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Vertragsgestaltung

Erfolgreiches Claimsmanagement fängt beim Vertrag an

Durch widrige Projektverläufe können Erlöse geschmälert werden, eine sorgfältige Vertragsgestaltung bewahrt Unternehmen vor diesem Risiko. Die zweiteilige Serie „Projektgeschäft im Griff“ stellt acht Punkte eines Vertrages vor, die sich in der Praxis immer wieder als besonders ergebnisträchtig erweisen.

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Der Vertrag muss so geschlossen werden, dass er allen Beteiligten deutliche Zuständigkeiten zuweist. (Bild: MM-Archiv)
Der Vertrag muss so geschlossen werden, dass er allen Beteiligten deutliche Zuständigkeiten zuweist. (Bild: MM-Archiv)

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat nach Bankenkrise und Rezession erstaunlich schnell wieder an Fahrt aufgenommen. Die Margen aber bleiben für viele Unternehmen angesichts des harten Wettbewerbs im In- und Ausland und der hohen Risiken insbesondere im Projektgeschäft knapp. Claimsmanagement als Werkzeug der Unternehmensführung kann durchaus dazu beitragen, dass ein widriger Projektverlauf die kalkulierten Erlöse wenigstens nicht noch weiter aushöhlt – allerdings nur auf der Grundlage einer entsprechend sorgfältigen Vertragsgestaltung.

Tatsächlicher Projektverlauf weicht oft vom geplanten ab

Die Zahl der als wichtig bezeichneten Punkte eines Vertrags ist beliebig. Außerdem kann der individuelle Verlauf eines Projekts eine Regelung bedeutend werden lassen, die vielleicht sonst nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im engen Rahmen dieser Artikelserie bietet sich die Darstellung von acht Punkten an, die sich in der Praxis immer wieder als besonders ergebnisträchtig erweisen.

Erstens: Je umfassender, komplexer und zeitlich aufwendiger Fertigung und Montage etwa einer Industrieanlage sind, desto wahrscheinlicher wird der tatsächliche vom geplanten Projektverlauf abweichen. Dieser Erfahrung muss der Vertrag Rechnung tragen. Eine statische Regelung, bezogen nur auf den anfangs von den Parteien ins Auge gefassten Austausch von Leistungen und Gegenleistungen, wird den tatsächlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Da das Gesetz (sollte deutsches Recht überhaupt anwendbar sein) keine wirkliche Hilfe bietet, muss der Vertragstext Orientierung bieten und folgende Fragen beantworten:

  • 1. Wer ist an dem Änderungsverfahren beteiligt?
  • 2. Wer darf/muss was bis wann entscheiden?
  • 3. Welche Formerfordernisse sind einzuhalten?
  • 4. Wie muss der Auftraggeber seinen Änderungswunsch vorbringen?
  • 5. Ist ein Voranschlag des Auftragnehmers (Kosten, Termine, weitere vertragliche Folgen) vorgesehen?
  • 6. Ist die Vergütung (Preisanpassung oder ursprünglicher Preis) geregelt?
  • 7. Welche Vorbehalte kann der Auftragnehmer gegen eine Änderung geltend machen?
  • 8. Gibt es Verbote oder Einschränkungen einer Änderung?
  • 9. Sind zusätzlich erforderliche Zeit und aus der Leistungszeitverlängerung anfallende Kosten geregelt?
  • 10. Sind praktikable Verfahren für Beschleunigung, Verzögerung oder Einstellung der Arbeiten am Projekt umrissen?
  • 11. Gilt für Streitigkeiten über Änderungen der im Vertrag sonst bezeichnete Rechtsweg oder unterliegen sie besonderen Regelungen?

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