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Ein sicherer Hafen für Unternehmen

| Redakteur: MM

Tausende von Unternehmern stehen jährlich vor ungelösten Nachfolgeproblemen, die in der Folge nicht selten zur Liquidation der Firma und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen führten. Wie man solche...

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( Archiv: Vogel Business Media )

Tausende von Unternehmern stehen jährlich vor ungelösten Nachfolgeproblemen, die in der Folge nicht selten zur Liquidation der Firma und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen führten. Wie man solche Nachfolgeprobleme im Sinn einer selbständigen Fortführung des Unternehmens lösen kann, darüber sprachen wir mit dem Vorsitzenden des Vorstands der Gesco AG, Wuppertal, Willi Back.MM: Jedes Jahr stehen viele Unternehmer ohne ,,natürlichen" Nachfolger vor der Frage, wie sie die Zukunft ihres Unternehmens sichern sollen. Welche Punkte sind bei der Nachfolgeregelung zu beachten?Back: Wichtig ist zunächst, dass sich der Unternehmer frühzeitig mit der Nachfolgeregelung befasst. Mit den ersten Grundsatzüberlegungen sollte er schon fünf Jahre vor dem Zeitpunkt beginnen, an dem er ausscheiden will. Denn das Unternehmen muss darauf vorbereitet sein. Ich würde jedem Unternehmer raten, rechtzeitig mit geprüften Jahresabschlüssen zu beginnen, um die entsprechende Transparenz herzustellen. Mit testierten Jahresabschlüssen über mehrere Jahre kann man die Kontinuität des Unternehmens untermauern. Allerdings sollte der Unternehmer auch nicht ins andere Extrem fallen und schon als 50-jähriger beginnen, wenn er erst mit 65 aufhören will.MM: Eine anstehende Nachfolgeregelung ist ja meist sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei Kunden und Lieferanten bekannt. Sollte der Unternehmer sich nicht auch deshalb rechtzeitig um die Nachfolge kümmern?Back: Auf jeden Fall, denn sonst besteht die Gefahr, dass sich die Kunden Alternativmöglichkeiten suchen. Aber auch die Belegschaft weiß, dass etwas geschehen muss. Bei Unsicherheit im Unternehmen gehen die guten Leute zuerst. Deshalb kann ich jedem Unternehmer nur empfehlen, mit diesen Fragen unkompliziert, pragmatisch und offen umzugehen. Unsere Erfahrung lehrt, dass viele Unternehmer nicht einfach ,,Kasse machen" wollen, sondern sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und sich für das Unternehmen und die Belegschaft verantwortlich fühlen. Entsprechend suchen sie sich dann auch ihre Gesprächspartner, also den potenziellen Erwerber, aus. MM: Wie stellt sich die steuerliche Situation für verkaufswillige Unternehmer derzeit dar?Back: Der Wegfall des halben Steuersatzes für Veräußerungsgewinne aus Unternehmensverkäufen zum 1. Januar 1999 führte seither zu einer deutlichen Zurückhaltung auf Verkäuferseite, zumal Ende 1999, Anfang 2000 die Diskussionen um die Steuerreform in Gang kamen. Zum 1. Januar 2001 wurde dann der halbe Steuersatz bei der Veräußerung von Personengesellschaften unter bestimmen Voraussetzungen wieder eingeführt. Ab 1. Januar 2002 wird auch für den Verkauf von Kapitalgesellschaften das Halbeinkünfteverfahren gelten. Alles in allem ist eine Belebung bei Personengesellschaften bereits jetzt feststellbar, bei Kapitalgesellschaften erwarten wir dies ab der Jahreswende. MM: Welche Rolle spielt die Gesco AG bei Nachfolgeregelungen?Back: Der Mittelstand ist unbestritten das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und hier gibt es Tausende von ungelösten Nachfolgefragen. Als 1989 die