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Arbeitsrecht Ist toxische Führung strafbar?

Autor: Melanie Krauß

Darf ein Chef seine Mitarbeiter als inkompetent bezeichnen? Und wo ist die Grenze zum Mobbing? Benjamin Onnis, Fachanwalt für Arbeitsrecht, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema toxische Führung.

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Toxische Führungskräfte schaden Unternehmen und Mitarbeitern. Doch müssen Sie auch rechtliche Konsequenzen fürchten?
Toxische Führungskräfte schaden Unternehmen und Mitarbeitern. Doch müssen Sie auch rechtliche Konsequenzen fürchten?
(Bild: ©SecondSide - stock.adobe.com)

Darf eine Führungskraft unhöflich zu ihren Mitarbeitern sein?

Es gibt kein Gesetz, das einer Führungskraft vorschreibt, höflich zu ihren Mitarbeitern zu sein. Sagt der Chef also beispielsweise niemals „Bitte“ und „Danke“ oder „Guten Morgen“, ist das zwar nicht gerade sympathisch – rechtlich aber vollkommen in Ordnung.

Darf eine Führungskraft ihre Mitarbeiter als inkompetent bezeichnen?

Sachliche Kritik ist grundsätzlich erlaubt (zum Beispiel „diese Aufgabe hast du nicht gut erledigt“). Die Angriffe dürfen sich jedoch nicht gegen die Person des Mitarbeiters richten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Führungskraft den Mitarbeiter als dumm oder Idioten bezeichnet. Dies gilt als Beleidigung und ist auch strafrechtlich relevant.

Darf eine Führungskraft vor anderen schlecht über ihre Mitarbeiter
sprechen?

Solange die Führungskraft bei der Wahrheit bleibt und sich nicht gegen die Person des Mitarbeiters richtet, fällt das unter Meinungsfreiheit. Behauptet die Führungskraft jedoch etwas Falsches oder versucht dem Mitarbeiter gar ihre eigenen Fehler in die Schuhe zu schieben, zählt das als Verleumdung, beziehungsweise üble Nachrede, und ist strafbar.

Darf eine Führungskraft ihre Mitarbeiter anschreien?

Nein. Aus dem Arbeitsverhältnis folgt eine Pflicht zur Rücksichtnahme – eine Führungskraft darf ihren Mitarbeiter also nicht anschreien. Tut sie das trotzdem, begeht sie ihrem Arbeitgeber gegenüber eine Pflichtverletzung und kann ermahnt oder sogar abgemahnt werden. Tritt das Verhalten wiederholt auf, kann das Unternehmen der Führungskraft kündigen.

Ab wann gilt das Verhalten einer Führungskraft als Mobbing?

Um Mobbing handelt es sich, wenn die Führungskraft einen Mitarbeiter systematisch anfeindet, schikaniert oder diskriminiert – das Verhalten muss also mehrmals auftauchen. Ein Beispiel wäre, wenn der Chef immer wieder den gleichen Mitarbeiter im Meeting herunterputzt.

Auch in diesem Fall kann das Unternehmen die Führungskraft abmahnen und, wenn das nichts bringt, ihr letztendlich sogar kündigen. Der Mitarbeiter wiederum kann seinen Arbeitgeber verklagen, wenn dieser das Verhalten der Führungskraft duldet. Dabei kann er Schadensersatz fordern oder Unterlassungsansprüche durchsetzen oder zum Beispiel fordern, dass die Führungskraft (oder er selbst) versetzt wird.

Darf die Führungskraft vom Mitarbeiter verlangen, Kaffee zu kochen?

Nein, die Führungskraft kann den Mitarbeiter nicht einfach dazu verdonnern, Kaffee zu kochen. Ganz klar wird das bei Mitarbeitern mit Arbeitsverträgen, in denen die Tätigkeiten im Detail geregelt sind. Hier dürfen nicht einfach neue Tätigkeiten hinzugefügt werden. Bei Verträgen, die lediglich regeln, in welcher Funktion der Mitarbeiter angestellt ist – zum Beispiel als Konstrukteur – hat die Führungskraft mehr Spielraum. Die zugewiesenen Tätigkeiten müssen jedoch gleichwertig sein. Kaffeekochen gehört normalerweise nicht dazu.

Kann ein Mitarbeiter sich beschweren, wenn er immer die „schlechteren Projekte“ bekommt?

Um beim vorherigen Beispiel zu bleiben: Solange die Tätigkeit für einen Konstrukteur geeignet ist, kann die Führungskraft sie ihm zuweisen. Das bedeutet, der Mitarbeiter muss sich damit abfinden, wenn er beispielsweise immer die weniger prestigeträchtigen Projekte zugeteilt bekommt.

Darf die Führungskraft den Mitarbeiter zu Überstunden zwingen?

Die Führungskraft darf Überstunden anordnen, wenn dies im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung so geregelt ist. Sie muss aber darauf achten, dass diese gerecht verteilt sind. Sie kann also nicht immer vom gleichen Mitarbeiter verlangen, jeden Abend im Büro zu verbringen, während die Kollegen alle pünktlich nachhause dürfen.

Daran erkennen Sie eine toxische Führungskraft

  • Die Führungskraft verspottet den Mitarbeiter.
  • Die Führungskraft sagt dem Mitarbeiter, dass seine Gedanken oder Empfindungen dumm sind.
  • Die Führungskraft ignoriert den Mitarbeiter.
  • Die Führungskraft macht den Mitarbeiter vor anderen runter.
  • Die Führungskraft dringt in die Privatsphäre des Mitarbeiters ein.
  • Die Führungskraft erinnert den Mitarbeiter an Fehler aus der Vergangenheit.
  • Die Führungskraft würdigt den Mitarbeiter nicht für Aufgaben, die viel Einsatz erfordern.
  • Die Führungskraft schiebt dem Mitarbeiter ihre eigenen Fehler in die Schuhe.
  • Die Führungskraft bricht ihre Versprechen gegenüber dem Mitarbeiter.
  • Die Führungskraft lässt ihren Ärger am Mitarbeiter aus.
  • Die Führungskraft äußert sich anderen gegenüber negativ über den Mitarbeiter.
  • Die Führungskraft ist unhöflich zum Mitarbeiter.
  • Die Führungskraft unterbindet den Kontakt des Mitarbeiters zu seinen Kollegen.
  • Die Führungskraft sagt dem Mitarbeiter, dass er inkompetent ist.
  • Die Führungskraft belügt den Mitarbeiter.
Quelle: Diese Auflistung basiert auf der Skala von Bennett J. Tepper zur Messung von „Abusive Supervision“.

* Weitere Informationen: Benjamin Onnis ist Fachanwalt für Arbeitsrecht bei FPS in 60322 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 95 95 71 43, onnis@fps-law.de

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung