Ergonomischer Arbeitsplatz Zurück im Beruf: Behindertengerechter Montagearbeitsplatz

Autor / Redakteur: Dipl. Inf. Stefan Graf / Stefanie Michel

Ein Mitarbeiter verliert einen Unterschenkel und ist am Montagearbeitsplatz nicht mehr wie bisher einsetzbar – so geschehen bei SEW-Eurodrive. Doch der Arbeitgeber konzipierte für ihn mit dem Arbeitsplatzspezialisten Minitec eine Montageinsel, die zugleich wirtschaftlich, ergonomisch und flexibel ist.

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Kooperation: Minitec hat für SEW-Eurodrive einen behindertengerechten, ergonomischen Montagearbeitsplatz gestaltet, der zugleich auch wirtschaftliche Aspekte erfüllt.
Kooperation: Minitec hat für SEW-Eurodrive einen behindertengerechten, ergonomischen Montagearbeitsplatz gestaltet, der zugleich auch wirtschaftliche Aspekte erfüllt.
(Bild: SEW-Eurodrive)

Manchmal entscheiden Sekunden über den weiteren Verlauf eines Lebens: Durch einen Motorradunfall verlor ein langjähriger Mitarbeiter von SEW-Eurodrive einen Unterschenkel und konnte durch diese Beeinträchtigung nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Die Verantwortlichen im Unternehmen – Werksleitung, Personalbereich und Betriebsrat – suchten nach einer Lösung, um ihn wieder in den Arbeitsprozess integrieren zu können. Denn es war auch sein Wunsch wieder in sein altes Leben zurückzufinden. Ein Leben als Frührentner konnte sich der gerade einmal 48-Jährige nicht vorstellen.

Die Herausforderung des Projektes bestand darin, einen behindertengerechten, ergonomischen Montagearbeitsplatz zu gestalten, der zugleich auch wirtschaftliche Aspekte erfüllt. Ein SEW-Team aus Mitarbeitern der Motorenfertigung und Montage, Personalbereich sowie Betriebsrat entwickelte gemeinsam mit Ingenieuren von Minitec und der Deutschen Rentenversicherung eine Lösung, die alle Kriterien erfüllt. Federführend bei der Planung der Montageinsel waren Daniel Saumer (Abteilungsleiter Motorenfertigung und Montage) sowie sein Mitarbeiter Almir Zuzic, der mithilfe der Leitmerkmalmethode einen Arbeitsplatz konzipierte.

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Die Leitmerkmalmethode ist ein Werkzeug, um die tatsächlich vorhandenen physischen Arbeitsbelastung zu ermitteln. Dabei werden vier Leitmerkmale erfasst: Zeitdauer und Häufigkeit, Lastgewichte, Körperhaltung sowie die realen Ausführungsbedingungen. Insbesondere berücksichtigt werden Belastungsarten wie Heben, Halten und Tragen von Lasten, Ziehen und Schieben von Lasten sowie manuelle Arbeitsprozesse.

Gewichtige Montage von Elektromotoren

Auch in Zeiten von Industrie 4.0 sind manuelle Tätigkeiten im Fertigungsprozess noch immer notwendig – vor allem, wenn es um die präzise Montage von Eletronikkomponenten geht. Diese erfolgt zum großen Teil in Handarbeit, da viele der Montageaufgaben nicht von Maschinen erbracht werden können. Das Bruchsaler Unternehmen setzt hierzu auf durchdachte Montagearbeitsplätze, die als Montageinseln gruppiert und verkettet sind.

Insbesondere die Montage von Elektromotoren für Gepäckbänder an Flughäfen erfordert nicht nur sorgfältige und präzise Arbeitsabläufe, sie ist bislang auch geprägt von einem Kraftaufwand für die Mitarbeiter. Schließlich wiegen allein die Linearkämme der Elektromotoren rund 25 Kilogramm. Diese mussten bislang gehoben, geschoben und getragen werden, um alle Montagevorgänge abzuarbeiten. Das Ziel des Projektes war es, ergonomische Arbeitsplätze in einer Montageinsel zusammenzufassen. Dort sollten bis zu drei Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten können.

