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MM: Weil Sie gerade von der Steuerung sprechen, Sie haben vor 20 Jahren einmal gesagt „die SPS ist tot“. Doch es gibt sie noch immer. Was waren die Gründe dafür?
Beckhoff: Wir waren damals davon überzeugt, dass die hardwarebasierte SPS zurückgehen und durch softwarebasierte Systeme ersetzt werden würde. Diese Entwicklung ist auch in der Tendenz so eingetreten. Die softwarebasierte PC-Steuerung hat sehr erfolgreich Marktanteile gewonnen.
Allerdings sind die großen und traditionellen Hersteller von Automatisierungstechnik dem Prinzip der Hardware-SPS verhaftet geblieben, sodass keine vollständige Ablösung erfolgt ist und vermutlich auch nicht erfolgen wird. Die PC-basierte Steuerung wird jedoch aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit, Offenheit und Preiswürdigkeit weiterhin Marktanteile gewinnen.
Denn die eigentliche, hinter PC-Control steckende Idee ist für viele Anwender extrem reizvoll. Im Prinzip wird das komplette Know-how der Automatisierung in einem mächtigen Softwarepaket zusammengefasst, sowohl auf der Seite des Engineerings als auch auf der Seite der Runtime, und unter Standardbetriebssystemen auf Standardhardware implementiert.
Traditionelle SPS-Hersteller denken in Hardwarebaureihen: kleine Steuerung, mittlere Steuerung, große Steuerung, eine Steuerung für SPS, eine für Motion, eine andere für CNC-Aufgaben. Diese Hersteller bieten unterschiedliche Baulinien an und unterscheiden verschiedene Performance-Levels.
Wir haben tatsächlich nur ein einziges Softwarepaket, unsere Automatisierungssoftware Twincat. Damit können Sie wahlweise eine fünfachsige Schleifmaschine, eine Windkraftanlage, ein Förderband oder die Gebäudeautomatisierung in der Münchener Allianz-Arena steuern. Es handelt sich immer um das gleiche Softwarepaket.
Wir waren der Meinung, dass das Konzept von PC-Control so überzeugend ist – sowohl aufgrund seiner Leistungsvorteile als auch wegen seiner preislichen Vorteile –, dass es relativ schnell den Markt erobern würde. Dabei haben wir das Beharrungsvermögen des Marktes unterschätzt.
Das hat auch zur Folge, dass die großen Hersteller – wie beispielsweise in Europa Siemens, in Amerika Rockwell und auf dem asiatischen Markt Mitsubishi und Omron – nach wie vor in den gleichen Steuerungskategorien denken wie im Jahr 1990. Für uns ist das als Unternehmen, das sich klar zu PC-Control bekennt und das auch weiterentwickelt, eine gute Nachricht: Wir gewinnen dadurch weitere Marktanteile.
Das heißt, Sie können mit der Software bedarfsweise SPS- oder CNC-Funktionalitäten übernehmen.
Beckhoff: Genau. Wir machen beides und noch vieles mehr in einem Paket. Das heißt für unsere Kunden, dass sie nicht zwischen unterschiedlichen Steuerungsaufgaben unterscheiden müssen. Der Maschinenbauer, der plötzlich eine CNC-Funktion braucht, muss nicht zu einer neuen Steuerungsfamilie greifen. Er benötigt keine zusätzliche Hardware, sondern muss lediglich das entsprechende Software-Level aktivieren.
Der grundlegende Gedanke ist, dass alles, was die Steuerungstechnik kann, in diesem einen Softwarepaket steckt: angefangen vom SPS-Ablauf, der Bewegungssteuerung, der Regelungstechnik bis hin zur „Scientific Automation“ mit der Möglichkeit zur Integration hochgenauer Messtechnik oder Robotik.
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