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Strategie

Wie Lean Management den Strukturwandel vorantreibt

| Autor/ Redakteur: Michael Hirthammer / Melanie Krauß

Insbesondere bei Unternehmen, die sich mit Herausforderungen, wie einem starken Wachstum und einem engagierten Wettbewerbsumfeld, konfrontiert sehen, kann Lean Management positive Veränderungen bewirken.

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Bei Lean Management geht 
es darum, Arbeitsprozesse effizient zu gestalten.
Bei Lean Management geht 
es darum, Arbeitsprozesse effizient zu gestalten.
(Bild: ©bakhtiarzein - stock.adobe.com)

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen aufgrund ihrer Spezialisierung über eine große Expertise auf ihrem Feld. Moderne Management- und Prozessstrukturen gehören allerdings häufig nicht dazu. So haben sie oftmals Arbeitsstrukturen etabliert, die zwar funktionieren, die jedoch über Jahre hinweg nicht hinterfragt und an neue Gegebenheiten der Arbeitswelt und des Marktes angepasst wurden.

Das Resultat ist, dass Abläufe veraltet sind und sich nicht auf die steigenden Anforderungen übertragen lassen, beispielsweise hinsichtlich zunehmender Produktionskapazitäten oder hinsichtlich der Weiterentwicklung der Geschäftsfelder. Hier setzt das Lean Management an.

Durch Lean Management lassen sich die im Unternehmen vorhandenen Potentiale nutzen und neue Strukturen von innen heraus erarbeiten und umsetzen. Es geht dabei nicht darum, ein Unternehmen komplett umzukrempeln, sondern die Vorteile aus der traditionellen Unternehmensführung mit neuen Managementansätzen zu verbinden und so agile Strukturen aufzubauen. Diese optimieren die Prozesse, reduzieren Fehlerquoten und tragen zur Steigerung der Produktivität und nachhaltigem Wachstum bei.

Positive Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation

Ein positiver Nebeneffekt: Auch die Mitarbeiter profitieren, denn agile Prozesse wirken sich nachweislich positiv auf die Arbeitsatmosphäre im gesamten Team und die Motivation jedes Einzelnen aus. Was es grundsätzlich dafür braucht, ist die Bereitschaft, alte Strukturen zu hinterfragen, und den Mut, diese über Bord zu werfen. Denn am Anfang aller Veränderung steht die selbstkritische Auseinandersetzung mit der Ist-Situation, den Problemstellungen und den Schwierigkeiten. Daraus abgeleitet erfolgt die Entwicklung von neuen Herangehensweisen und Handlungsstrategien für alle Fachbereiche, die im gesamten Unternehmen implementiert werden.

Wie sieht das in der Praxis aus? Ein Unternehmen, das sich beispielsweise im starken Wachstum befindet, kann Lean-Workshops in allen Bereichen einführen. Dazu werden parallel stattfindende Pilotprojekte gestartet, die Führungsansätze in der Fertigung, wie Shopfloor Management, und Methoden zur Verbesserung der Prozessführung, wie Value Stream Mapping und 5S, beinhalten. Während dieser Phase geht die Initiative von der Geschäftsführung aus, die neue Konzepte zur Verbesserung top-down erarbeitet und dann gemeinsam mit dem Team umsetzt. Die Mitarbeiter werden durch praktische Tätigkeiten vor Ort von Beginn an mit eingebunden.

Der Rollout erfolgt anschließend in allen Bereichen. In jedem einzelnen Fachbereich werden Fachkräfte für Lean, Sixsigma und TPM integriert, die die kontinuierliche Verbesserung unterstützen. Der Austausch über den Stand der Dinge erfolgt strukturiert auf Führungskreisebene. Durch Weiterbildungsmaßnahmen erlernen Führungskräfte und Mitarbeiter ihr Know-how in den Lean-Methoden und damit die Fähigkeit, die Organisation und die Arbeitskultur nachhaltig aufzubauen.

