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AMB 2016

Moderates Wachstum

| Autor/ Redakteur: Udo Schnell / Udo Schnell

Die Präzisionswerkzeugbranche ist weiterhin auf Wachstumskurs. Auch beim Personal würde sie gerne aufstocken, gäbe es denn genug Fachkräfte. Industrie 4.0 sehen Experten als Chance.

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Rechnet mit einem Produktionsplus von jeweils 2 % für Zerspanungswerkzeuge und Spannzeuge im AMB-Jahr: Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA.
Rechnet mit einem Produktionsplus von jeweils 2 % für Zerspanungswerkzeuge und Spannzeuge im AMB-Jahr: Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA.
(Bild: Jörg Jäger/Horn)

Die deutsche Präzisionswerkzeuge-Industrie eilt seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Abgesehen vom gesamtwirtschaftlichen Dämpfer 2009 geht es seit Jahren aufwärts. Im vergangenen Jahr legte sie erneut um 3 % auf den Rekordproduktionswert von 9,6 Mrd. Euro zu. Von der AMB erwartet sie einen weiteren Schub und will den Aufwärtstrend moderat fortsetzen.

„Wir gehen davon aus, dass die deutsche Präzisionswerkzeuge-Industrie ihre Produktion insgesamt um rund 4 % steigern wird“, verkündete Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), Anfang des Jahres. Zur Jahresmitte scheint sich seine Prognose zu bestätigen. Allerdings verteilt sich das Wachstum sehr unterschiedlich auf die Teilbranchen. Für die beiden auf der AMB vertretenen Branchen Zerspanwerkzeuge und Spannzeuge gilt nach wie vor ein moderates Wachstum von etwa 2 %. Horn begründet das mit den ebenfalls verhaltenen Erwartungen der wichtigsten Abnehmerbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau. Allerdings: Es wäre wiederum ein Produktionsrekord. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll – trotz zunehmender Automatisierung – im laufenden Jahr noch einmal steigen.

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Eher haben die Unternehmen das Problem, dringend benötigtes Personal zu gewinnen. Markus Heseding, Geschäftsführer des Fachverbands, erklärt: „Die überwiegende Anzahl unserer Mitglieder möchte aktuell Personal aufbauen und findet nicht genügend Fachkräfte. Zudem wird es für die Unternehmen immer schwieriger, ausreichend junge Menschen auszubilden, um weiter wachsen zu können.“ Automatisierung soll also keinesfalls dem Personalabbau Vorschub leisten, sondern lediglich den Mangel wenigstens teilweise kompensieren. Um auch in Zukunft weiterhin international ganz vorne mitzuspielen, würden die deutschen Hersteller zudem weiterhin „einen Großteil ihrer Gewinne kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investieren“. So wollen sie ihren technologischen Vorsprung erhalten und weiter ausbauen. „Wir erwarten auch in diesem Jahr starke Geschäftsimpulse von dieser Messe“, so Heseding abschließend.

Technisch müssen sich die Werkzeughersteller auf Werkstoffe einstellen, die immer anspruchsvoller zu bearbeiten sind. Für Prof. Dr.-Ing. Dirk Biermann, Leiter des Instituts für Spanende Fertigung (ISF) der TU Dortmund, ist dies eine lösbare Aufgabe: „Als wir vor Jahren hochfeste bainitische Stähle für Komponenten für Hochleistungsmotoren mit Turboladern und die Dieseleinspritz-Technik bekamen, war ich anfangs skeptisch, ob wir vor allem das Tiefbohren hinbekommen. Aber wir haben gemeinsam mit Werkzeugpartnern relativ schnell Lösungen gefunden, weil wir mittlerweile über die Details der Schneidkante sehr viel mehr wissen.“ Heute sei es möglich, so der Wissenschaftler, vor dem Beschichten statt einer einfachen Verrundung gezielt eine unsymmetrische Mikrogestaltung zu erzeugen. Gepaart mit einer gut ausgeführten Beschichtung und optimal eingestellten Leisten- und Spanflächen könne man somit die Leistungsfähigkeit der Werkzeuge erheblich steigern.

Den Werkzeugherstellern empfiehlt Biermann, noch einmal intensiv über klassische Bearbeitungsaufgaben neu nachzudenken, und nennt als Beispiel das Helikal-Verfahren „Punch Tap“ von Emuge: „Es ist phänomenal, wie man die Aufgabe Innengewindeherstellung neu gelöst hat und dadurch die Produktivität extrem steigern konnte.“ Ganz neue Chancen würden sich auch durch den Industrie-4.0-Gedanken ergeben. Werkzeughersteller sollten ihre Werkzeuge mit ihrem Verschleißverhalten als Informationsträger über das Prozessgeschehen anbieten. MM

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