KI in der Produktion Künstliche Intelligenz bringt Bosch Null-Fehler-Produktion

Redakteur: Peter Königsreuther

Bosch will weltweit sein KI-System in den eigenen Werken einführen. 50 Werke mit über 800 Fertigungslinien in der Antriebssparte können als erste sich freuen. Hier lesen Sie warum...

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Die Künstliche Intelligenz (KI), die Bosch entwickelt hat, soll jetzt die Null-Fehler-Produktion garantieren. In 50 Bosch-Werken des Antriebssektors wird sie jetzt eingeführt...
Die Künstliche Intelligenz (KI), die Bosch entwickelt hat, soll jetzt die Null-Fehler-Produktion garantieren. In 50 Bosch-Werken des Antriebssektors wird sie jetzt eingeführt...
(Bild: Bosch)

KI-Tools schlagen das Leistungsvermögen der Menschen in vielerlei Hinsicht. Terabytes von Daten werden in Sekunden erfasst. Komplexe Zusammenhänge werden in kürzester Zeit erkannt, interpretiert und darauf reagiert. Das soll den Mitarbeiter nicht ersetzen, aber dann kräftig unterstützen, wenn das menschliche Gehirn einfach nicht mehr schnell genug ist, oder die Zusammenhänge zu komplex. Das hilft auch der industriellen Produktion. Deshalb hat das Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) ein KI-basiertes System entwickelt, das Anomalien und Störungen im Fertigungsprozess früh erkennt, den Ausschuss zuverlässig reduziert und so die Produktqualität erhöht, heißt es.

KI-Effekte werden so umwälzend sein, wie die des Buchdrucks

„Durch den Einsatz von KI werden Fabriken effizienter, produktiver, umweltfreundlicher – die Produkte noch besser. Unsere KI spart in den Werken, die sie haben, Kosten in Millionenhöhe“, machte der Bosch-CDO/CTO Dr. Michael Bolle am 3. März 2021 anlässlich der digitalen KI-Konferenz „AI CON“ von Bosch, klar. In Pilotwerken konnte man das erleben, heißt es weiter.

Dort habe man Beträge zwischen 1 und 2 Mio. Euro sparen können. Das Werk Hildesheim berichtet etwa, dass es durch die eigene KI-Lösung Störungen der Fertigunglienen vermeiden und die Taktzeiten um rund 15 % senken konnte.

Studien belegen, dass der flächendeckende Einsatz von KI in Deutschland für diverse Branchen betrachtet, rund die Hälfte der jetzt zu Buche schlagenden Kosten beseitigen könnte. Absolut gesehen, wären das etwa 182 Mrd. Euro, betont Bosch. Mit der Zeit will Bosch seine KI-Analyse-Plattform in allen 240 Werken einführen. Wie es heißt, investiert Bosch dafür rund 500 Mio. Euro, verspricht sich aber bis 2025 Einsparungen durch KI-basierte Optimierungen von etwa 1 Mrd. Euro. Bosch verankere KI quasi fest in der Unternehmensstrategie. Michael Bolle ist sicher, dass Künstliche Intelligenz so epochale Auswirkungen haben wird, wie einst der Buchdruck.

Das ist das Funktionsprinzip der KI-Idee von Bosch:

Im Rahmen der Kooperation von BCAI und den Werken ist ein, wie es heißt, universelles KI-System für die Fertigung entstanden. Mithilfe des sogenannten Nexeed Manufacturing Execution System (MES) von Bosch Connected Industry Messwerte werden Daten aus unterschiedlichen Quellen automatisiert gesammelt, aufbereitet und nahezu in Echtzeit analysiert, erklären die Experten. Als Basis dienen Sensordaten von Maschinen. Mit ihnen können Fertigungsschwankungen leicht erkannt werden. Die Industrie-4.0-Software Nexeed „übersetzt“ und visualisiert dann die Daten und Codes. Und die KI empfiehlt, was bei Problemen zu tun ist. Die Entscheidung aber, liegt immer noch beim Mitarbeiter, betonen die Bosch-Entwickler.

Dashboards werden zur Visualisierung genutzt. Diese sind individuell konfiguriert und auf lokale Anwendungsfälle und die entsprechende KI-Analyse zugeschnitten, damit schon mögliche Ursachen von Fehlern leicht zu erkennen sind. Auch sich selbst anpassende Prozesse für Maschinen und Montagelinien ließen sich integrieren. Weiche etwa ein Bohrloch von der definierten Position ab, leite die KI von sich aus die Schritte ein, die den Fehler beheben können. Unterstützt wird die KI aber auch optisch durch Kameras. Diese sind entlang der Fertigungslinien stationiert und zeichnen den Produktionsprozess auf, erklärt Bosch. Mithilfe der Mustererkennung identifiziere die KI Abweichungen und Gegenmaßnahmen seien schnell eingeleitet. Wenn nötig, können Feld- und Kundendaten auch mit der Plattform verknüpft werden, sagt Bosch. Das soll dann von Vorteil sein, wenn das Verhalten von Produkten im Einsatz besser verstanden werden muss, um Mängel rechtzeitig festzustellen und drohende Fehler vorherzusagen.

Es gibt viel zu tun, Bosch packt es an...

Bis Ende 2022 mache Bosch angesichts dieser Vorteile durch die Einführung seines KI-Systems rund 20.000 Mitarbeiter fit für diese industrielle Revolution. Ein entscheidender Hebel wird dann das Forschungs- und Entwicklungszentrum für Künstliche Intelligenz sein. Denn bereits nach etwas mehr als zwei Jahren nach der Gründung habe das BCAI einen „return on invest“ erreicht und liefer mit Projekten einen Ergebnisbeitrag von rund 300 Mio. Euro.

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