Kondensatoren für Luftschiffe Ultrakondensatoren halten fliegende Wale am Himmel

Redakteur: Robert Horn

Luftschiff-Projekte scheitern häufig an der Finanzierungsfrage – doch jetzt gibt es ein neues, hoffnungsvolles Projekt, an dem neben Hauptinitiator Frankreich auch China und Marokko beteiligt sind. Besonderheit des „fliegenden Wals“? Bei der Energieversorgung kommen graphenbasierte Ultrakondensatoren zum Einsatz – das reduziert die Kosten erheblich. Und: Das LCA60T muss nicht landen, um beladen zu werden.

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Das LCA60T wird laut Hersteller über einen 75 m langen Lagerraum verfügen und in der Lage sein, Lasten mit einem Gewicht von bis zu 60 t von A nach B zu transportieren.
Das LCA60T wird laut Hersteller über einen 75 m langen Lagerraum verfügen und in der Lage sein, Lasten mit einem Gewicht von bis zu 60 t von A nach B zu transportieren.
(Bild: Skeleton/Eiko.Kink@aripaev.ee)

Ultrakondensatoren auf Basis von Graphen werden künftig große Schwerlast-Luftschiffe für den Industriesatz mit Energie versorgen. Um das LCA60T, ein 60-t-Luftschiff zu entwickeln, hat sich Skeleton Technologies dem französischen Unternehmen Flying Whales angeschlossen. Mit dem Schwerlast-Luftschiff sollen beispielsweise Industrietransporte in China und Frankreich abgewickelt werden. Die Hochleistungs-Ultrakondensatoren von Skeleton Technologies werden hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Schwere Lasten von bis zu 60 t können mit dem Luftschiff LCA60T entweder im 75 m langen Laderaum oder unterhalb des Fluggeräts schwebend per Seilwinde transportiert werden. Weiterer Vorteil des LCA60T: Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h wird die Reichweite mehrere Tausend Kilometer täglich betragen.

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Hersteller verspricht größere Lasten und niedrigere Kosten

Das mit Helium befüllte Luftschiff verfügt über eine stabile Außenhülle. Im Vergleich zu Schwerlasthubschraubern können die Lasten wesentlich schwerer und größer sein – während die Kosten nur bei einem Bruchteil liegen. Da keine Notwendigkeit für konventionelle Starts und Landungen besteht, wird der Energiebedarf des Luftschiffs mit seinem einzigartigen „Hybrid Electric Propulsion System“ gering sein.

Skeleton Technologies wird sich insbesondere an Entwicklung und Bau des Hybrid-Antriebssystems mit kleinen Diesel- und Elektromotoren intensiv beteiligen. Neben dem gewöhnlichen Energiebedarf von 1,5 MW sollen die Ultrakondensatoren in das System integriert werden, um die benötigte Spitzenlast von zwei Megawatt zum Schweben, Heben und zur Stabilisierung bei schlechtem Wetter beizusteuern.

„Ein Hauptvorteil des LCA60T ist, dass das Luftschiff keinen Flughafen und keine Landebahn braucht, um agieren zu können. Dies eröffnet neue Märkte weltweit für den Industrieeinsatz“, so Sébastian Bougon, CEO von Flying Whales. „Wir entwickeln LCA60T speziell, um große Mengen Holz aus unzugänglichem Gelände abzutransportieren. Aber das bedeutet auch, dass damit große Komponenten wie Windturbinen oder Strommasten an einem Stück beispielsweise auf einen Berg gebracht werden können. Auch Fertighäuser oder große Flugzeugteile können transportiert werden. Das innovative Antriebssystem sorgt für einen kleinen CO2-Fußabdruck und dafür, dass die Kosten im Vergleich zu bestehenden Lösungen gering sind – falls diese überhaupt schon existieren.“

„Unsere Ultrakondensatoren werden dem Luftschiff die Fähigkeit zum Manövrieren und Kontrollieren verleihen und vertikales Starten und Landen ermöglichen. Das ist ganz entscheidend“, so Taavi Madiberk, CEO von Skeleton Technologies. „Neben dem Fokus auf die spezifischen Anforderungen der Holzindustrie, hat das Luftschiff auch das Potenzial, entlegene Regionen besser an die globale Wirtschaft anzuschließen.“

„Luftschiffe können ein echter Game-Changer sein und als zusätzliche Infrastruktur in einer Welt dienen, die von der nachhaltigen Begrenzung von Kohlenstoffemissionen geprägt ist.“

Unterstützung kommt von mehreren Ländern

Die Entwicklung des Luftschiffs ist Teil des französischen Regierungsprogramms „Nouvelle France Industrielle“, das sich u.a. mit künftigen Transportmitteln befasst. Die französische Waldagentur will mit dem LCA60T beispielsweise ihre Holztransporte vereinfachen.

Im vergangenen Jahr nahmen der chinesische Premierminister Li Keqjang und sein französischer Amtskollege Manuel Valls an einer Veranstaltung teil, bei der eine Kooperation zwischen Flying Whales und dem Unternehmen China Aviation Industry General Aircraft (AVIC General) unterzeichnet wurde. AVIC General wird signifikante Anteile an Flying Whales übernehmen.

Weitere Anwendungsfelder für das neuartige Luftschiff sind unter anderem auch in Afrika zu finden, wo es aufgrund mangelhafter Infrastrukturen problematisch ist, Hilfsgütertransporte zu den Menschen zu bringen. Um dies zu ändern, wird sich auch Marokko als dritter Staat an der Entwicklung von Flying Whales beteiligen. Insgesamt sind bislang rund 30 Unternehmen und Forschungseinrichtungen in das Konsortium involviert, etwa in den Phasen F&E, Engineering, Industrialisierung und Produktion. Die Industrieproduktion soll im Jahr 2021 starten.

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