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Nachgehakt

Was ist mit ... der Additiven Fertigung bei Renishaw?

| Autor: Simone Käfer

Additive Fertigung bei Renishaw: Rainer Lotz, Geschäftsführer der Renishaw GmbH, stellt sich unseren Fragen.
Additive Fertigung bei Renishaw: Rainer Lotz, Geschäftsführer der Renishaw GmbH, stellt sich unseren Fragen. (Bild: Renishaw)

Renishaw spielt in der Additive Fertigung (AM) mit. Was Messtechnik und 3D-Druck verbindet und wie Renishaw den Sprung zum AM-Hersteller bewerkstelligt, erzählt Geschäftsführer Rainer Lotz.

MM: 2011 hat Renishaw MTT Technologies Limited übernommen. Der Zukauf baute 3D-Drucker, Sie entwickeln Messtechnik. Waren Ihnen Messsysteme nicht mehr innovativ genug?

Rainer Lotz: Ganz und gar nicht. Nach annähernd 45 Jahren hat der Bereich Messtechnik bei uns nicht an Innovationskraft verloren, wir investieren sogar über 16% unseres Umsatzes in seine Forschung und Entwicklung. Additive Fertigung betreiben wir schon seit 2006. Als Anwender hatten wir das Potenzial erkannt, das in diesem Verfahren steckt, und uns dazu entschlossen, mit unserem Know-how diese Technik weiterzuentwickeln.

Ich suche noch nach dem Bindeglied zwischen Messtechnik und Additiver Fertigung.

Wenn Sie sich die Anlage zum Laserschmelzen anschauen, sehen Sie, dass dort Komponenten eingebaut sind, mit denen wir sehr vertraut sind. Wir verfügen über eine Laserquelle, über optische Module, mechanische Vorrichtungen, mit denen ich sehr genau positionieren muss. Alles Dinge mit denen wir uns seit vielen Jahren befassen und bei denen wir die Zutaten dazu haben, beispielsweise bei einem Spektroskop oder einem Laserinterferometer. Aber auch unsere optoelektronischen Messköpfe wie beispielsweise unser 5-Achsen-Messsystem Revo enthalten technische Komponenten, die in einer Laserschmelzanlage eingesetzt werden. Deshalb ist die Technik näher an unserem Portfolio, als es zunächst aussehen mag. Wir betreiben letztendlich Innovation in bekannten Disziplinen.

3D-Metalldrucker fürs Laserschmelzen

Produktetrend

3D-Metalldrucker fürs Laserschmelzen

14.06.17 - Heute erschmilzt man sich seine metallischen Ersatzteile. Nebenbei können sie dann auch noch verbessert werden. Dafür stellen wir Ihnen heute drei 3D-Metalldrucker vor, die nach dem Laserschmelzverfahren arbeiten. lesen

Bei der Übernahme von MTT stand zunächst eine Zusammenarbeit im Vordergrund. Wie hatte sich diese gestaltet?

Die Integration war sehr anspruchsvoll. Zunächst stand die Fertigungstiefe im Brennpunkt. Wir beschlossen zusammen mit unseren neuen Kollegen, fremdbeschaffte Anlagenkomponenten in unseren eigenen Produktionsstätten zu fertigen, um unsere Wertschöpfung zu erhöhen und von unserer eigenen Fertigungsexpertise und unseren hohen Qualitätsstandards zu profitieren. Die Grundlagenforschung wurde in die vorhandene F&E-Organisation, die direkt von unserem Entwicklungsvorstand geleitet wird, aufgenommen und ausgebaut. In der Grundlagenforschung sehen wir heute schon durch die erwähnte Nähe zu vorhandenen Entwicklungen interessante Synergien. Durch diese Maßnahmen wurden am ursprünglichen AM-Standort entsprechende Kapazitäten für die Produktentwicklung frei, die wir für die anschließende Phase der generellen Optimierung und Standardisierung benötigten. Auch der ursprüngliche MTT Standort im britischen Stone wurde nach dem Umzug in neue Räumlichkeiten konsequent ausgebaut und verfügt nun über ein einzigartiges AM Solutions Center mit eigenem Materiallabor. Parallel dazu stand dann der Ausbau der Fertigungskapazitäten und die Vernetzung der neuen Kollegen mit den existierenden internationalen Entwicklungsteams im Fokus. Insbesondere in Bezug auf die Prozessstabilität und der Anlagen-Wiederholgenauigkeit haben wir durch diese ersten Maßnahmen enorme Fortschritte erzielt. Noch heute sehen wir darin, den wesentlichen Grund für die hohe Zufriedenheit unserer Kunden und die hohe Bauteilequalität mit anspruchsvollen Materialien wie Titan.

