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Werkzeugmaschinen weltweit An Chinas Marktmacht führt kein Weg vorbei

| Autor: Robert Horn

Die zehn größten Märkte für Werkzeugmaschinen entwickelten sich im vergangenen Jahr höchst unterschiedlich. Vor allem der asiatische Raum hat mit der Formschwäche Chinas zu kämpfen. Für dessen Spitzenplatz reicht es dennoch.

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Die chinesische Industrie ist mit einem Produktionsvolumen von 17 Mrd. Euro der größte Werkzeugmaschinenproduzent der Welt. Das Marktvolumen deckt fast ein Drittel des Weltmarktes ab.
Die chinesische Industrie ist mit einem Produktionsvolumen von 17 Mrd. Euro der größte Werkzeugmaschinenproduzent der Welt. Das Marktvolumen deckt fast ein Drittel des Weltmarktes ab.
(Bild: ©anekoho - stock.adobe.com )

Das Niveau von 2015 konnten Werkzeugmaschinenhersteller weltweit im Jahr 2016 nicht halten, auch das Rekordjahr 2012 liegt in weiter Ferne. Die Weltproduktion von Werkzeugmaschinen sank im letzten Jahr um 2,2 % auf 67,6 Mrd. Euro ab. Während Deutschland das Jahr auf hohem Niveau sowie mit stabilen Zahlen bestand und für 2017 mit einem kräftigen Wachstum rechnen kann, entwickelt sich der Markt im Rest der Welt uneinheitlich.

Besonders die asiatischen Mitbewerber Japan, Südkorea und Taiwan müssen 2016 stärkere Rückgänge verkraften. Auch in der Schweiz bricht das Geschäft ein. China festigt dagegen seinen Anspruch als Platzhirsch.

Italiens Nationalplan trägt Früchte

In Italien freut sich der Verband Ucimu – sistemi per produrre über gute Zahlen in der Werkzeugmaschinenindustrie. Der Fachverband für Werkzeugmaschinen, Robotik und Automation legt vierteljährlich seinen Auftragsindex vor, wonach die Aufträge für Werkzeugmaschinen im 1. Quartal 2017 um 5,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sind. Der absolute Indexwert pendelte sich bei 187,7 ein und somit weit über dem Mittelwert von 100, der 2010 festgelegt wurde.

Besonders stark sei vor allem die Nachfrage aus dem Inland gewachsen, meldet der Verband. Hier hätten die Aufträge um 22,2 % zugelegt. Kaum Veränderung kommt dagegen aus dem Ausland, hier klettert der Index um 0,3 %.

Die Ursache für die positive Entwicklung sieht der Verband Ucimu in erster Linie in der Umsetzung des italienischen Nationalplans Industrie 4.0. Nach einem Rückgang im letzten Quartal 2016 zeigt die italienische Nachfrage an Produktionssystemen jetzt eine deutliche Wiederbelebung und bestätigt damit den positiven Trend des Inlandsmarktes, der heute außerdem wichtige Steuervergünstigungen wie Super- und Hyperabschreibung in Anspruch nehmen kann, so der Verband.

Massimo Carboniero, Präsident von Ucimu: „Die Bereitwilligkeit des italienischen verarbeitenden Gewerbes, in Industrietechnik und Konnektivitätssysteme zu investieren, hatte einen Ansporn nötig, den der Nationalplan Industrie 4.0 zugesichert hat.“
Massimo Carboniero, Präsident von Ucimu: „Die Bereitwilligkeit des italienischen verarbeitenden Gewerbes, in Industrietechnik und Konnektivitätssysteme zu investieren, hatte einen Ansporn nötig, den der Nationalplan Industrie 4.0 zugesichert hat.“
(Bild: Ucimu )

Aufträge bestätigten den Reformkurs

Massimo Carboniero, Präsident von Ucimu – sistemi per produrre, erklärt: „Die Entscheidung der Regierungsbehörden, dem Land eine einheitliche Industriepolitik zu gewähren – zur Anpassung an den Stand der Technik und der Organisation in den Unternehmen – ist sicherlich zukunftsorientiert gewesen, nicht nur dank der im Plan enthaltenen Maßnahmen, sondern auch für das gewählte Timing.“ Doch scheinen die Maßnahmen bereits zu wirken, so Carboniero weiter. „In der Tat hat der interne Markt nach schwierigen Jahren seit 2014 wieder in Produktionssysteme investiert. Faktoren wie die Wiederbelebung der Nachfrage und der Tatbestand einer Überalterung der Produktionsanlagen mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren haben den perfekten Zeitrahmen zur Anwendung des Planes geschaffen.“

China ist mit 21,6 Mrd. Euro der mit Abstand größte Verbraucher (Produktion minus Export plus Import) von Werkzeugmaschinen.
China ist mit 21,6 Mrd. Euro der mit Abstand größte Verbraucher (Produktion minus Export plus Import) von Werkzeugmaschinen.
(Bild: VDW )

Eine Bestätigung dafür sieht Carboniero im aktuellen Auftragsindex des Verbands. „Der interne Auftragsindex vom ersten Quartal 2017 lässt keinen Interpretationsspielraum: Das von den Regierungsbehörden erstellte Programm zeigt die ersten Früchte. Die Bereitwilligkeit des italienischen verarbeitenden Gewerbes, in Industrietechnik und Konnektivitätssysteme zu investieren, hatte einen Ansporn nötig, den der Nationalplan Industrie 4.0 zugesichert hat.“

Fraglich bleibt für den Verband aber, wie nachhaltig die Maßnahmen der Regierung letztendlich sind. Denn: „Jetzt muss sich nur noch klären, ob ein Jahr ausreicht, den italienischen Unternehmen den notwendigen Schwung zu geben, um den Grad an Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, der unentbehrlich für den Vergleich mit den ausländischen Wettbewerbern ist“, so Carboniero.

Auf der Rangliste der größten Werkzeugmaschinenproduzenten der Welt schiebt sich Italien damit auf Platz 5 an Südkorea vorbei. Die Produktion unseres südlichen Nachbarn liegt weltweit bei 7,4 % Marktanteil oder 5,0 Mrd. Euro. Der Verbrauch des Landes klettert nach Zahlen des VDW auf 4,7 % Weltanteil (und damit ebenfalls Platz 5), nur knapp 1 Mio. Euro über der Konkurrenz aus Südkorea. Im Bereich der Umformtechnik belegt Italien Platz 3. Unangefochtener Spitzenreiter in Werkzeugmaschinenproduktion und -bedarf bleibt weiterhin China.

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