Interview „Viele Teams fahren auf der letzten Rille“

Autor: Sebastian Hofmann

Trotz sinkender Inzidenzen fühlen sich viele Beschäftigte psychisch ausgebrannt. Welchen Einfluss die neue Meeting-Kultur darauf hat und wie Führungskräfte damit umgehen sollten – Rüdiger Hossiep, einer der renommiertesten Personalpsychologen in Deutschland, hat es uns erzählt.

Rüdiger Hossiep ist Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum.
Rüdiger Hossiep ist Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum.
(Bild: Nüsken)

Herr Hossiep, die Corona-Krise hat die Industrie schwer gebeutelt. Zurzeit erlebt die Branche aber einen regelrechten Auftragsboom. Kommen die Betriebe langsam wieder zu ihrer früheren Betriebsamkeit zurück

Mit Blick auf die gute Auftragslage gibt es sicher einen vorsichtigen Optimismus in den Unternehmen. Trotzdem hat die Krise tiefe Spuren hinterlassen: Viele Teams fahren gerade auf der letzten Rille. Die Arbeitsbelastung hat in den letzten Monaten massiv zugenommen.

Trotz bislang sinkender Konjunktur?

Ja. Das klingt erst mal wie ein Widerspruch, ist aber einfach zu erklären: Zu Beginn der Pandemie fanden Meetings noch im gewohnten Maß statt. Zwischendurch hatten die Leute Zeit für Pausen oder konnten andere Aufgaben erledigen. Inzwischen hängen Beschäftigte fast den ganzen Tag auf Zoom und Co. fest – frei nach dem Motto „wenn es ihn keine Anfahrt kostet, kann er ja hier auch noch mit dazu“. Obendrauf kommt diese ständige psychische Belastung.

Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group