Existiert diese Zusammenarbeit mit MTT Technologies Limited heute, sechs Jahre später, immer noch?

Heute hat sich daraus mehr als eine Zusammenarbeit entwickelt: Die neuen Kollegen sind mittlerweile voll in die internationale Renishaw-Familie integriert.

2013 kam dann LBC dazu. Ebenfalls eine Investition in die Additive Fertigung. Bedeutet das, dass es damals bei Renishaw bereits eine konkrete Strategie für den Ausbau additiver Verfahren gab?

Ja, die Akquise gehörte zur Unternehmensstrategie. In unserem Team in Deutschland entwickelten wir eine gesamtheitliche Strategie, von der Beratung, über die Anlaufproduktion bis zur schlüsselfertigen AM-Komplettanlage.

Wie weit ist die Umsetzung der Strategie fortgeschritten?

Mittlerweile haben wir auch LBC vollständig integriert. LBCs Kernkompetenz im Werkzeugbau haben wir weiter ausgebaut und vermarkten aktuell unter der neu geschaffenen Marke iQtemp, zusammen mit unserem Partner Listemann, einen innovativen Lösungsansatz. Er kombiniert konventionelle Fertigung, Additive Fertigung und das Vakuumlötverfahren für die Realisierung von konturnah temperierten Werkzeugformeinsätzen.

Verfahren des 3D-Metalldrucks

Grundlagenwissen

Verfahren des 3D-Metalldrucks

13.07.17 - Eine schier unerschöpfliche Zahl an 3-Buchstaben-Begriffen stürzt auf den am 3D-Druck Interessierten ein. Unsere Redakteurin hat versucht, einen Überblick über die additiven metallischen Druckverfahren zu bekommen, und fand heraus: So viele sind es gar nicht. lesen

Sie sprachen vorhin von einer schlüsselfertigen AM-Komplettanlage. Was hat es damit auf sich?

Unsere Turnkey-Strategy. Es geht darum, an Additiver Fertigung interessierte Unternehmen risikoarm an diese Technik heranzuführen. Beginnend mit der Beratung, anschließenden Benchmarks, der Überprüfung von Kleinserien in der Dienstleistung, einem begleitenden User-Training und der finalen Integration der AM-Technik bei unserem Kunden.

Hat sich Ihr Engagement in der Additiven Fertigung auch auf Ihre Mitarbeiterzahl ausgewirkt?

Wir sehen einen erheblichen Zuwachs an Mitarbeitern im AM-Bereich. Das gilt sowohl am Standort Deutschland, als auch an allen weiteren AM-Standorten. Mit Blick auf die gegenwärtigen Geschäftsentwicklung rechnen wir damit, dass dieser Trend auch vorerst so anhalten wird.

Die RenAM 500M arbeitet mit pulverbettbasiertem Laserschmelzsystem. Der 3D-Drucker verfügt über eine automatische Pulverhandhabungseinrichtung.
Die RenAM 500M arbeitet mit pulverbettbasiertem Laserschmelzsystem. Der 3D-Drucker verfügt über eine automatische Pulverhandhabungseinrichtung. (Bild: Renishaw)

Sie bauen nun Ihre eigenen 3D-Drucker. Wie viel MTT-Drucker steckt noch darin?

Wir sind sehr stolz darauf, bei der damaligen Akquise alle Mitarbeiter der MTT Technologies Limited übernommen zu haben. Ihr Know-how über den AM-Prozess setzen wir bis heute natürlich aktiv ein. Selbstverständlich haben wir uns alle zusammen weiterentwickelt und auch die Technik hat insgesamt enorme Fortschritte gemacht. Es steckt also durchaus noch MTT in unseren AM-Anlagen, technisch sind diese Systeme allerdings auf einem völlig neuen, industriellen Level.

Renishaw war ein Neuling auf diesem Gebiet – sowohl der Additiven Fertigung als auch des Vertriebs von Maschinen. Wie ist Ihnen der Sprung ins kalte Wasser geglückt?

