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Serie Fachkräftemangel – Teil 3 Hilft Rente mit 70 gegen den Fachkräftemangel?

| Autor: Melanie Krauß

Der VDMA ist sich sicher: Die Rente mit 70 würde die Fachkräftenot entschärfen. Doch schon jetzt liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter unter dem gesetzlich vorgeschriebenen. Was Unternehmen von einer Anpassung erwarten können.

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Ein höheres Renteneintrittsalter würde dazu führen, dass die Fachkräfte den Unternehmen länger zur Verfügung stehen, so die Theorie des VDMA.
Ein höheres Renteneintrittsalter würde dazu führen, dass die Fachkräfte den Unternehmen länger zur Verfügung stehen, so die Theorie des VDMA.
(Bild: © Robert Kneschke)

Bei der Diskussion um die Reform der Rentenversicherung hat sich auch die Bundesbank eingeschaltet. In ihrem Monatsbericht schlägt sie vor, das Renteneintrittsalter langfristig schrittweise auf über 69 Jahre anzuheben. Diesen Vorschlag begrüßt der VDMA. „Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters würde nicht nur den Sozialkassen helfen“, sagt Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Auch die Not der Unternehmen, geeignete Fachkräfte zu finden, würde auf diese Weise gelindert.“ Mit der Einführung der sogenannten Rente mit 63 habe die Bundesregierung erheblich die Fachkräftenachfrage verschärft. Diesen Fehler könne sie mit einer schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 oder 70 Jahre politisch wiedergutmachen.

„Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre würde die Anzahl der Erwerbstätigen erhöhen“, bestätigt Dr.-Ing. Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Ifaa). „In welchem Umfang dieser – zumindest rechnerisch eindeutig bestimmbare – Zuwachs an Erwerbspersonen auch tatsächlich für den Arbeitsmarkt verfügbar wäre und somit dazu beitragen würde, den Fachkräftemangel tatsächlich zu mindern, ist aber offen.“

Der Experte gibt zu bedenken, dass das durchschnittliche Renten­eintrittsalter in den vergangenen Jahren zwar gestiegen sei, jedoch unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter liege. Wie sich diese Abweichung entwickeln würde, wenn sich das Renteneintrittsalter weiter erhöht, sei unbekannt. „Gerade Fachkräfte, die tendenziell besser verdienen, haben im Vergleich zu an- und ungelernten Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, Rentenkürzungen zu kompensieren, wenn sie vorzeitig in Rente gehen“, merkt Lennings an. Der gewünschte Effekt, dass die begehrten Fachkräfte durch die Rente mit 69 länger für die Unternehmen zur Verfügung stehen, stellt sich also nicht automatisch ein.

Von Seniorexperten profitieren

„Ich halte die Rente mit 67 für ein wichtiges Instrument, um beim Thema Fachkräfte besser atmen zu können und nicht einfach die Kompetenzen, die so wichtig sind, in Rente zu schicken“, meint auch Holger Hirsch, Verantwortlicher für den Geschäftsbereich Anlagen- und Maschinenbau beim Personaldienstleister Hays. „Es gibt viele Ingenieure, die einfach Lust haben, noch länger in ihrem Bereich tätig zu sein.“ Aus der Sicht des Experten haben Unternehmen jedoch auch jetzt schon attraktive Möglichkeiten, genau das umzusetzen, beispielsweise in Form von Teilzeitmodellen oder Beratertätigkeiten für ältere Mitarbeiter.

Wie so etwas aussehen kann, zeigen heute bereits Unternehmen wie Daimler, Bosch und ABB. Dort kommen regelmäßig sogenannte Seniorexperten zum Einsatz, Mitarbeiter, die auch im Ruhestand noch befristet für das Unternehmen tätig sind. Sie werden beispielsweise für Mentoring, fachliche Unterstützung bei Produktanläufen oder Qualitätssicherungsaufgaben eingesetzt. Ein Konzept, das sich bewährt hat: „Die Senior­experten sind in Summe ein Erfolgsmodell und helfen natürlich auch, wenn wir Schwierigkeiten haben, die Lücke sofort zu schließen, die entsteht, wenn jemand geht“, sagt Jan-Christoph Schüler, Personalleiter bei ABB Deutschland.

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung