Materialknappheit Deutsche Stahlverarbeiter sitzen auf dem Trockenen

Redakteur: Peter Königsreuther

Stahl ist das wichtigste Industriemetall. Ohne diesen, auf Eisen basierenden, Grundwerkstoff geht praktisch kaum etwas. Leider ist Stahl momentan Mangelware. Die Geschäfte sind massiv beeinträchtigt.

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Stahl zu bekommen, ist derzeit nicht so einfach, sagt der Wirtschaftsverband Stahl und Metallprodukte WSM. Rund 98 Prozent der Stahl- und Metallverarbeiter in Deutschland fehlt deshalb Material für ihre Produktion, heißt es.
Stahl zu bekommen, ist derzeit nicht so einfach, sagt der Wirtschaftsverband Stahl und Metallprodukte WSM. Rund 98 Prozent der Stahl- und Metallverarbeiter in Deutschland fehlt deshalb Material für ihre Produktion, heißt es.
(Bild: J. Semmler)

Nach einer Mitgliederbefragung sieht sich der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung WSM nun mit einer beunruhigenden Tatsache konfrontiert: Fast alle, genau 98 Prozent, der Mitgliedsunternehmen mussten zugeben, dass die aktuelle Stahlmarktsituation ihre Unternehmensplanung beeinträchtige. Etwa die Hälfte kämpfe mit sehr großen Problemen. Das Befragungsergebnis offenbarte auch, dass bei 89 Prozent der Stahlverarbeiter sogar schon die aktuelle Produktion ins Wanken gerate. Und 87 Prozent geraten bereits in Lieferverzug. „Die Stahlversorgung muss viel schneller nachziehen, um die steigende Nachfrage zu bedienen“, appelliert der WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer.

Alarmglockengeläut bei deutschen Stahlverarbeitern

Zu Lieferengpässen komme es mit Blick auf bereits vereinbarte Jahresmengen. Richtig düster sehe es aus, wenn es um eine Mehrmengenbeschaffung gehe. Klar ist, dass bei dieser Nachfragesituation auch das Preisniveau für Stahl in die Höhe schießt, gibt der WSM zu bedenken.

Wie kann man diese prekäre Versorgungslage erklären? Nun, über 80 Prozent der befragten Unternehmen glauben, dass sowohl die Stahlhersteller als auch deren Abnehmer, etwa aus dem Automobil- und Maschinenbau, die konjunkturelle Entwicklung unterschätzt haben. Verschlimmert werde das Dilemma dadurch, dass Importmengen fehlten. So exportiert beispielsweise China weniger Stahl als sonst, weil dort die Binnennachfrage gestiegen ist, heißt es.. Außerdem sind Stahlimporte in die EU teilweise kontingentiert respektive mit Schutzzöllen belegt. Viele Stahlverarbeiter glauben nun auch, dass die Stahlhersteller das Angebot bewusst verknappen würden

„Diese Lage ist Gift für die wirtschaftliche Erholung, die wir wegen der Corona-Auswirkungen alle brauchen. Wir benötigen jetzt dringend mehr Stahl und andere Rohstoffe“, wiederholt Vietmeyer seine Forderung an die betreffenden Hersteller und Anbieter.

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