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War vielleicht im Markt auch die Angst vorhanden, softwareseitig abhängig zu werden?
Beckhoff: Die Steuerung ist zentraler Bestandteil einer Maschine. Von ihr wird erwartet, dass sie auf der einen Seite leistungsfähig ist, und auf der anderen Seite muss sie auch Innovation ermöglichen; aber vor allem muss sie natürlich äußerst zuverlässig sein. Wir verstehen uns als Spezialisten für PC-based Control, das heißt, die ganzen Hardware- und Softwarekomponenten, die man braucht, um eine Maschine zu automatisieren, entwickeln und produzieren wir selbst: Wir entwickeln sogar eigene Motherboards und fertigen diese in Westfalen.
Wir haben viele Ingenieurgruppen, die das letzte Bit und Byte der Steuerungstechnik in der erforderlichen Tiefe beherrschen, sodass wir unseren Kunden eine äußerst leistungsfähige und sehr zuverlässige Plattform bereitstellen können. Sie mögen das daran messen, dass wir in diesen 30 Jahren, in denen wir Automatisierungstechnik betreiben, im Wesentlichen immer nur Kunden dazugewonnen und eigentlich so gut wie nie einen Kunden verloren haben.
Also war unsere Philosophie – um es vorsichtig zu formulieren – genügend gut, dass die Maschinenbauer, von der einen Generation einer Maschine zur nächsten, weiter mit uns zusammengearbeitet haben. Darüber hinaus konnten wir natürlich auch viele Neukunden gewinnen.
Das Stuxnet-Virus hat kürzlich eine Siemens-Steuerung befallen. Wie wollen Sie so etwas bei Ihrer Steuerung verhindern?
Beckhoff: Das Stuxnet-Virus offenbart sozusagen eine prinzipielle Problematik, nämlich die Tatsache, dass unsere moderne Welt zur Vernetzung einer gewissen Offenheit bedarf. Um diese Vernetzung zu erreichen, muss man über Standards miteinander kommunizieren und dies bietet natürlich kriminellen Elementen potenzielle „Einfalltore“. Dagegen müssen Maßnahmen ergriffen werden, und zwar an der Stelle dieser „Einfalltore“, bei den Betriebssystemen.
Das Stuxnet-Virus, das speziell Anlagen befallen hat, die mit Siemens-Technik gesteuert werden, hat auch bei uns zusätzliche Überlegungen ausgelöst. Die infizierten Anlagen bestehen aus der Kombination eines Visualisierungs-PCs und einer klassischen, hardwarebasierten Maschinensteuerung, die man eigentlich bislang für besonders immun gehalten hatte.
Aber es gibt einige strukturelle Übereinstimmungen zwischen PC-basierter und hardwarebasierter Steuerungstechnik: Beide Konzepte haben einen ausführenden Bereich, den bei Siemens eine spezielle Hardwaresteuerung ausmacht, und einen anzeigenden und bedienenden Bereich. Zwischen diesen beiden findet eine Systemkommunikation statt.
Stuxnet hat unter anderem hier angesetzt. Wir werden darauf reagieren und prüfen, wie wir unsere Systeme mit speziellen Security-Algorithmen erweitern und schützen können.
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