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Hydraulik H-CFK macht Hydraulikzylinder um 70 % leichter

| Redakteur: Stefanie Michel

Für die Herstellung von Leichtbau-Stangen und -Rohren hat die Herbert Hänchen drei Technologien entwickelt, die im Carbon-Verbundwerkstoff H-CFK zusammenfließen. Die daraus hergestellten Hydraulikzylinder sind 70 % leichter als Zylinder aus Stahl.

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Hänchen stellt mit dem selbst entwickelten Material H-CFK-Leichtbau-Stangen und -Rohre her.
Hänchen stellt mit dem selbst entwickelten Material H-CFK-Leichtbau-Stangen und -Rohre her.
(Bild: Herbert Hänchen)

Speziell für den Maschinenbau können mit H-CFK Bauteile hergestellt werden, die sich durch eine besonders glatte Oberfläche (Rautiefe 1) und sehr feine Toleranzen (ISO 7) auszeichnen. Das prädestiniert das Material für die Anwendung in Hydraulikzylindern: Hier ist eine glatte Oberfläche gefragt, damit die Dichtungen im Innern gut laufen und nicht abreiben. Die engen Toleranzen sorgen dafür, dass der Kolben nicht zu viel Spiel hat und nicht kippen kann. Durch das geringere Gewicht sind auch schnellere Beschleunigungen möglich und der Energieverbrauch sinkt im Beispiel des Hydraulikzylinders im Betrieb um satte 50 %. Diese technische Leistung würdigte Ende 2018 die Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg, indem sie den Carbon-Verbundwerkstoff H-CFK als „ThinKing“ präsentierte. Mit diesem Label gibt die Leichtbau BW GmbH monatlich innovativen Produkten oder Dienstleistungen im Leichtbau aus Baden-Württemberg eine Plattform

Nach Biegesteifigkeit die Art und Lage der Carbonfasern definieren

Für das Material H-CFK waren laut Klaus Wagner, Bereichsleiter Forschung und Innovation bei der Herbert Hänchen GmbH & Co. KG, drei neue Technologien für die Auslegung des Bauteils, die Verbindung von Materialien und die Behandlung der Oberfläche notwendig: Zum einen Bestand die Herausforderung darin, runde Bauteile herzustellen, die auch in drei Dimensionen hochbelastbar sind. „Dafür haben wir Berechnungsmodelle erforscht und ein geeignetes Produktionsverfahren entwickelt“, sagt Wagner. Nun könne man je nach gewünschter Bauteilfestigkeit und Biegesteifigkeit die Lage, Anzahl und Art der Carbonfasern definieren.

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Zweitens musste eine hochfeste Verbindung zwischen CFK und Metall realisiert werden, beispielsweise für den Kopf des Zylinders. „Für die Krafteinleitung in das Carbonbauteil wird ein Metallstück in einem eigens entwickelten Verfahren bei der Produktion der Stange mit eingebunden. Damit können wir viel höhere Belastungen realisieren als es etwa mit Klebeverbindungen möglich ist“, erklärt Wagner. Drittens sollte die Oberfläche außerdem möglichst resistent gegenüber Verschleiß sein. „CFK ist für eine mechanische Feinbearbeitung nur bedingt geeignet. Daher wird bei der Produktion von H-CFK eine harte, dichte und verschleißfeste Oberfläche eingebracht, die den Carbon-Grundkörper versiegelt“, führt Wagner aus.

Bei Hänchen werden die Leichtbaustangen und -rohre aus Carbon in Wickeltechnik, dem sogenannten Filament-Winding-Verfahren, hergestellt. Daraus entstehen Produkte wie zum Beispiel Schubstangen in Werkzeugmaschine oder Koppelstange in Prüfständen. „Das Einsparungspotential hängt von der Anwendung ab. Vor allem im Maschinenbau können mit Composite-Konzepten wirkliche Erfolge erzielt werden, sofern nicht nur ein etwa Stahlbauteil mit CFK ersetzt wird, sondern indem das Gesamtsystem betrachtet wird“, sagt Wagner.

Siloreinigung mit 7 m langen Stangen geht leicht von der Hand

Für einen Kunden hat Hänchen 6,8 m lange Handlingsstangen hergestellt, die aus zwei Teilen besteht. Diese kommen bei der Reinigung von Silos zum Einsatz, in denen Pulver für die Nahrungsmittelindustrie getrocknet werden. Problem hier: An den Innenwänden der Silos bleiben Pulverrückstände kleben, welche die Arbeiter mit Besen abkehren müssen. „Hier macht es dann einen gewichtigen Unterschied, ob man eine sechs Meter lange Stange aus Stahl oder leichtem Carbon bewegen muss. Unsere Leichtbauvariante wiegt insgesamt nur 1,5 kg“, sagt Wagner. Daher ist die Stange auch in der Handhabung „leichter“ zu handhaben, denn die Hebelkräfte verringern sich durch das niedrigere Gewicht im Vergleich zu Stangen aus anderen Materialien wie Stahl. Am vorderen Ende der Handlingstange ist ein Adapter aus Aluminium eingebracht, mit dem je nach Kundenanforderung verschiedene Endstücke angebracht werden können, beispielsweise ein Besen oder ein Haken.

Außerdem spielte auch das Thema Oberfläche eine wichtige Rolle: Klassischerweise wurden bei der Reinigung Holzstangen verwendet, die jedoch leicht brechen und schwierig zu reinigen sind. Wagner: „Die CFK-Stangen verfügen im Gegensatz dazu über eine versiegelte Oberfläche, wodurch sie für die Verwendung im Nahrungsmittelbereich geeignet sind. Außerdem sind sie auch gegen viele Chemikalien beständig.“

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