Gesco gegründet wurde, haben sich die fünf Gründungsväter vorgenommen, darauf eine Antwort zu finden und ein mittelständisch orientiertes Unternehmen aufzubauen, das sich auf solche Nachfolgeregelungen spezialisiert.MM: Aber Sie können ja nicht alle Nachfolgefragen regeln!Back: Wir können natürlich nur einen kleinen Beitrag dazu leisten. Unser Fokus zielt auf gesunde mittelständische Unternehmen mit offener Nachfolgeregelung, die als erfolgreiche Nischenanbieter in den Segmenten Werkzeug- und Maschinenbau sowie Kunststofftechnik tätig sind. Weitere Voraussetzungen sind ein nachhaltiges Ertragspotenzial, Umsätze ab 20 Mio. DM und eine adäquate Eigenkapitalquote. Wir wollen keine Sanierungsfälle und die Übernahme ist langfristig ausgelegt. Wir wollen Wachstum, aber nicht um jeden Preis. Unser Credo heißt: Qualität geht vor Geschwindigkeit.MM: Warum sollte ein Unternehmer an Gesco verkaufen und nicht an andere Firmen oder einen Börsengang wagen?Back: Ein Verkauf an Wettbewerber oder an einen Konzern kommt für viele Mittelständler nicht in Frage, weil sie hier die Fortführung ihres Unternehmens nicht gewährleistet sehen. Gleiches gilt für einen Börsengang, der für ein mittelständisches Unternehmen eher eine theoretische Lösung ist. Wir wollen langfristig mit dem Unternehmen planen. Dazu bieten wir die volle operative Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften, Coaching, Consulting und Controlling sowie ein langjähriges Know-how in Führung und Entwicklung produzierender Unternehmen. Hinzu kommt ein Top-Standing bei Banken, Lieferanten und Kunden, die Beteiligung des neuen Managements am Unternehmen sowie ein partnerschaftliches, konstruktives Klima in der Gesco-Gruppe. Wir bieten die Sicherheit, dass das Unternehmen und damit das Lebenswerk des Unternehmers fortgeführt wird.MM: Muss der Unternehmer immer aus der Firma ausscheiden?Back: Wir treten zwar an, um immer 100% zu übernehmen. Wenn ein Unternehmer jedoch sagt, er möchte noch eine Zeitlang bleiben, ist dies möglich. Aber immer mit einer klaren Trennung auf der Gesellschafterseite. Wenn er weitermachen will, kann das auf Geschäftsführer-, Beirats- oder Beraterebene geschehen. Das ist in manchen Fällen sinnvoll,ja sogar notwendig, wenn das Unternehmen sehr auf seine Person fixiert war. Ein neuer Geschäftsführer von außen muss sich ja auch erst einarbeiten. Wenn sich im übrigen ein Kandidat aus dem Unternehmen selbst anbietet, ist das ebenfalls eine Option für uns. MM: Welche Erfahrungen haben Sie bei der Übernahme der Unternehmen gemacht?Back: Unsere Erfahrungen sind durchweg gut. Wenn wir mit dem Unternehmer gemeinsam vor die Belegschaft treten und unsere Philosophie vorstellen - die Firmen zu erwerben, um sie zu behalten, sie weiter zu entwickeln, das Unternehmen in seiner Kultur und in seinem sozialen Umfeld zu erhalten - dann wird das von der Belegschaft positiv aufgenommen. Da kommen keine Zweifel auf, dass die Firma in einem sicheren Hafen ist und die Mitarbeiter sind zufrieden mit einer solchen Lösung. Und wenn man das zusammen mit dem Unternehmer auch den Mandatsträgern, den Lieferanten und den Kunden vermittelt, dann kann ich Ihnen aus zehnjähriger Erfahrung sagen, dass es nicht in einem einzigen Fall auch nur ansatzweise eine negative Reaktion gab.MM: Übernehmen Sie nur Unternehmen aus der Nachfolgeregelung?Back: Nein, sondern auch dann, wenn es sich zum Beispiel um eine Konzernausgliederung handelt oder wenn ein Unternehmer für große Investitionen einen Gesellschafter sucht. Allerdings befassen