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Unternehmenssoftware

Mit maßgeschneiderter ERP-Software neue Geschäftsfelder erschließen

| Autor/ Redakteur: Jörg Weinheimer / Melanie Krauß

Um ihr Produktportfolio und Dienstleistungsangebot zu erweitern, setzen immer mehr Maschinenbauer auf die Modernisierung interner Abläufe. Der Einsatz von ERP-Systemen ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.

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In der Praxis hat sich ein Fünf-Phasen-Modell zur Einführung von ERP-Systemen bewährt.
In der Praxis hat sich ein Fünf-Phasen-Modell zur Einführung von ERP-Systemen bewährt.
(Bild: Daryl Glass / Sage)

Seit vielen Jahren trägt der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland fortwährend rund 23 % zur nationalen Wertschöpfung bei. Wie viele andere Branchen, steht aber auch dieser Wirtschaftszweig vor grundlegenden Veränderungen, die große Anforderungen an Unternehmenslenker, Entscheider, aber auch die Belegschaft stellen. Neue Märkte müssen erschlossen, Technologien integriert und Abgrenzungen zum Wettbewerb vorgenommen werden. Eine Herangehensweise zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist die Erweiterung des traditionellen Portfolios über die reine Produktion von Gütern hinaus. Viele Firmen planen in diesem Zusammenhang die Entwicklung datenbasierter Dienstleistungen, beispielsweise im Service- und Support-Umfeld.

Alle Abteilungen und Funktionen müssen an eine Plattform angebunden sein

Die Modernisierung und Digitalisierung des Produktangebots kann aber nur gelingen, wenn die dafür nötigen Unternehmens- und Fertigungsprozesse vorhanden sind. Ein integriertes ERP-System kann in diesem Zusammenhang helfen. Verantwortliche haben damit zu jeder Zeit den Überblick über geschäftsrelevante Abläufe im Unternehmen und können ihr Unternehmen effizienter und agiler steuern.

Das Integrationspotential der IT-Infrastruktur ist im Maschinen- und Anlagenbau deshalb von so überragender Bedeutung, weil sich Geschäfts- und Produktionsprozesse nur dann in Echtzeit koordinieren lassen, wenn alle an der Wertschöpfung eines Unternehmens beteiligten Abteilungen und Funktionen an einer gemeinsamen Plattform angebunden sind und die entsprechenden Daten in einem System zusammenlaufen. Dies wiederum legt dann den Grundstein für eine hochflexible und gleichzeitig kosteneffiziente On-Demand-Produktion von Klein- und Kleinstserien bis hin zur Losgröße 1. Das ERP-System wird damit zum zentralen Steuerungstool in der smarten Fabrik von morgen.

Immer mehr Verantwortlichen wird vor diesem Hintergrund der Modernisierungsbedarf ihrer IT-Infrastruktur bewusst und die Notwendigkeit, digitalere ERP-Prozesse zu implementieren. Die Analysten von PAC haben ermittelt, dass 62 % der produzierenden Betriebe ihre Systeme in den kommenden zwei Jahren mit neuen Funktionalitäten ausbauen wollen. Im Zentrum dürften hier insbesondere die mobile Lagerlogistik, die Produktions- und Ressourcenplanung sowie das Variantenmanagement stehen. Eines der wichtigsten Ziele ist die Vernetzung dieser Funktionen und damit die konsequente Abschaffung von Insellösungen, die dann entstehen, wenn einzelne Bereiche durch jeweils eigenständige Systeme gesteuert werden, die weder miteinander kommunizieren noch relevante Daten untereinander austauschen.

Fünf-Phasen-Modell unterstützt Einführung

In der Praxis hat sich ein Fünf-Phasen-Modell zur Einführungsvorbereitung bewährt. Dadurch lassen sich Fallstricke bei derart umfangreichen IT-Projekten – beispielsweise in der Datenmigration – so gut es geht vermeiden und die notwendigen ERP-Investitionen zügig in einen sichtbaren Digitalisierungsfortschritt umzumünzen.

