Ersatzteile Additive Fertigung – Von der Notlösung zum Qualitätskriterium

Autor / Redakteur: Erik Biewendt / Simone Käfer

Erfahrungen aus der Pandemie: Die Lieferengpässe haben den Blick von CNH Industrial auf die Additive Fertigung verändert. Das Unternehmen minimiert damit nun Lieferkettenrisiken und steigert Flexibilität und Servicequalität.

In der Landwirtschaft kommt es zur Erntezeit auf jede Minute an. Ersatzteile dürfen keine Mangelware sein. CNH Industrial hat die Lieferengpässe während der Pandemie mit Additiver Fertigung überbrückt.
In der Landwirtschaft kommt es zur Erntezeit auf jede Minute an. Ersatzteile dürfen keine Mangelware sein. CNH Industrial hat die Lieferengpässe während der Pandemie mit Additiver Fertigung überbrückt.
(Bild: CNH Industrial)
  • CNH Industrial startet mit Prototyping, baute die Einsatzfelder aus und gewann so Vorsprung während der Lieferengpässe.
  • In einer Woche konnte eine fehlende Komponente gedruckt werden. Das sparte viel Geld und sicherte die Kundenbeziehungen.
  • Ein einzelnes, selten angefragtes Ersatzteil ist 3D-gedruckt zwar teurer, aber die Ersparnis bei den Werkzeugkosten enorm und die Lieferzeit wesentlich kürzer.

190.000 Euro hätte das Unternehmen bereits zu Beginn der Pandemie verlieren können. Denn sensibel aufeinander eingestellte Lieferketten waren aufgrund der Covid-19-Beschränkungen gestört. Aber das niederländisch-britische CNH Industrial hatte bereits vor über zehn Jahren mit 3D-Druck begonnen und 2019 in einer Zusammenarbeit mit Materialise seine Expertise darin gestärkt. „Zunächst diente die Additive Fertigung als effiziente Prototyping-Lösung“, sagt Peter Ommeslag, Director und Global Program Lead für Industrie 4.0 bei CNH Industrial. „Aber es wurde zunehmend deutlich, dass hier noch ein viel größeres Potenzial schlummerte.“ Unter anderem verbesserte der Nutzfahrzeug-Hersteller seine Fertigungsprozesse, indem er Produktionswerkzeug wie Vorrichtungen, Lehren und Wartungsteilen druckte. „Heute nutzen rund 50 Prozent unserer Einrichtungen die Additive Fertigung auf diese Weise. Für uns ist das eine Erfolgsgeschichte“, so Ommeslag.

Aufgrund dieses Erfolgs beim Prototyping rückten weitere Anwendungsfelder der Additiven Fertigung (additive manufacturing, AM) in den Fokus: die Fertigung von Ersatzteilen und die Fertigung von Funktionsteilen. In den Bereichen konnten sie durch 3D-Druck das Volumen des physischen, vorzuhaltenden Lagerbestands erheblich reduzieren und gleichzeitig die Verfügbarkeit und damit die Servicegeschwindigkeit noch verbessern. „In ähnlicher Weise erkannten wir auch das Potenzial für den Druck von Funktionsteilen. Hier wurde schnell deutlich, dass wir angesichts der vielen offenen Anwendungen eine strukturiertere End-to-End-AM-Strategie entwickeln mussten. So begannen wir 2019 mit Materialise zusammenzuarbeiten, insbesondere mit dem Mindware-Team“, berichtet Ommeslag. Das Materialise Mindware-Team berät Unternehmen bei der Einführung von Additiver Fertigung, ab der Prüfung von Möglichkeiten und dem Entdecken von Potenzialen bis hin zur Realisierung.