Strategie Software im Maschinenbau als Wettbewerbsvorteil etablieren

Autor / Redakteur: Heike Lodde und Klaus Wiltschi / Claudia Otto

Im attraktiven, aber international hart umkämpften Maschinenbaumarkt halten deutsche Unternehmen eine Spitzenstellung. Doch es fällt immer schwerer, Produkte über Hardwareeigenschaften zu differenzieren. Innovationen verlagern sich in den Bereich Software, Vernetzung und Benutzerschnittstellen (HMI).

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Die Zeiten ändern sich.
Die Zeiten ändern sich.
(Bild: Grafik rechts: iStockphoto/MachineHeadz, Grafik links: Fotolia/Gina Sanders)

Die Intelligenz der Maschinen wird zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal, und wie sich diese präsentiert, kann kaufentscheidend sein – eine Herausforderung für den klassischen Maschinenbau mit Folgen für Organisation, Methoden und Prozesse in der Produktentwicklung.

In den verschiedensten Sparten des Maschinenbaus wächst der Bedarf an Softwareentwicklung, ähnlich wie dies bereits in der Luft-und Raumfahrt oder im Automobilbau geschehen ist. Wer als Unternehmen mithalten will, muss Kompetenzen in bisher unbekannten Disziplinen aufbauen. Automatisierung durch intelligentere Steuerungen, Modularisierung und kundenspezifische Entwicklungen, die Vernetzung von bisher getrennten Einheiten und die einfachere Bedienung – Maschinenbauer müssen sich gleich auf mehreren Ebenen verstärkt mit Softwareentwicklung befassen. Softwareentwicklung aber folgt anderen Gesetzen, in vielen Unternehmen muss sich die Kultur der Produktentwicklung erweitern und verändern. Hier externe Kompetenz zuzukaufen, kann entscheidend sein, um die Lernkurve im Unternehmen risikoärmer durchlaufen zu können und gleichzeitig neue Generationen von Maschinen schneller an den Markt zu bringen. Warum?

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Der Erwartungsdruck steigt

Es wächst eine Generation heran, für die Vernetzung, Remote-Zugriff und intuitive Bedienung über Touchdisplays zum Alltag gehören. Die Frage „Warum kann ich das nicht einfach über eine App bedienen?“ kommt traditionellen Maschinenbauern und Anwendern vielleicht nicht in den Sinn, die nachrückende Generation von Kunden wird aber nicht mehr verstehen, warum das nicht gehen soll.

Greift man das Thema in der Entwicklung auf, schließen sich eine ganze Reihe tiefer gehender Fragen an: Welche Informationen über eine Maschine liegen überhaupt digital vor? Kommunizieren meine Maschinen untereinander und wenn ja wie? Welche Steuerungs- und Regelungsaufgaben werden wo erledigt und von welcher Instanz? Wer den gesamten Softwareanteil seiner Maschinen in den Blick nimmt, von der einzelnen SPS bis zur Anbindung an IT-Systeme wird feststellen: Mit einer App, die beim nächsten Messeauftritt gut aussieht, ist es nicht getan. Hier ist eine systematische Entwicklung gefragt.

Mit dem Nutzen vor Augen umdenken

Der erste Stolperstein: Wenn in einem Maschinenbauunternehmen die Erkenntnis reift, dass Softwareinnovationen der richtige Schritt wären, ist dies selten unternehmensweiter Konsens. Wie Berner & Mattner in Projekten zur HMI-Entwicklung für Mobilgeräte erlebt hat, ist es für gestandene Maschinenbauer oft noch schwierig, Software als einen zentralen Produktbestandteil zu verstehen. Moderne HMI-Ansätze für Smartphones und Tablets werden von vielen zunächst als Spielerei angesehen. Glücklicherweise zeigt die bisherige Erfahrung mit Softwareprojekten im Maschinenbau auch, dass die sachlich beste Vorgehensweise zugleich genutzt werden kann, um eine neue Kultur einer Maschinenbau-eigenen Softwareentwicklung zu fördern.

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