Im Fokus steht Transparenz bei den einzelnen Themen und bei den Entscheidungen, die grundsätzlich auf unterster Ebene getroffen werden sollen. Die Mitarbeiter sollen befähigt werden, Lösungsroutinen (PDCA) aufzubauen und durch den intensive­ren Austausch im Team (Matrix) eigenständig Lösungen zu erarbeiten und diese zum Erfolg zu bringen. Die Schulungen auf den Spezialgebieten können intern erfolgen oder auch mit Unterstützung externer Consultants.

Welche Hürden gilt es zu überwinden? Der Lean-Prozess gelingt nur durch das tägliche Tun und es dürfen dabei keine Bereiche ausgespart werden. Eine große Herausforderung dabei ist ganz klar die hohe Geschwindigkeit der Veränderungen bei gleichzeitig starkem Wachstum, mit der die Führungskräfte und Mitarbeiter konfrontiert sind.

Seminartipp Im Modul „Lean Management“ des zertifizierten Weiterbildungswegs Controlling für Produktionsleiter lernen Sie, wie Sie Lean Thinking in Ihrem Unternehmen einsetzen können, um effiziente und effektive Prozesse zu schaffen. Themen sind unter anderem:
  • Swimlane und Value Stream Mapping (Wertstromanalyse / -design)
  • Verschwendungsarten kennen und „sehen lernen“
  • Kritische Erfolgsfaktoren bei der Lean-Implementierung
  • Die veränderte Rolle von Managern und Führungskräften
  • Weitere Informationen, Termine und Anmeldung unter: www.b2bseminare.de/alle-seminare/controlling-fuer-produktionsleiter

    Balance zwischen Ergebnissen und Mitarbeiterentwicklung

    Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, die Balance zwischen „Unternehmensergebnissen“ und dem „Aufbau der Kompetenzen der Mitarbeiter“ herzustellen. Gleichzeitig werden sie dazu angehalten, die neuen Denk- und Handlungsweisen konsequent vorzuleben, um so den Lean-Prozess nachhaltig voranzutreiben. Mitarbeiter haben die Aufgabe, ihre Arbeitsweise an die neuen Strukturen anzupassen und eine neue, aktivere Rolle mit mehr Verantwortung bei der Erarbeitung von Verbesserungsprozessen einzunehmen.

    Eine Investition, die sich langfristig lohnt. Lean soll nicht als großes separates Projekt gesehen werden, sondern als Teil eines von innen heraus stattfindenden Transformationsprozesses. Die alten Standards werden dabei herausgefordert und durch neue Denkansätze agile Strukturen auf allen Ebenen aufgebaut.

    Durch die Value-Stream-Methodik, ein Konzept innerhalb des Lean-Managements, wird auf Basis der Analyse des Ist-Zustandes eine optimierte Arbeitsweise für die Zukunft erstellt. Dadurch lassen sich das Layout, die Organisation und die Produktions- und Arbeitsabläufe neu aufsetzen und kontinuierlich verbessern.

    Unterstützt werden diese Maßnahmen durch ein erfolgreich eingeführtes und operativ umgesetztes, täglich aktiv gelebtes Shopfloor-Management. So lassen sich enorme Produktivitätssteigerungen erreichen und Unternehmen schaffen lernende Strukturen, die mitwachsen und sich flexibel an sich ändernde Gegebenheiten anpassen.

    Die Mitarbeiter profitieren von einer stärkeren persönlichen Einbindung und Weiterentwicklung, der aktiven Mitarbeit an Verbesserungsprozessen und dem damit einhergehenden höheren Maß an Entscheidungsfreiheit. Lean Management ist also ein nachhaltiges und sinnvolles Werkzeug, um die bereits existierenden Potenziale eines Unternehmens zu nutzen und diese durch neue Denkansätze und Konzepte zu optimieren. Unternehmen können durch die agilen Strukturen ihre gesamte Organisation und ihre Arbeitsmethodik zukunftsorientiert aufstellen.

    * Michael Hirthammer ist Geschäftsführer bei Harry’s in 98673 Eisfeld, Tel. (0 36 86) 36 20, info.de@harrys.com, www.harrys.de

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