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Kugelgewindetrieb

Fit für die Fließfertigung

| Autor: Stefanie Michel

Wer als mittelständisches Unternehmer großen Branchen zuliefert, muss sich auf deren Produktionsprozesse einstellen. Durch die Umstrukturierung seiner Prozesse kann ein Hersteller von Kugelgewindetrieben nun flexibler und effizienter in höchster Qualität fertigen.

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Kugelgewindetriebe werden hauptsächlich in Werkzeugmaschinen eingesetzt und erfordern deshalb eine hohe Präzision und Fertigungsgüte.
Kugelgewindetriebe werden hauptsächlich in Werkzeugmaschinen eingesetzt und erfordern deshalb eine hohe Präzision und Fertigungsgüte.
(Bild: Stefanie Michel)
  • Kugelgewindetriebe sind Bestandteil von Werkzeugmaschinen und werden von Zulieferern in entsprechender Qualität und Präzision gefertigt – zu festen Terminen.
  • Um den Anforderungen an diese Maschinenhersteller gerecht zu werden, müssen mittelständische Unternehmen ihre Produktionsprozesse anpassen, wie das Beispiel von August Steinmeyer zeigt.
  • Dort wird eine effiziente Auftragsabwicklung in Kombination mit einer durchgängigen Fließfertigung für mehr Flexibilität und Produktivität sorgen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.

Viele Branchen des produzierenden Gewerbes befinden sich gerade in einer Phase großer Umbrüche: Die Maschinen werden smart, die Unternehmen müssen die Digitalisierung in ihren eigenen Fabriken und Produkten stemmen und sie müssen schneller und flexibler auf die Anforderungen ihrer Kunden reagieren können. Ein „Weiter so“ in über Jahrzehnten gewachsenen Fertigungsbetrieben kann es auf die Dauer nicht geben, wenn man weiterhin erfolgreich am Markt bestehen will.

Auch das mittelständische Unternehmen Steinmeyer aus Albstadt hat sich dieser Herausforderung gestellt, komplett neue Strukturen im ganzen Unternehmen aufzubauen. Die Geschäftsführung weiß: Man ist Zulieferer und muss zu einem festen Termin liefern. Viele der Steinmeyer-Kunden – sei es die Werkzeugmaschinen-Branche, die Automobilzulieferindustrie oder Unternehmen aus der Luftfahrt – haben eine Fließfertigung und sind somit auf die Liefertreue angewiesen.

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Durchgängige Prozesse reduzieren die Durchlaufzeit

Kern der Umstrukturierung ist die Produkt- und Prozessorientierung in der Administration und Produktion. Bereits im letzten Jahr hat man zunächst mit der Reorganisation im Bereich der Angestellten (Vertrieb, Marketing, Personal, Entwicklung und Beschaffung) begonnen. So gibt es keinen zentralen Vertrieb Innendienst mehr. Stattdessen führen prozessorientierte Teams eine komplette Auftragsabwicklung innerhalb ihrer Gruppe durch, was die Abläufe beschleunigt.

Schwieriger ist es, die Produktion im Hinblick auf die Prozessorientierung neu zu strukturieren. Geschäftsführer Dr. Manfred Münch erklärt die Problematik: „In der Produktion bedeutete dies, dass wir von 140 Anlagen 130 bewegen mussten, um eine Fließfertigung hinzubekommen.“ Vor der Umstrukturierung hatte ein Kugelgewindetrieb bei Steinmeyer im Durchschnitt einen 1,5 bis 2 km langen Weg über 3 Stockwerke hinter sich. Grund dafür war die heterogene Ausstattung der Produktionshallen. So befand sich beispielsweise die Gewindeschleiferei im Keller, weil dort Klimatisierung und Ölversorgung vorhanden waren, was für die hochpräzise Fertigung unerlässlich ist. Die älteste Produktionshalle ist noch aus den 1950er-Jahren; danach folgte etwa in jedem Jahrzehnt eine weitere Halle. Deshalb hatte man die für die Produktionsschritte passende Halle ausgewählt, wodurch aber im Laufe der Jahre die nicht produktiven Tätigkeiten (zum Beispiel die Zwischenlagerung der Spindel) gestiegen sind.

Ziel war es, dass in jeder Halle jede Maschine bedienbar ist. Damit mussten gleiche Produktionsbedingungen – von der Lüftung über die Stromversorgung bis hin zur Ölanlage – geschaffen werden. Das ist möglich, weil ohnehin die meisten der Maschinen und Anlagen umziehen mussten. Nach der Sanierung können die Werkzeugmaschinen in durchgängigen Prozesslinien so aufgebaut werden, dass sich die Totzeit minimieren und die Durchlaufzeit reduzieren lässt.

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt