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Disruptionen der Arbeitswelt

Talente für das Industrie 4.0-Ökosystem

| Autor / Redakteur: Nicole Gaiziunas / Melanie Krauß

(Bild: Getty Images/metamorworks)

Um IIoT-Systeme erfolgreich einzusetzen, reicht es nicht, die passenden Sensoren auszuwählen. Vielmehr muss die Vernetzung zwischen allen Komponenten und Mitarbeitern stimmen. Damit das gelingt, sollten Unternehmen zunächst einen kritischen Blick auf ihren Talent-Pool werfen.

Mit einem Kunden sprach ich neulich über die Gemeinsamkeiten von Flugzeugmotoren, Traktoren und Skiern. Nicht in Hinblick auf deren Design, Funktionen oder Leistungen, da gibt es recht wenig Berührungspunkte. Aber alle drei Produkte werden bereits in smarten, vernetzten Fabriken gefertigt. Sie sind besonders griffige Pionier-Beispiele dafür, wie Industrieunternehmen ihre Wertschöpfungsnetzwerke mit den Möglichkeiten des Industrial Internet of Things (IIoT) gestalten.

KI als Prozessberater

Die Experimentierfreude dabei ist faszinierend. In einem Pilotprojekt des Traktorenwerkes von John Deere in Mannheim entsteht zum Beispiel eine smarte / kognitive Fabrik. Deren Produktionssystem soll durch die Verknüpfung von Industrie 4.0-Technologien und Lean-Kriterien weiterentwickelt werden. Den kognitiven Part unterstützt Watson, die Künstliche Intelligenz (KI) von IBM. Als lernendes System soll Watson mitdenken und die Mitarbeiter in vielen Arbeitssituationen entlasten. Dazu akkumuliert die KI erst Wissen und Erfahrungen, um später nach dem Prinzip von Siri oder Alexa dem Mitarbeiter im Gespräch Lösungen zu Produktionsproblemen zu empfehlen.

Das IIoT-Produktions-Management-System des Ski-Herstellers Blizzard denkt ebenfalls mit. Es wird mittels Herstellungsprozess-Sensoren gesteuert, mit denen man Betriebs- und Maschinendaten (BDE / MDE) und deren Korrelation in Echtzeit analysieren kann. Das reduziert Stillstände, Verzögerungen und Fehler in der Linie, da die Mitarbeiter direkt erfahren, welche Produktionsparameter verändert werden müssen. Ähnliche Vorteile bietet das IIoT-System, das Rolls-Royce zur Wartung von mehr als 13.000 Flugzeugmotoren bei seinen Kunden einsetzt. Mittels Predictiv-Analytics-Funktionen erhält das Unternehmen Informationen, die in die Fertigung neuer Motoren einfließen – etwa, um deren Treibstoffverbrauch oder Wartungskosten zu senken.

Neue Talente gesucht

Um solche oder ähnliche Ziele zu erreichen, genügt es aber nicht, nur die passenden Sensoren für sein Anwendungsfeld auszusuchen. Die Intelligenz des IIoT – oder besser: der optimale Informationsaustausch zwischen Mensch, Maschine und Cloud – beruht vor allem auf der richtigen Vernetzung aller Komponenten und Mitarbeiter. Das ist nicht nur eine technologische Herausforderung. Nötig ist auch ein kritischer Blick auf den Talent-Pool. Also die Frage, ob die richtigen IIoT-Kompetenzen im Team vorhanden sind. Zur ersten Orientierung sind die folgenden drei Kompetenz-Profile zu empfehlen:

  • Data Scientists: IoT-Implementierungen generieren gewaltige Datenmengen. Umso schwieriger wird es, die richtigen Informationen herauszufiltern. Genau das ist die Rolle des Data Scientist, der sowohl über Data Analyitcs- als auch Ingenieurs- bzw. Maschinenbau-Knowhow verfügen sollte. Denn er wird den Maschinenpark regelmäßig erweitern und neu vernetzen müssen, da sich die Produktionslinien unter anderem aufgrund der erhobenen Daten ständig weiterentwickeln.
  • Softwareentwickler, Anwendungsentwickler und Programmierer: Diese Mitglieder des IIoT Teams schreiben und modifizieren die Software für Maschinen. Vor allem entwickeln sie aber neue Schnittstellen für die Interaktion mit den menschlichen Kollegen, etwa Anwendungen für Augment-/ Mixed-Reality Funktionen oder zur Datenvisualisierung.
  • Netzwerk-Architekten: Der Blick auf das große Ganze darf bei den zahlreichen und oft kleinteiligen Bestandteilen eines IIoT-Netzwerkes nicht fehlen. IT-Architekten unterstützen Systemingenieure auf der operativen Seite dabei, die physische und die digitale Welt miteinander zu verschmelzen. In dieser Rolle ist ein tiefes Verständnis für das Geschäftsmodell des Unternehmens in Hinblick darauf wichtig, mit welchen Schritten und Zielen es sich in der digitalen Transformation verändern soll.

Natürlich sind noch viele weitere Kompetenzen notwendig, um Industrie 4.0-Ökosysteme aufzubauen und zu steuern, etwa Lean Manager, Security Experten, Applikationsingenieure, Trendforscher und viele mehr. Doch da ist es wie mit den Flugzeugmotoren, Traktoren und Skiern – es gibt weder ein perfektes Produkt, noch ein perfektes Jobprofil für das IIoT. Man muss nur pragmatisch starten.

Hier finden Sie den zugehörigen Artikel von Linda Becker aus der Serie Disruptionen der Arbeitswelt zum Thema IoT:

Maschinen-Tinder für das Management

Disruptionen der Arbeitswelt

Maschinen-Tinder für das Management

14.06.18 - Sinkende Produktionskosten, effizientere Prozesse im Wertstrom und neue Geschäftsmodelle – die Erwartungen an das Industrial Internet of Things (IIoT) sind groß. Um das Beste aus der komplett vernetzten Wertschöpfung herauszuholen, ist gutes Management entscheidend. lesen

* Nicole Gaiziunas ist Managing Director und Co-Founder bei der XU Exponential Game Changers GmbH in 10965 Berlin, Tel. (0 30) 95 99 99 99 0, corporate@be-xu.com, www.be-xu.com

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