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Die Vorteile von Plattformen in der Metallbranche

| Autor/ Redakteur: Marek Sacha / Melanie Krauß

Die Digitalisierung ist im Stahl- und Metallhandel längst noch nicht so stark ausgeprägt, wie sie könnte – gleichzeitig war der Einstieg noch nie so einfach wie jetzt.

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Dass Plattformen einen Mehrwert bieten, haben sie schon in vielen anderen Branchen bewiesen.
Dass Plattformen einen Mehrwert bieten, haben sie schon in vielen anderen Branchen bewiesen.
(Bild: ©Tierney - stock.adobe.com)

Sieht man sich an, wie digital die Metall- und Stahlbranche ist, zeichnet sich noch ein sehr heterogenes Bild ab. In der Produktion haben viele Unternehmen den Nutzen von digitalen Techniken erkannt und teilweise auch umgesetzt. Laut einer Fraunhofer-Studie aus dem Frühjahr 2019 haben 95 % der Betriebe in Deutschland immerhin schon knapp die Hälfte ihrer Prozesse automatisiert. Die Branche insgesamt kommt demnach aber nur auf einen Digitalisierungsgrad von 30 %.

Besonders dramatisch ist die Situation beim Handel mit Stahl und Metallen. „In vielen Betrieben ist das Fax noch Stand der Technik für die Abwicklung von Beschaffungsaufträgen“, heißt es in der Studie. Hierzulande feiert das Faxen in diesem Jahr übrigens seinen 40. Geburtstag. Wer digitale Vertriebsplattformen nutzt, gehört leider noch zu den Exoten unter den Stahl- und Metallhandelsunternehmen, dabei ließen sich hierbei Prozesse beschleunigen und besser strukturieren, also insgesamt effizienter gestalten.

Dass Plattformen einen Mehrwert bieten, haben sie in vielen Branchen bewiesen. Man denke nur an Amazon oder Airbnb. Auch hier können Kunden eine Vielzahl von Anbietern gebündelt in einem digitalen Ökosystem sehen und schnell für sich das beste Angebot finden. Für die Anbieter wiederum sinkt der eigene Werbeaufwand, denn die Präsenz auf der Plattform bringt sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit mit Kunden zusammen, als wenn sie ausschließlich alleine Werbung für potenzielle Käufer schalten.

Schritt in die Globalisierung

Solche Vorteile ließen sich auch im Stahlhandel realisieren. Der erste Schritt sollte dabei sein, einen für das Unternehmen geeigneten Marktplatz zu finden, der ihnen die digitale Transformation erleichtert. Marktplatzlösungen haben den Vorteil, dass sie schon eine fertige Basis bilden. In der Regel besteht eine Handelsplattform aus einer Shop-in-Shop-Lösung, dass heißt ein Lieferant bleibt als solcher sichtbar, Verbraucher können aber trotzdem über die gesamte Plattform hinweg nach Produkten suchen. Wie gut das in der Praxis funktioniert, zeigen die Beispiele ebay und Amazon, die eine regelrechte Gründerwelle ausgelöst haben. Hobbybastler, kleine Antiquariate, oder Goldschmiede, für die ein eigener Online-Shop zu aufwendig gewesen wäre, konnten auf einmal eine internationale Kundschaft adressieren.

Viele Anbieter im Stahlhandel, die bisher noch nicht vom E-Commerce profitiert haben, könnten sich mit einer passenden Plattform ins digitale Zeitalter katapultieren. Sie können sich eigenständig auf einem digitalen Marktplatz präsentieren und gleichzeitig von Einkäufern leicht gefunden werden. Wer ein bestimmtes Werkstoff-Produkt sucht, findet alle Anbieter, bei denen es verfügbar ist. Die Preise lassen sich dann individuell aushandeln. Das macht sowohl für große Traditionsunternehmen Sinn wie auch für kleine Spezialanbieter, die über einen digitalen Marktplatz einfacher Kunden auf der ganzen Welt erreichen können.