wir uns überwiegend mit Nachfolgefragen, denn die sind unsere Spezialität. Mittlerweile umfasst die Gruppe insgesamt zehn operative Firmen und davon haben wir bei sieben Unternehmen Nachfolgefragen gelöst. MM: Welche Aufgabe übernimmt die Gesco-Holding?Back: Die Holding übernimmt bestimmte übergeordnete Funktionen. Als börsennotierte Aktiengesellschaft sorgt sie für ein qualifiziertes internes Berichtswesen, für Geschäfts- und Quartalsberichte, Analystentreffen und Bilanzpressekonferenzen. Für unsere Firmen übernehmen wir die steuerliche und gesellschaftsrechtliche Optimierung, das heißt, wir kümmern uns um Finanzierungs-Instrumente oder um Rahmenvereinbarungen mit Energieversorgern, Kommunikationsunternehmen oder Firmenwagen-Lieferanten. MM: Wie hoch sind die Anteile, die die AGan den Unternehmen hält?Back: Bei den operativen Gesellschaften halten wir bei zwei Firmen 100%, in allen anderen Fällen ist das örtliche Management beteiligt und zwar in der Regel mit rund 20%. Es ist einem erfolgreichen Arbeiten förderlich, wenn sich das Einkommen des Managements auch nach dem Ergebnis richtet. Außerdem besitzen alle unsere Geschäftsführer Gesco-Aktien, so dass sie auch damit dokumentieren, für die Kursentwicklung und die Weiterentwicklung des Konzerns zu arbeiten. Seit Jahren bieten wir zudem allen Belegschaftsmitgliedern Gesco-Aktien zu Vorzugspreisen an, was von immerhin 30% der Mitarbeiter wahrgenommen wird. Das zeigt, dass sich auch die Belegschaft eines übernommenen Unternehmens mit der Philosophie der Muttergesellschaft identifiziert. MM: Welche Ziele haben Sie und die Gesco-Holding für die Zukunft?Back: Beim Börsengang hatten wir einen Konzernumsatz von 250 Mio. DM, heute sind es rund 300 Mio. DM. In den nächsten drei bis fünf Jahren streben wir eine Verdoppelung an, also 500 bis 600 Mio. DM oder 250 bis 300 Mio, Euro.MM: Gibt es einen Grund für den regionalen Schwerpunkt?Back: Wir sind auch offen für größere, weiter entfernte Einheiten, haben uns aber zunächst einfach aus verwaltungstechnischen Gründen auf Nordrhein-Westfalen und angrenzende Regionen konzentriert. Denn so ist es viel einfacher, den persönlichen Kontakt zu halten. Jeden Monat ist eines der beiden Vorstandsmitglieder einmal in jedem Unternehmen und das gleiche gilt für einen unserer Betriebswirtschaftler. Kurze Distanzen sind wichtig, weil man durch ständige Besuche ein Unternehmen besser kennen lernen kann.MM: Sehen Sie die Gesco-Gruppe als mittelständischen Unternehmensverbund?Back: Auf jeden Fall. Es gibt bei uns eine sehr unkomplizierte und effiziente Arbeitsweise, bei der auch mal über eine Investition am Telefon entschieden wird. Also keine langen Wege wie in einem Konzern. Die Holding hat nur wenige Mitarbeiter, weil wir ein herkömmliches Konzerngefüge gar nicht erst entstehen lassen wollen. Holdings neigen ja dazu, ein gewisses Eigenleben zu führen, deshalb die Selbstbeschränkung. MM: Gilt die Selbstbeschränkung auch für die Größe der Gruppe?Back: Was wir nach Erreichen unseres Zieles machen, kann ich heute noch nicht sagen. Aber die Art und Weise, in der wir unsere Firmen betreuen, verträgt sich nicht mit 40 oder 45 Firmen. Die Verdoppelung des Umsatzes wollen wir nicht mit noch einmal zehn Unternehmen erreichen, sondern wir suchen im Moment auch größere Unternehmens- einheiten. Fünf bis sechs Unternehmen können wir mit unserer Kapazität und unserer Art der Betreuung sicher noch verkraften. Unsere Stärke ist, dass wir wie ein Mittelstandsunternehmen organisiert sind und das soll so bleiben.