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Serie Fachkräftemangel - Teil 1

Rezession – ist der Fachkräftemangel jetzt gelöst?

| Autor: Melanie Krauß

Ein Drittel der Maschinenbauer sieht im Fachkräftemangel eher ein konjunkturelles als ein strukturelles Problem. Die derzeitige Rezession könnte demnach auch eine Chance für die Branche bieten. Das sagen die Experten dazu.

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Insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau bleiben Stellen häufig länger 
unbesetzt.
Insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau bleiben Stellen häufig länger 
unbesetzt.
(Bild: ©LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com)

In einer aktuellen Hays-Studie berichten 38 % der Führungskräfte über alle Branchen hinweg, dass in ihrem Unternehmen Stellen länger unbesetzt bleiben. Der Maschinen- und Anlagenbau kann das sogar noch toppen, denn hier sind es volle 45 %. Ein Grund zur Panik ist das für die Befragten jedoch nicht. Etwa jeder Dritte (34 %) sieht im derzeitigen Fachkräftemangel eher ein konjunkturelles als ein strukturelles Problem, das wieder abebbt, sobald der Aufschwung nachlässt.

Dieser Punkt ist dem VDMA zufolge bereits erreicht. Der Branchenverband rechnet für das Jahr 2020 mit einem realen Produktionsrückgang von 2 % im Maschinenbau. „Eine baldige, nachhaltige Änderung zum Positiven ist nicht absehbar“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers im September. Geht man nach den Befragten der Hays-Studie könnte diese Entwicklung den Maschinen- und Anlagenbauern in punc­to Fachkräftemangel sogar in die Karten spielen.

„Ich bin da nicht so zuversichtlich, dass eine schwächere konjunkturelle Phase das Problem lösen kann“, sagt jedoch Holger Hirsch, Verantwortlicher für den Hays-Geschäftsbereich Anlagen- und Maschinenbau. „Bei bestimmten Jobprofilen wie Konstrukteuren bemerkt man zwar eine konjunkturelle Abkühlung, dieses Potenzial wird aber von den Unternehmen nicht genutzt, beispielsweise durch strategische Einstellungen.“ Zudem spielt die Konjunktur dem Experten zufolge so gut wie keine Rolle bei bestimmten Berufen, wie etwa bei IT-Spezialisten: „Die Kandidaten haben dann in schlechteren Phasen nicht drei, vier Angebote auf dem Schreibtisch, sondern zwei. In der Regel hat in den letzten zwölf bis 13 Jahren immer der Kandidat entschieden. Das wird in dieser konjunkturellen Abschwungphase nicht anders sein.“

Konjunkturelles, aber auch strukturelles Problem

„Der steigende Fachkräftebedarf ist keinesfalls nur auf eine gute Konjunktur zurückzuführen“, warnt auch Dr.-Ing. Frank Lennings, Leiter des Fachbereichs Unternehmensexzellenz beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaften (ifaa). „Andere strukturelle Faktoren tragen hierzu sicherlich in stärkerem Maße bei, beispielsweise die bisher realisierte Digitalisierung in den Unternehmen und die zunehmend komplexeren Umfeld- und Kundenanforderungen.“ Einen wesentlichen strukturellen Wirkfaktor sieht der Experte zudem im demografischen Wandel: Die Zahl der insgesamt verfügbaren Erwerbspersonen geht zurück. Dadurch reduziere sich wiederum auch die Zahl der Fachkräfte. „Unternehmen, die den Fachkräftemangel als dauerhafte strukturelle Herausforderung sehen, verfügen deshalb langfristig über bessere Voraussetzungen, um ihm zu begegnen“, so Lennings.

Beide Experten sind sich einig, dass Unternehmen sich jetzt nicht zurücklehnen sollten. Wer strategisch denkt, schlägt jetzt zu. Die Rezession ist ein guter Zeitpunkt, sich die begehrten Fachkräfte zu sichern – vorausgesetzt, man geht es vorausschauend an!

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung