Raus aus dem Messraum, rein in die Fertigung

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Messtechnik hat eine hohe Bedeutung für Industrie 4.0

Die intelligente Nutzung von Daten ist – meist unter den Schlagworten Industrie 4.0 und Big Data – eine der Kernaufgaben jedes Unternehmens. Für die Messtechniker also ein „Heimspiel“, ist es doch seit jeher Aufgabe der Messtechnik, Daten zu erfassen, zu analysieren und aufbereitet weiterzugeben. „Natürlich ist Industrie 4.0 auch ein Thema für die Messtechnik, oder besser noch, ohne Messtechnik 4.0 geht Industrie 4.0 nicht und Big Data fehlen wichtige Verknüpfungsinformationen“, meint deshalb auch Keller. Und er hat sogar eine Vorstellung für die Zukunft, für die er annimmt, dass alle Teile irgendwo gemessen werden. Gelinge jetzt eine eindeutige Zuordnung zwischen Messwerten und Teilen und ein übergeordnetes System analysiere diese, könnten die Einzelteile so zusammengestellt werden, dass sich immer optimale Kombinationen ergeben. „Das Nullfehler-System wäre dann Realität“, so Keller. Es gäbe dann kein „Montagsauto“ mehr.

Die hohe Bedeutung der Messtechnik im Kontext von Industrie 4.0 steht auch für Modrich außer Frage: „Die Messtechnik wird zu einem informationstechnischen Basisbaustein in der Smart Factory der Zukunft werden, der eine wesentliche Rolle in der Prozessregelung spielen wird. Als Bindeglied zwischen virtueller Produktionsplanung und tatsächlicher Produktion hat die Messtechnik die Aufgabe, nicht nur Informationen zu erfassen, sondern auch die richtige Information am richtigen Ort bereitzustellen.“ Angesichts dieser Anforderungen sowie durch neue Messtechniken steige aber auch die anfallende Datenmenge. Schon heute produzierten beispielsweise Computertomographen umfangreiche Volumendaten gesamter Werkstücke. Messtechnik-Anbieter werden sich somit überlegen müssen, so Modrich, wie und wo Daten selektiert, gesammelt und weiterverarbeitet werden.

Ein Beispiel für die Entwicklung der Messtechnik hin zu Messtechnik 4.0 ist die Software Saphir QD von Schneider Messtechnik. „Bei der Saphir QD kann man durchaus auch von Messtechnik 4.0 sprechen – in Anlehnung an Industrie 4.0“, erläutert Dr. Wolfram Kleuver, Geschäftsführer des Bad Kreuznacher Unternehmens, „denn das Werkstück bringt sich selbst als Informationsträger mit ein, ganz ohne RFID-Chip.“ Messungen mit Saphir QD seien einfach: Messgerät einschalten und die Software wartet nach wenigen Klicks auf das Teil, das man ohne Ausrichtung innerhalb des Messbereichs auflegen kann. Sobald die Hand aus dem Bildfeld verschwunden ist, läuft die Erkennung des Teils und führt die Messung durch, um anschließend den Bericht inklusive eines grafischen Protokolls als Overlay auf dem Livebild anzuzeigen, mit farblicher Kennung der gemessenen Elemente. Die Bauteile können sogar spiegelverkehrt aufgelegt werden – das Teil wird dennoch erkannt und die Messung durchgeführt. Nicht nur die schnelle Messung stand im Fokus bei der Entwicklung der Software, auch bei der die Programmierung ging man neue Wege: Wenn man ein Teil auflegt und es dafür noch kein Programm gibt, wird auch dabei sofort die Kontur erkannt. Für diese Entwicklung wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr auf der AMB mit dem MM-Award ausgezeichnet.

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