Winzige Roboter könnten beispielsweise Arzneistoffe an die Körperstellen transportieren, wo sie direkt gebraucht werden. Mainzer Forscher untersuchen nun, wie sie als Kollektiv agieren.
Schwarmintelligenz! Simulierte Miniroboter sortieren sich in der Nähe einer Wand. Die mit großem Bewegungsradius bleiben an der Wand „kleben“ und üben eine Kraft auf die Wand aus, während sich Roboter mit kleinem Bewegungsradius frei im Inneren bewegen können.
(Bild: F. Siebers)
Die Miniaturisierung schreitet auf allen Gebieten voran. Auch die Robotertechnik geht zu immer kleineren Einheiten über. Die Grundlagen für derartige Techniken werden auch in der Physik gelegt. So hat sich an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) die Statistische Physik mit einem neuen Ansatz befasst, bei dem ein Kollektiv von Minirobotern untersucht wird um ihr Verhalten zu analysieren. Die theoretische Basis dafür liefern Erkenntnisse über die Schwarmbildung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht. Die Ergebnisse wiesen einen weiteren Weg auf, wie programmierbare Materie Wirklichkeit werden könne.
Viele Roboter sind effizienter als ein Einzelkämpfer
Um Aufgaben auf Ebene der Mikro- und Nanostrukturen zu erfüllen, sucht die Wissenschaft nach neuen Wegen, zumal die weitere Miniaturisierung von Geräten oder Bauteilen an Grenzen stößt, wie die Mainzer sagen. Ein neues Prinzip wäre es, anstatt nur einen Roboter mit einer Aufgabe zu betrauen, ein ganzes Kollektiv darauf anzusetzen. Denn ein einzelner Miniroboter hat wegen seiner Größe nur begrenzte Fähigkeiten, um eine Aufgabe zu erfüllen. Aber ein Kollektiv von Robotern, die zusammenarbeiten, könnte diese Aufgabe vielleicht sehr gut meistern. An diesem Punkt kommt die Statistische Physik ins Spiel, die mit Modellen das Verhalten von aktiven Teilchen beschreibt, vergleichbar etwa mit dem Verhalten von Vogelschwärmen.
Das Forschungsteam hat dazu das kollektive Verhalten von kleinen, kommerziell erhältlichen Robotern untersucht. Diese sogenannten „Walker“ werden von Vibrationen angetrieben und bewegen sich dadurch auf zwei Reihen von Beinchen vorwärts, erklären die Forscher. Weil Länge, Form und Steifigkeit der Beine von Roboter zu Roboter leicht unterschiedlich sei, erfolge die Bewegung auf kreisförmigen Bahnen mit einem charakteristischen Radius, der für jeden Walker spezifisch sei. Die Roboter, deren Aussehen und Bewegungsmuster an kleine Käfer erinnern, sind elliptisch geformt und richten sich bei Kontakt aneinander aus – so ähnlich wie die bekannten „Boxautos“ bei Kontakt aufeinander reagieren.
Statistische Physik beschreibt Verhalten im Kollektiv
Dem Forschungsteam aus Mainz fielen nun zwei Effekte auf, die sie bei der Arbeit mit dem Miniroboterschwarm feststellten. Diese treten ein, weil sich die Roboter eben in puncto Beine leicht unterscheiden, also die Gruppe eine größere Diversität zeigt. Erstens benötigen die Walker weniger Zeit, um den Raum zu erkunden, waren also schneller. Und zweitens sortieren sie sich, wenn sie durch eine Wand eingegrenzt werden. Je nach Bewegungsradius „kleben“ die Miniroboter dann an der Wand oder sammeln sich im Inneren.
Dieses Verhalten könnte man ausnutzen, heißt es weiter. Beispielsweise wenn die Roboter eine Fracht transportieren sollen und dazu mit der Fracht wechselwirken. Dann würde das Tempo, mit dem sie den Raum erkunden, zunehmen und die Fracht könnte dann schneller geliefert werden. Die Statistische Physik kann hier neue Einsichten vermitteln, welche Effekte ein Kollektiv von Robotern zum Positiven ausnutzen kann.
Das Teilgebiet der Physik, das sich mit der sogenannten aktiven Materie befasst, betrifft viele Bereiche der belebten und unbelebten Welt, in denen kollektives Verhalten oder kollektive Bewegungen erfolgen, wie die Experten sagen. Zum Beispiel gehört das Verhalten von Vogelschwärmen dazu, wie weiter oben bereits angemerkt. Das theoretische Verständnis, wie die Schwarmbildung funktioniere, wende man hier eben auf robotische Systeme an.
Einige Informationen zum zugrundeliegenden Projekt
Die Forschungen erfolgten im Rahmen des SFB/Transregio 146 „Multiskalen-Simulationsmethoden für Systeme der weichen Materie“. Dabei handelt es sich um eine Kooperation der JGU mit der TU Darmstadt und dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Die nun vorgelegte Studie stützt sich einerseits auf Experimente, andererseits wurden Modellierungen auf dem Hochleistungsrechner Mogon II der JGU durchgeführt. Der Studienleiter Thomas Speck war von 2013 bis 2022 Professor am Institut für Physik der JGU und leitet nun das Institut für Theoretische Physik IV an der Universität Stuttgart.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.