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Auftragsfertiger „Sie sind nur bedingt industrieserientauglich“

| Autor: Simone Käfer

Seit fast einem Jahr ist Dr. Reiner Nett in der Geschäftsführung von Kegelmann Technik. Wo sieht er die Herausforderungen der Branche und welche Richtung will er mit dem bisher familiengeführten Dienstleistungsunternehmen einschlagen?

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„Erst, wenn Maschinen für die Additive Fertigung einer steten Nutzung standhalten, ist es auch sinnvoll, wenn sie schneller werden”, so Dr. Reiner Nett von Kegelmann Technik.
„Erst, wenn Maschinen für die Additive Fertigung einer steten Nutzung standhalten, ist es auch sinnvoll, wenn sie schneller werden”, so Dr. Reiner Nett von Kegelmann Technik.
(Bild: © Simone Käfer / VCG)
  • Während in vielen Anwenderköpfen noch Durchsätze von maximal 100 Bauteilen stehen, produziert Kegelmann Technik Serien.
  • Die Vielfalt der Technik als Kern des Unternehmens will Nett fortführen und ausbauen.
  • Robustheit und Automatisierung sind für Nett die wesentlichen Eigenschaften von zukünftigen 3D-Druckern.

Er kommt von der anderen Seite des Produktentstehungs­prozesses. Als Produktentwickler hatte Dr. Reiner Nett bisher additiv gefertigte Bauteile für Kindersitze und Werkzeuge für deren Herstellung in Auftrag gegeben und sich bereits 2003 von 3D-gedruckten Prototypen inspirieren lassen. Damals waren die SLS- und SLA-Materialien noch sehr spröde und brachen schnell. Obwohl die Qualität der Werkstoffe und auch der Durchsatz der Maschinen inzwischen gestiegen sind, herrscht bei vielen das überholte Wissen noch vor, wie Nett in Kundengespräch feststellen musste. „Viele unserer Kunden sind überrascht, dass die Additive Fertigung das Prototypenstadium verlassen hat“, sagt Nett. Während in vielen Anwenderköpfen noch Durchsätze von maximal 100 Bauteilen stehen, produziert Kegelmann Technik Serien.

Vor Kurzem wurde sogar eine Serie mit 4000 Teilen in zwei Tagen gefertigt. Dafür müssen allerdings die Voraussetzungen stimmen. „Der Bauraum muss komplett gefüllt und die Bauteile müssen sehr eng gesetzt sein, was nur mit der passenden Software möglich ist“, erklärt Nett. Außerdem hatte die Maschine eine Durchlaufzeit von nur 16 Stunden. Bei der Maschine handelt es sich um eine Multi Jet Fusion von HP, der jüngste Zuwachs im Maschinenpark des Dienstleistungsunternehmens. Sie ergänzt die acht SLS-Drucker von 3D Systems und glänzt durch Schnelligkeit und eine homogenere Oberflächengüte, die feine Gitterstrukturen noch besser herausarbeitet als die SLS-Maschinen. Bei jeder dem kunststoffverarbeitenden 3D-Drucker wird bei Kegelmann Technik vorwiegend mit PA 11 oder PA 12 gedruckt. Der Kunststofffokus ist nicht abzustreiten, aber auch Metallpulver wird bei Kegelmann genutzt. Dies geschieht auf einer Concept-Laser-Maschine, also im SLM-Verfahren.

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Branchenausbau und Eigenentwicklung

Mit den drei additiven Verfahren (SLA, SLS und SLM), CNC-­Fräsen, Vakuumguss im Rimflex- und PU-Rim-Verfahren, Spritzguss, Werkzeugbau in Aluminium, Stahl oder Hybrid-Stahl und LSR-Werkzeugbau sowie Senk- und Draht­erodieren hat man als Kunde bei Kegelmann eine gute Chance, das passende Verfahren für seine Anwendung zu finden. „Diesen Kern des Unternehmens, die Vielfalt der Technik, möchte ich fortführen und ausbauen. Denn dieser war ausschlaggebend für meinen Wechsel zu Kegelmann Technik“, sagt Nett. Seine Pläne für die Zukunft des Auftragsfertigers bergen aber auch Veränderung. Die Verfahrensauswahl will Nett erweitern, besonders im Bereich der Additiven Fertigung. Auch die Branchen, aus denen sich der Kundenstamm zusammensetzt, sollen ausgebaut werden. Kegelmann Technik ist derzeit vorwiegend im Automotivebereich unterwegs, hat aber schon die nötigen Zertifizierungen für den Luftfahrtsektor. Einen dritten Punkt hat Nett noch auf seiner To-do-Liste. „Ich komme aus der Produktentwicklung und meine Erfahrungen von der Skizze bis hin zu Marketingaktionen sollen auch genutzt werden“, so Nett. Er will in die Eigenprodukt­entwicklung einsteigen. Der neue Mann an der Spitze von Kegelmann Technik ist sich sicher, dass alle Elemente dazu dienen, die Stärken nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter auszubauen, um als Unternehmen auf stabilen Beinen stehen zu bleiben.

Robustheit und Automatisierung fehlen

Weniger stabil stehen die 3D-Drucker. „Sie sind bisher nur bedingt industrieserientauglich“, sagt Nett. Erst wenn die Maschinen einer steten Nutzung standhalten, führt er aus, ist es auch sinnvoll, dass sie schneller werden. „Sie sollten im nächsten Schritt so robust werden, dass wir uns bei industriellen Maßstäben für eine Serienproduktion keine Sorgen machen müssen, ob die Maschine auch durchläuft“, sagt Nett. „Bei unseren automatisierten Fräszentren und unserer Erodierlinie kennen wir solche Probleme nicht!” Robustheit und Automatisierung sind für Nett die wesentlichen Eigenschaften von zukünftigen 3D-Druckern, um in der Industrie wirklich ernst genommen zu werden. Konkret spricht er von schlecht aufeinander abgestimmten mechanischen Komponenten, von Vibrationen, die vor allem der Laseroptik schaden, und von verbauten Materialien, die den Temperaturen auf Dauer nicht gewachsen sind. Zudem befinden sich in den Pulverbettmaschinen zwangsläufig Feinstäube. Es geht auch um Verfahrwege, schnelles Beschleunigen und abruptes Abbremsen von Komponenten. „Eine solch anspruchsvolle Mechanik erfordert einen ebenso anspruchsvollen Maschinenbau der klassischen Art“, fordert Nett. „Das hat mit digitalisierter Fertigung zunächst nichts zu tun“, setzt er nach.

* Weitere Informationen: Kegelmann Technik in 63110 Rodgau-Jügesheim, Tel. (0 61 06) 85 07-0, info@ktechnik.de

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung und Werkstoffe, MM MaschinenMarkt