Am Anfang des Modells steht eine präzise Zielbestimmung: Geht es hauptsächlich um Effizienzsteigerungen, agilere Materialdisposition und verbesserte Liefertreue? Oder bildet der Echtzeit-Datenaustausch zwischen dem ERP- und den Shopfloor-Systemen einen wichtigen Schwerpunkt? Neben solchen funktional-operativen Anforderungen sollten auch Ziele zur Reduktion der IT-Kosten im Lastenheft detailliert fixiert werden. Diese lassen sich mit einem ERP-System aus der Cloud dank vereinfachter Softwarewartung und aufwandarmer Release-Wechsel besonders leicht erzielen.

Nicht außer Acht zu lassen sind schließlich strategische Ziele wie eine anstehende Standortvernetzung, die Expansion auf neue Märkte oder der Aufbau neuer Lieferantenpartnerschaften. Zudem sollte ein angestrebtes Unternehmenswachstum bei der Systemauswahl vorausschauend beachtet werden. Insbesondere bei Unternehmen mit hohen Wachstumsraten bietet sich die Implementierung eines cloudbasierten ERP-Systems an, da es die erforderliche Skalierbarkeit von Haus aus mitbringt.

Return on Investment verlässlich abschätzen

Die Einführung einer neuen ERP-Plattform ist aber nur selten das einzige Optimierungsvorhaben, mit dem Maschinen- und Anlagenbauer ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern wollen. Zumeist steht die Systemerneuerung in einer Investitionskonkurrenz zu anderen Projekten, die aus Budgetgründen aber nicht alle gleichzeitig anlaufen können. Daher gilt es, die richtigen Prioritäten zu setzen.

Als wichtiges Kriterium dafür dient der erwartete Return on Investment (ROI): Valide abschätzen lässt sich der ROI, indem man alle monetär greifbaren Effekte des neuen ERP-Systems über die Nutzungszeit hinweg ins Verhältnis zu den Investitionen setzt. Ein wichtiger Faktor sind in diesem Zusammenhang die Einsparungen, die sich mit der neuen Software aufgrund von höherer Prozesseffizienz, erzielen lassen. Kostenseitig sind neben den Anschaffungs- und Installationsinvestitionen zum Beispiel auch eventuell nötige Beratungsleistungen sowie Ausgaben für Wartung, Betrieb und Weiterentwicklung zu beachten.

Best-of-Breed, Best-of-Suite oder SOA?

Anschließend steht die Frage auf der Agenda, ob und in welchem Ausmaß individuelle Systemanpassungen notwendig sind. Auch hier bieten ERP-Lösungen aus der Cloud Vorteile, da sich damit neue Funktionseinheiten je nach Bedarf hinzubuchen lassen, ohne mit nennenswerten Investitionen in Vorleistung gehen zu müssen.

Sobald Klarheit über den Anpassungsbedarf besteht, ist über einen geeigneten Architekturansatz zu entscheiden – wobei im Wesentlichen drei Optionen zur Auswahl stehen: Best-of-Breed, Best-of-Suite und das serviceorientierte Architekturmodell (SOA). Die letztgenannte Alternative bietet unter anderem den Vorzug, dass die ERP-Plattform mit vorhandenen On-Premise-Systemen im produktionsnahen Bereich genauso flexibel interagiert wie mit IoT-Lösungen oder KI-basierten Analysetools aus der Cloud.

In der letzten Phase der Einführungsvorbereitung empfiehlt es sich schließlich, auch weiche Faktoren zu berücksichtigen – angefangen von einem begleitenden Change-Management innerhalb des Unternehmens bis hin zu Fragen nach dem Renommee, der Branchenerfahrung und Servicementalität eines in der engeren Wahl stehenden Anbieters.

Auch wenn der Auswahlprozess einer ERP-Lösung eine anspruchsvolle Aufgabe ist: Der Zeitaufwand lohnt sich. Ob mobile Instandhaltung, vorausschauende Wartung, automatisierte Verarbeitung von Eingangsrechnungen oder eine noch variantenreichere Fertigung – die Vorteile entsprechender moderner Systeme sind zahlreich und zahlen direkt auf den Unternehmenserfolg ein. Denn: Schnellere und optimierte Prozesse, geringere Kosten und eine bessere Transparenz befähigen ein Unternehmen, sich schnell und flexibel den Marktanforderungen anzupassen und damit langfristig erfolgreich zu sein.

* Jörg Weinheimer ist Vice President Enterprise Market bei Sage und Geschäftsführer der Sage Bäurer GmbH in 78166 Donaueschingen, Tel. (07 71) 896520, info@sagebaeurer.de

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