Systembaukasten von Minitec als Basis für die Gestaltung

Bereits vor vielen Jahren hat sich SEW-Eurodrive für die Konstruktion der Montagearbeitsplätze für den Full-Service-Hersteller Minitec entschieden, der mit seinem Systembaukasten genau die richtige Basis für die Konzipierung und Bau von ergonomischen Arbeitsplätzen bietet. Dieser basiert auf einem Alu-Profilsystem und der Universalität und Kompatibilität seiner Komponenten. Eine ausgeklügelte Verbindungstechnik und umfangreiches Zubehör sorgen zudem für große Gestaltungsfreiheit. Ein weiterer Pluspunkt ist das Know-how von Minitec in den Bereichen Montage- und Fördertechnik. Das ist für SEW-Eurodrive ein wichtiger Punkt, denn oft ist auch die Verkettung von Arbeitsplätzen notwendig. Eine flexible Fertigung verlangt nach solchen Lösungen.

Minitec ist auch auf Assistenzsysteme für die manuelle Montage spezialisiert. Diese umfassen unter anderem Bildschirme, Projektoren, Pick-by-Light-Systeme, Kameras sowie Anbindungen zu IT-Systemen für Augmented Reality, ERP- (Enterprise Resource Planning) und MES-Software (Manufacturing Execution Systems). Durch das Erkennen der Intentionen des Werkers sowie das Wissen über das aktuell herzustellende Produkt kann die Software beispielsweise passende Zusatzinformationen liefern oder die nächsten Arbeitsschritte visualisieren und überwachen. Im Prinzip ist jeder Montagearbeitsplatz eine Sonderanfertigung, deshalb ist der Komplettanbieter Minitec eine gute Wahl.

Flexible Montageinsel für bis zu drei Mitarbeiter

Die Gestaltung eines manuellen Montagearbeitsplatzes sollte nicht nur unter den Gesichtspunkten des optimierten Fertigungsflusses und der Steigerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arbeit erfolgen. Auch ihre ergonomische Gestaltung hat Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Nach einer detaillierten Planung und Analyse folgte bei SEW-Eurodrive der Bau einer Montageinsel, die alle geforderten Eigenschaften vereint. Die Ergebnisse sind beachtlich:

  • Die wirksamen Lasten konnten über die gesamte Prozesskette von rund 25 kg auf unter 5 kg reduziert werden.
  • Die Arbeitshöhen können je nach Wunsch und ohne Rüstaufwand angepasst werden.
  • Kurze Wege durch prozessorientierte Materialanordnung vereinfachen und beschleunigen den Arbeitsprozess.

Unfallgefahren werden durch geschicktes konzipieren der Arbeitsplätze stark reduziert. Die Montageinsel ist so konzipiert, dass der Mitarbeiter trotz seiner Behinderung an allen drei Arbeitsplätzen eingesetzt werden kann. Je nach Arbeitsaufkommen sind zusätzlich zwei weitere Mitarbeiter im Einsatz. Die Aufgabenverteilung kann flexibel erfolgen, da alle Mitarbeiter alle Handgriffe und Prozesse beherrschen. Ein weiterer großer Vorteil hierbei ist, dass dadurch eintönige, sich ständig wiederholende, Arbeitsabläufe vermieden werden können. Dies ist nicht nur ergonomisch, sondern steigert auch gleichzeitig die Motivation. Eine flexible Lösungen, die vielen Ansprüchen gerecht wird.

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Über den Autor

Dipl. Inf. Stefan Graf

Dipl. Inf. Stefan Graf

Freier Journalist in den Bereichen Soft- und Hardware sowie Dienstleistungen für die Produktentwicklung, Fertigung, Logistik und IT