So kalt war das Wasser eigentlich nicht. Wie ich anfangs bereits erwähnt habe, ist das Laserschmelzverfahren viel näher an unserem Portfolio, als es zunächst aussieht. Laserquellen, optische Module und mechanische Vorrichtungen, die ich alle genau positionieren muss. Also Dinge, mit denen wir uns seit vielen Jahren befassen und in einer Laserschmelzanlage zum Einsatz kommen.

Und vor welchen Herausforderungen standen die Vertriebsmitarbeiter, die bisher keine kompletten Maschinen verkauften?

Lotz: „Als Anwender hatten wir das Potenzial erkannt, das in der Additiven Fertigung steckt.”
Lotz: „Als Anwender hatten wir das Potenzial erkannt, das in der Additiven Fertigung steckt.” (Bild: Renishaw)

Als renommierter Partner im Bereich der Messtechnik haben wir einen exzellenten Zugang zu potentiellen Anwendern in allen Industriesegmenten und konnten so deren Anforderungen schnell erfassen und unsere Technik in diesem Umfeld erfolgreich vermarkten. Von Anfang an haben wir uns dabei eher als Berater verstanden und ehrlicherweise auch Projekte abgelehnt, wenn der Anwendungsfall noch nicht mittels Additiver Fertigung sinnvoll abgebildet werden konnte. Diese Vorgehensweise wurde vom Markt sehr honoriert und bestätigt uns in unserem Vorhaben, stets auf nachhaltige Kundenentwicklung zu achten.

Sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen im Bereich Additiver Fertigung zufrieden?

Wir sind mit der bisherigen Entwicklung durchaus zufrieden, sehen aber die größte Dynamik im Markt eher noch vor uns.

Ihr neustes Projekt sind Solutions Center mit Mietzellen. Was hat es damit auf sich?

In den Räumlichkeiten der Solutions Center wird es umfangreich ausgestattete Mietzellen geben, die von unseren Kunden zur Validierung der AM-Anlagentechnik, spezieller Applikationen und natürlich zur Materialentwicklung angemietet werden können. Auf die Idee, diesen Service anzubieten, brachten uns unsere Kunden, die der offiziellen Eröffnung, voraussichtlich im Spätherbst diesen Jahres, schon entgegenfiebern.

Software und Testräume sollen Kunden überzeugen

3D-Metalldruck

Software und Testräume sollen Kunden überzeugen

29.06.17 - Gerade in der Additiven Fertigung gehört Kundenberatung zum A und O. Dafür hat sich die deutsche Niederlassung Renishaws ein Konzept überlegt, das künftig auch für die Messtechnik umgesetzt werden soll. lesen

Was erwartet denn die ersten Besucher eines Solutions Centers?

Auf den Punkt gebracht erwartet unsere Besucher eine einzigartige Additive-Manufacturing-Erlebniswelt und ich verspreche, dass kaum eine Frage unbeantwortet bleiben wird. Unsere Interessenten profitieren zunächst einmal von unserer großen Beratungsexpertise zur Evaluierung Ihres Anwendungsfalles. Oftmals steht dabei auch die fertigungsgerechte Auslegung von AM-Bauteilen und ein entsprechendes Redesign an erster Stelle, das wir durch vorgehaltene Softwarelösungen unterstützen können. In unserer Additiven Fertigung entstehen dann Benchmarkbauteile zur Validierung des AM-Prozesses. In unserer konventionellen Werkstatt werden die Bauteile endbearbeitet. Ein fertiges Musterbauteil überzeugt meistens mehr als alle theoretischen Betrachtungen.

Themen wie Qualitätsprüfung und Sicherheit bleiben außen vor?

Wir führen in unserem Materiallabor auch einen Nachweis über die Qualität dieser Bauteile durch. Erfolgt die kundenseitige Freigabe zur Produktion der Bauteile, kann entweder auf die hauseigene AM-Dienstleistung zurückgegriffen werden oder es erfolgt eine Integration der Systemtechnik beim Kunden vor Ort. Außerdem zeigen wir in unseren Solutions Centern auch ein umfangreiches Sicherheitskonzept und arbeiten verstärkt an Themen wie der Automatisierung oder Industrie-4.0-Gedankens.

* Dieses Interview mit Rainer Lotz, Geschäftsführer der Renishaw GmbH, führte Simone Käfer, Redakteurin für Additive Fertigung.

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