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Schnell erkennt Lödige den internationalen Bedarf seiner Mischer und lässt seine Erfindung auch in England und den USA patentieren. Der Export beträgt in den 50er Jahren bereits mehr als 40 Prozent und der kleine Betrieb beschäftigt bereits mehr als 60 Fachkräfte. Ein Meilenstein für die Produktion der großen Apparate liegt im Jahr 1955. Der Koloss seiner Zeit wird an ein Chemieunternehmen geliefert. Als Präzisions-Minuten-Mischer hat er ein Fassungsvermögen von 25.000 Liter und ist für die Verarbeitung von Holzkohle für chemische und medizinische Zwecke bestimmt.
Im folgenden Jahrzehnt steht Wachstum durch Internationalisierung auf dem Programm. 1960 wird ein Vertriebsbüro in Paris eröffnet, 1968 in Holland. Bereits 1970 hat das Unternehmen etwa 300 Mitarbeiter.
Den „großen Jungs“ bleiben die Paderborner aber treu: 1973 verladen sie einen Reaktionsapparat mit 25.000 Litern Produktionsraum für ein süddeutsches Chemiewerk. Der aus Edelstahl gefertigte 40-Tonnen-Koloss ist bereits elf Meter lang, drei Meter siebzig breit und mehr als vier Meter hoch. Er dient zur Herstellung von Carboxymethylcellulose, einem Produkt, das als Waschmittelzusatz und in der Lebens- und Pharmaindustrie als Verdickungs- und Bindemittel verwendet wird.
Schon damals misst die Edelstahlwelle im Druckbehälter 35 Zentimeter im Durchmesser und trägt mehr als fünfzehn Schleuderschaufeln, von denen eine 120 Kilogramm wiegt. In diesem Jahr vollzieht sich ein entscheidender Durchbruch der Chemiereaktoren für Lödige. Fünf Chemiereaktoren, jeder mit einem Behältervolumen von 25.000 Litern, werden in der Zeit von 1972 bis 1975 von Werken der Großchemie in Finnland, Deutschland und Italien bestellt.
Im Januar 1982 wird der zehntausendste Pflugschar-Mischer verkauft. Seit 1985 hilft beim Schweißen der Pflugschar-Schaufeln ein Robotersystem, 1987 wird in der Konstruktionsabteilung die erste CAD-Anlage in Betrieb genommen.
Know-how für Riesen und Zwerge
Doch die Paderborner produzieren nicht nur Riesen, sondern auch Zwerge, denn in der Forschung und Entwicklung kommt es auf die Mischung an. Eine schlechte Mischung ist in einem Müsli im schlimmsten Fall wohl ein großer Ärger und ein Imageschaden. Bei der Herstellung von Tabletten in der Pharmaindustrie ist die exakte Mischung lebenswichtig. Zum Einsatz kommen hierbei Labormischer. In einer Edelstahltrommel, beginnend mit einem Liter Fassungsvermögen, werden kleine Produktmengen getestet, bevor sie dann in kommerziellen Mengen hergestellt werden.
Anders als bei den Labormischern ist bei den Riesen auch nach der Produktion noch Hochspannung angesagt. Im Februar 2015 wurde der Koloss für die Reise zum indischen Hochofen fertiggestellt. Mit einem Spezial-Tieflader ging es über die Straßen Norddeutschlands, bevor er im Hamburger Hafen per Schiff seinen Weg nach Indien fand, wo er nun mehr als 350 Tage im Jahr für die richtige Mischung des Hochofens sorgt.
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