Suchen

Kupplung Maßgeschneiderte Kupplungen für die neue Seilbahn Zugspitze

| Autor / Redakteur: Stefan Holtkötter / Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG baut gerade eine neue Seilbahn auf deutschlands höchsten Berg. Warum die Seilbahn Zugspitze gleich drei Weltrekorde aufstellt und welchen Beitrag die bis zu 3,6 t schweren Kupplungen von KTR dazu leisten, zeigen wir hier.

Firmen zum Thema

Die Arbeiten an der Bergstation konzentrieren sich derzeit auf die Montage der Seilbahntechnik sowie die Fortsetzung der Stahlbauarbeiten.
Die Arbeiten an der Bergstation konzentrieren sich derzeit auf die Montage der Seilbahntechnik sowie die Fortsetzung der Stahlbauarbeiten.
(Bild: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG)

Der Termin steht fest: Am 21. Dezember 2017 um 9.00 Uhr soll der Publikumsbetrieb der neuen Seilbahn Zugspitze beginnen. So hat es die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG geplant, und bisher wurde jede wetterbedingte Verzögerung beim Bau wieder aufgeholt. Die Passagiere sind dann in einem Verkehrsmittel unterwegs, das gleich drei Weltrekorde aufstellt. Die Seilbahn überwindet 1945 m Höhenunterschied in einer Sektion – das ist der erste Rekord. Der zweite: Weil sie mit nur einer Stütze auskommt, ist das freie Spannfeld mit 3213 m das weltweit längste. Und der dritte: Die einzige Stütze ist mit 127 m die weltweit höchste in Stahlbauweise.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Für den Hersteller – die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe – ist die Seilbahn Zugspitze aufgrund dieser Weltrekorde und des großen öffentlichen Interesses ein besonderes Projekt. Allerdings hat das Unternehmen bis heute rund 14.700 Seilbahnsysteme in 90 Ländern realisiert, kann also auf einen reichen Erfahrungsschatz und diverse Weltrekorde zurückblicken.

Die neue Seilbahn Zugspitze ist als Pendelbahn ausgelegt. Das heißt: Die Fahrzeuge verkehren im Pendelbetrieb und werden von den Zugseilen auf zwei Tragseilen bewegt. Die beiden Kabinen bieten jeweils 120 Fahrgästen Platz und mit ihren großflächigen Panoramafenstern einen exklusiven Berg-, Tal- und Weitblick während der rund 10-minütigen Fahrt. Kurz vor dem Ziel geht es steil bergauf: Hier überwindet die Bahn eine maximale Steigung von 104,7 %.

Doppelantrieb in der Talstation

Ebenso beeindruckend ist die Antriebstechnik der neuen Seilbahn. Jedes der vier Tragseile hat einen Durchmesser von 72 mm und wiegt 143 t. Die Nennleistung der beiden Antriebe in der Talstation beträgt 1700 kW. Die Antriebe arbeiten simultan und übertragen jeweils die Hälfte der benötigten Gesamtleistung auf eine doppelrillige Antriebsscheibe, die über ein Zugseil mit der Kabine verbunden ist. Es sind stets beide Antriebe im Eingriff, um eine sichere Fahrweise mit definierten Reibwerten zu gewährleisten. Im Normalbetrieb, das heißt bei voller Nutzlast, ist die Treibfähigkeit nur über beide Antriebsscheiben sichergestellt. Jede Antriebsscheibe ist mit einer Betriebs- und einer Sicherheitsbremse ausgestattet, die jeweils auf getrennte, angeflanschte Bremsscheiben wirken.

Zwei Konzepte für den Notbetrieb

Das duale Antriebskonzept bietet auch Vorteile im Störungsfall. Sollten Motor oder Getriebe an einem der beiden Hauptantriebe ausfallen, ist es möglich, mit nur einem Antriebsstrang einen Betrieb der Seilbahn mit reduzierter Nutzlast aufrecht zu erhalten. Wenn beide Antriebsstränge nicht zur Verfügung stehen, werden die Fahrzeuge mit elektrohydraulischen Notantrieben in die Stationen gebracht. Hierfür werden zunächst die Hauptantriebe mit einer Schaltkupplung abgekoppelt. Die Notantriebe auf der gegenüberliegenden Seite der Seilscheibe werden dann eingekuppelt und übernehmen den Antrieb. Auch in diesem Fall müssen wieder beide Antriebe und beide Seilscheiben aktiv sein, um die nötige Treibfähigkeit zu gewährleisten.

Die leistungsstarken und hochverfügbaren Stirnradgetriebe wurden von SEW-Eurodrive gefertigt. Die Projektierung übernahm die Schweizer Landesgesellschaft von SEW-Eurodrive, die Alfred Imhof AG. Die Auslegung der Getriebe verantwortete Projektingenieur Peter Baumgartner, der auch die Auswahl der Kupplungen übernahm. Neben den typischen Eckdaten wie Drehmoment und Drehzahl waren dabei auch weitere Parameter zu berücksichtigen, wie die tiefen Temperaturen, die bei der Wahl des Schmierstoffs mitentscheidend sind.

(ID:44528430)