Zerspanung

Wie die Exotenzerspaner Maschinen an ihre Grenzen bringen

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USB-Anschluss inklusive

Dass sich die kompakte Maschine mit einem normalen Hubwagen bewegen lässt, ist ebenfalls von Vorteil für die Forscher, da an Schulen ebenso wie in kleinen Unternehmen oftmals schweres Gerät wie ein Gabelstapler fehlt. Auch mit großer Ausstattung kann die „Kleine“ punkten: Ein einfaches aber praktisches Feature an der Super-Mini-Mill ist beispielsweise ein USB-Anschluss. „Dass ich mein Programm schnell und einfach vom USB-Stick aus abarbeiten kann, gibt es bei einigen Herstellern nicht oder bei manchen für mehrere Hundert Euro Aufpreis“, so Kasberger weiter.

Auch der kostenlose Haas-Kundenservice stößt auf allgemeines Wohlwollen. „Wenn ich etwas brauche, bekomme ich meine Informationen meist binnen weniger Minuten“, erklärt der Maschinenbauer weiter. „Über unseren Service bekommen wir wahnsinnig Marktanteil“, ergänzt Andreae.

Mit Mini-Mill-untypischen Beispielen Respekt ernten

Das verwundert kaum, sind die Factory-Outlets wie auch bei Weman relativ kleine Divisionen, sodass die Chancen gut stehen, bei einer Anfrage auch denjenigen in der Leitung zu haben, der die Maschine aufgebaut hat und weiß, was mit der Maschine gemacht wird.

Das, was die Forscher vom TAZ alles mit der Super-Mini-Mill „anstellen“, könnte in Fachkreisen bereits als Zweckentfremdung bezeichnet werden. Aber gerade mit diesen sogenannten Mini-Mill-untypischen Beispielen hat sich das Team Respekt erarbeitet. Kasberger dazu: „Man muss ganz klar sagen, dass die Super-Mini-Mill für das, was wir mit ihr machen, ursprünglich nicht gebaut wurde. Sie ist für Kunststoff oder Aluminium ausgelegt und wir fräsen damit durchgängig alle Werkstoffe bis hin zu hochharten Werkzeugstählen.“

Manche Teile, die darauf gefertigt werden, fertigen andere Hersteller auf Maschinen zwei Preisklassen höher. „Was natürlich einen gewissen Ehrgeiz weckt, ist, hochharte Werkstoffe auf einer so kleinen Maschine zu fertigen, zumal neben der Anlage auch das Know-how des Anwenders einen extrem großen Einfluss auf das Ergebnis hat.“

Maschine unter der spezifizierten Herstellergenauigkeit betreiben

Dass die Super-Mini-Mill stabiler ist, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint, beweist eine Form aus Invar, die darauf gefertigt wird. Invar ist eine schwierig zu zerspanende Sonderlegierung (36 % Nickel, Rest Eisen) praktisch ohne thermische Dehnung, die bei der Bearbeitung ein gewisses Anwenderwissen und stabile Arbeitsbedingungen verlangt. Die Herstellung der Formen verlief dabei ganz ohne Problem, wie es heißt, allerdings musste man bei diesem Werkstoff der Maschine ein wenig entgegenkommen und vorsichtiger fertigen, um die Grenzen nicht endgültig auszureizen. Nach nur einem Jahr Arbeit sind die Forscher nun in der Lage, die Maschine unter der spezifizierten Herstellergenauigkeit und damit wirklich am Leistungslimit zu betreiben.

„Wir untersuchen derzeit in einem Forschungsprojekt: Wie rau darf es sein? Also, ab wann macht es auf einer Optik einen Unterschied. Wenn ich mit dem Ergebnis drei Stunden Polierzeit einsparen kann, bedeutet das für die Industrie bares Geld“, erklärt Kasberger.

Mikrometergenaues Arbeiten gehört zum Know-how des TAZ, ebenso wie schnelle Modifikationen am Postprozessor und das nötige Feingefühl beim Einsatz der Maschine im Grenzbereich. Die Maschine ist binnen weniger Minuten einsatzbereit und fährt, sobald sie mit einem Programm fertig ist, nach einer selbstbestimmten Zeit allein runter – was im Bereich der mannlosen Fertigung neue Möglichkeiten eröffnet.

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