Finanzen Maschinenbau hatte 2021 die meisten Insolvenzen

Von Melanie Krauß

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Mit insgesamt 29 Insolvenzen waren die Zulieferer und Hersteller im Maschinen- und Anlagenbau 2021 Spitzenreiter – trotz staatlicher Hilfen. Worauf sich die Branche 2022 einstellen muss.

Der Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete 2021 insgesamt 29 Insolvenzen und führt damit die Liste an.
Der Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete 2021 insgesamt 29 Insolvenzen und führt damit die Liste an.
(Bild: ©Andrey Armyagov - stock.adobe.com )

Das Ranking bei den Insolvenzen im Jahr 2021 führen die Zulieferer und Hersteller im Maschinen- und Anlagenbau (29 Insolvenzen) sowie der Automobilsektor (28) an. Zu diesem Ergebnis kommt die Insolvenz-Jahresanalyse der Unternehmensberatung Falkensteg. Betrachtet werden dabei Großunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro.

Die Gründe für die Insolvenzen sind vielfältig: von den noch immer andauernden Lieferengpässen über steigende Rohstoff- und Energiepreise bis hin zu den erforderlichen Transformationsprozessen in beiden Brachen. Der Druck auf die Spitzenreiter dürfte den Experten von Falkensteg zufolge sogar noch steigen, da die Probleme auch weiterhin die Unternehmen belasten.

Dennoch: im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Insolvenzen im Maschinen- und Anlagenbau sogar um 12,8 Prozent gesunken – von 33 auf 29 Unternehmenspleiten. Und auch insgesamt sind die Großunternehmen gut durch das zweite Coronajahr gekommen. So sanken die Insolvenzanträge über alle Branchen hinweg 2021 von 292 auf 152. In der Umsatzkategorie über 20 Mio. Euro fiel die Pleitezahl sogar um zwei Drittel. „Solange die Corona-Hilfsmaßnahmen weiterhin fließen und die Binnennachfrage anhält, bleibt es ruhig am Insolvenzmarkt“, so Sebastian Wilde, Partner der Unternehmensberatung Falkensteg. „Von einer Welle sind wir weit entfernt.“

Steigende Energiepreise machen Industrie zu schaffen

Obwohl die Automobilzulieferer die Statistik mit anführen, hat sich auch dieser Sektor besser entwickelt als erwartet. Noch 2020 schnellten die Pleiten fast um das Doppelte auf 56 in die Höhe. In 2021 fielen die Insolvenzanmeldungen wieder um die Hälfte auf 28 Fälle.

Nicht ganz so gut kommen die automobilnahen Branchen weg. Neben dem Maschinenbau liegen auch die Kunststoffhersteller (15 Fälle) deutlich über dem Durchschnitt. In der Logistik meldeten zehn Unternehmen eine Insolvenz an – und damit 67 Prozent mehr als 2020. Die Experten vermuten sogar, dass die Liste in diesen Industriezweigen noch deutlich länger werden könnte. Denn die Preisexplosion bei Strom und Gas macht vor allem energieintensiven Industrien zu schaffen.

So kletterten die Strompreise an der Leipziger EEX vor Weihnachten auf ein Rekordhoch von 282 Euro. Im Januar 2021 war die Megawattstunde noch für 74 Euro zu bekommen. Im Gashandel stieg der Preis sogar von 16 auf 141 Euro. Auch einige rentable Mittelständler könnten darunter sein, so die Experten. „Wir werden Unternehmen sehen, darunter auch rentable Mittelständler, die es aufgrund der Lieferkettenproblematik und der steigenden Energiepreise in den nächsten sechs Monaten nicht schaffen werden – trotz staatlicher Hilfen“, prognostiziert Wilde im Gespräch mit MM Maschinenmarkt. Bereits jetzt hätten die Energiepreise dazu geführt, dass sich positive Jahresergebnisse auf den letzten Metern ins Negative gedreht haben.

Löcher stopfen reicht nicht

Verzerrt wird das aktuelle Bild zudem von den staatlichen Hilfen: Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfe, KFW-Kredite. Seit Beginn der Pandemie hat der Bund rund 170 Milliarden Euro für diese Maßnahmen aufgewendet. Noch bis Ende März oder sogar bis zum Sommer 2022 könnten viele Firmen durch die Wirtschaftshilfen gestützt werden. Die bereinigende Funktion der Insolvenz sei so bereits seit zwei Jahren ausgesetzt. Ein süßes Gift, wie die Experten von Falkensteg es formulieren.

Im Moment stopfen alle nur Löcher, anstatt in die Zukunft zu investieren.

Sebastian Wilde

Hinzu komme, dass die Unternehmen die staatlichen Kredite häufig nur nutzen würden, um Verluste auszugleichen, anstatt in die Zukunft zu investieren. „Im Moment stopfen alle nur Löcher“, so Wilde. Eine Entscheidung, die sich schnell rächen kann. Die neue Virusvariante Omikron zieht die Coronakrise weiter in die Länge und lässt die Umsatzziele schmelzen. Somit können die erzielten Margen die Kreditkosten nicht decken.

Spätestens aber, wenn die Krise vorbei ist und das Geschäft wieder anläuft, brauchen die Unternehmen ausreichend Liquidität. Lagerbestände, die während der Krise abgebaut wurden, müssen wieder aufgefüllt werden. Das bedeutet abfließende Liquidität, die zunächst einmal, aufgrund der Durchlaufzeiten nicht vom Kunden unmittelbar bezahlt wird. „Wenn ich jetzt kein Geld mehr für die Vorfinanzierung habe, dann habe ich zwar ein Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern “, sagt Wilde im Gespräch. „Aber ich kann diese vollen Auftragsbücher nicht abarbeiten kann, weil ich die Vorfinanzierung für die Vormaterialien nicht tragen kann.“

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