Nur noch eine Schnittstelle statt 100

Eine Plattform für alle ist deswegen so komfortabel, weil die einzelnen Händler keine Investitionen tätigen müssen, um ihre Produkte online zu bringen. Der Aufbau eines eigenen Online-Shops entfällt und auch die Anbindung an eine Vielzahl von Kunden, die digital bestellen wollen. Eine E-Commerce-Lösung im B2B-Bereich will schließlich regelmäßig gepflegt werden und außerdem macht es Sinn, direkt das Warenwirtschaftssystem anzubinden.

Sowohl Lieferanten als auch Verbraucher benötigen nur noch eine Schnittstelle, wenn sie über eine Plattform Handel treiben. Wer einen eigenen Online-Shop auf seiner Website betreibt und vielleicht 100 Kunden hat und diesen nun digital anbinden will, muss 100 Schnittstellen schaffen und aktuell halten. Der große Vorteil einer Plattform für die gesamte Stahlhandelsbranche liegt also in der starken Vereinfachung des IT-Aufwands für alle Beteiligten.

Auch der Einstieg in so eine Plattform geht in der Regel ohne große Hürden über die Bühne. Technische Kenntnisse sind normalerweise nicht erforderlich, die Anbindung ans Warenwirtschaftssystem der Lieferanten sollten die IT-Experten der Plattform übernehmen. Verbraucher müssen sich dann lediglich auf der Plattform registrieren und verifizieren.

Die Zeitsparmaschine

Wenn man bedenkt, aus wie vielen Einzelteilen ein Auto besteht oder wie viele Metall- und Stahlteile in einem Hochhaus stecken, dann lässt sich in etwa erahnen, wie viel Zeit sich sparen ließe, wenn man alle Bauteile und Materialien online bestellen könnte – und zwar über eine einzige Plattform und ohne Begrenzung durch Bürozeiten.

Mit einer globalen Plattform können sich Hersteller auf die Produktion konzentrieren und Sales-Teams gewinnen mehr Zeit für die Kundenbetreuung. Der Zeitvorteil ergibt sich nicht zuletzt aus dem Wegfall von Medienbrüchen. Niemand müsste mehr Bestellungen von einem Fax abtippen und in eine Exceltabelle eintragen. Außerdem sparen Einkäufer Zeit, wenn es um das Finden der richtigen Lieferanten und Werkstoffprodukte geht. Einkäufer können Produktverfügbarkeiten und -informationen direkt abrufen. Standardbestellungen oder wiederkehrende Aufträge ließen sich mit ein paar Mausklicks abwickeln.

Die Plattform-Vision geht aber noch weiter. Neben der reinen Abwicklung von Bestellungen ergeben sich weitere Vorteile, die sich aus dieser Bündelung von Anbietern und Prozessen ergeben. Eine Plattform könnte in Zukunft auch die Transportlogistik der Lieferanten unterstützen. Damit ließen sich Kapazitäten sparen. Auch Finanzierungs- oder Versicherungs-Services wären mittelfristig möglich. Amazon und Google sind schließlich auch schon im Banking-Bereich aktiv, Amazon bietet zu manchen Produkten schon eigene Versicherungen an.

Und bevor das Silicon Valley auch noch die Digitalisierung dieser Branche dominiert, sollten wir Europäer es selbst tun. Wer den Plattformstandard setzt, wird später den Markt bestimmen. Oder um es mit den Worten des Digitalexperten Felix Staeritz zu sagen: „Es geht hier nicht um die Digitalisierung oder Disruption der Branche, sondern um ihre Zukunft insgesamt.“

* Marek Sacha ist Geschäftsführer bei der XOM Materials GmbH in 10115 Berlin, Tel. (08 00) 6 84 00 00, service@xom-materials.com, www.xom-materials.com/marketplace/de/

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