Organisation einzubeziehen.Diese internationle Norm ist anwendbar auf die Prozesse der Organisation, so dass die zu Grunde liegenden Grundsätze des Qualitätsmanagements in der gesamten Organisation angewandt werden können. Schwerpunkt dieser Internationalen Norm ist die Erzielung fortschreitender Verbesserungen, gemessen an der Zufriedenheit der Kunden und anderer interessierter Parteien. Diese internationle Norm bietet Anleitungen und Empfehlungen und ist weder für die Zertifizierung, behördliche oder vertragliche Zwecke vorgesehen noch als Leitfaden zur Umsetzung von ISO 9001."Obwohl in der Praxis das Hauptaugenmerk auf ISO 9001 gerichtet ist, sollten Unternehmen, Berater und Zertifizierungsgesellschaft den ersten Blick zunächst auf ISO 9000 und dann auf ISO 9004 richten.Organisationen sollten erkennen, dass der Hauptzweck ihrer Tätigkeit in der Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Wirtschaftlichkeit und ihres Erfolges liegen muss. Dazu gibt ISO 9004 eine Fülle von Anregungen, die nicht alle zugleich beachtet, sondern schwerpunktmäßig umgesetzt werden können. Ein Leitfaden zur Selbstbewertung, wie sie ähnlich zum Beispiel im EFQM-Modell vorgesehen ist, ergänzt die Norm. Berater von Organisationen sollten die Anregungen aufgreifen und die Umsetzung fördern. Die Auditoren der Zertifizierer sollten den Organisationen Verbesserungspotenziale auch mit Hilfe von ISO 9004 aufzeigen.Vertrauen bei den Kunden erzeugen ist Hauptziel Die ISO 9001 dient der Organisation im Wesentlichen wie bisher dem Zweck, durch Darlegung der Erfüllung der Mindestforderung der Norm Vertrauen bei ihren Kunden zu erzeugen, dass sie qualitätsfähig ist, das heißt fähig ist, die Kundenforderungen an die zu liefernden Produkte zu erfüllen. Dass nicht wenige Organisationen mit geringstmöglichem Aufwand auszukommen meinen, deshalb bürokratisch handeln und einige Zertifizierer unterstützend wirken, konnte die bisherige und wird die neue Norm nicht verhindern. Daraus resultiert die häufig geäußerte Kritik.Die Organisationen jedoch, die sich wirklich verbessern wollen, bekommen mit der neuen ISO 9001 eine bessere Handhabe als bisher, ihre Fähigkeiten ihren Kunden darzulegen und eine gegebenenfalls zu umfangreich entstandene Bürokratie mit unsinnigem Dokumentationsumfang abzustreifen. Gegenüber den bisherigen Normen ISO 9001/ 9002/9003 aus dem Jahr 1994 hat ISO 9001:2000 folgende Vorteile:- gleiche Abschnittsstrukturen von ISO 9004 und ISO 9001, womit die Hinweise aus ISO 9004 besser anwendbar sind; - klarere Sprache (z. B.: Im Übrigen schließt der Begriff ,,Produkt" weiterhin explizit ,,Dienstleistungen" ein, der Begriff ,,Dokument" schließt ,,Aufzeichnungen" ein; Vermeidung des schwer übersetzbaren Begriffs ,,quality assurance"); - prozessorientierter Ansatz: Die Orientierung am Hauptwertschöpfungsprozess und die Forderung nach Festlegung der Abfolge und Wechselwirkung der Prozesse wirken dem Denken in Abteilungen und ihrem gegenseitigen ,,Abschotten" entgegen; - bessere Verträglichkeit mit ISO 14001 und damit bessere Integrierbarkeit von Qualitäts- und Umweltmanagement; - Abdeckung der Inhalte der Normen ISO 9002 und ISO 9003, womit bei der Darlegung der Qualitätsfähigkeit dem Anteil der Fähigkeit und Verantwortung der Organisation besonders zur Produktentwicklung grundsätzlich Rechnung getragen wird;- Beschränkung der Möglichkeit, Forderungen nicht anzuwenden (zum Beispiel muss bei nicht vorhandener Produktentwicklung in der Organisation die Verantwortung für die Entwicklung beispielsweise im Rahmen der Beurteilung des Lieferanten des Entwicklungsergebnisses wahrgenommen werden, es sei denn, der Kunde als Entwickler trägt diese Verantwortung);- die oberste Leitung der Organisation muss die Ermittlung der Kundenforderungen und die ständige Verbesserung der Wirksamkeit des QM-Systems sicherstellen; - die oberste Leitung muss die Festlegung von messbaren Qualitätszielen für alle qualitätsrelevanten Ebenen festlegen; - Konkretisierung der notwendigen Eingaben und Ergebnisse der Managementbewertung; dadurch wirksamerer Trend zur Verbesserung der Leistungen und der Marktposition; - Das Thema Umfang und Tiefe der Dokumentation wird flexibler gehandhabt und berücksichtigt besser die Größe und die Komplexität des Unternehmens sowie die Qualifikation der Mitarbeiter; - Herausstellen der notwendigen Kommunikation mit dem Kunden; - Forderungen an das Ressourcenmanagement (Personal, Infrastruktur, Arbeitsumgebung) sind erweitert;- Forderungen zu den Prozessen der Wertschöpfungskette sind in einem Abschnitt ,,Produktrealisierung" zusammengefasst; - Hinweis, dass die Forderungen, die an die Produktentwicklung gestellt werden, auch an die Entwicklung von Produktrealisierungsprozessen angewendet werden können. Die DQS als einer der Zertifizierer rät ihren Kunden, die neue Norm als Chance zur Verbesserung ihrer Managementsysteme wahrzunehmen und die Umstellung gegebenenfalls schrittweise zu vollziehen, bis die Erfüllung der Normforderungen bestätigt werden kann.

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