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Mechatronik

Was es heißt, digital zu produzieren

| Redakteur: Stefanie Michel

Beim 13. Internationalen Forum Mechatronik am 25. und 26. September 2019 in Cham diskutieren Experten über die Zukunft der Produktion. Zwei der Referenten berichten über ihre Erfahrungen bei der digitalen Vernetzung.

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Zum internationalen Forum Mechatronik sind in diesem Jahr alle Interessenten nach Cham eingeladen.
Zum internationalen Forum Mechatronik sind in diesem Jahr alle Interessenten nach Cham eingeladen.
(Bild: Cluster Mechatronik & Automation Management)

Mechatronik ist eine Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung der Industrie. Als Querschnittstechnologie vernetzt sie die Disziplinen miteinander und bietet gerade in der Produktion viele Chancen, effizienter zu werden. Seit 2005 findet das Internationale Forum Mechatronik in Rotation zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol statt. Die Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region haben sich mit dem Kompetenz-Netzwerk Mechatronik Ostbayern in den letzten Jahren aktiv in die internationale Mechatronik-Szene eingemischt.

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Digitalisierung schafft neue Organisationsmodelle

„Die Digitalisierung geht weit über den Einsatz von neuen Technologien hinaus. Sie erfordert ein komplettes Umdenken und ein neues Gestalten der Business-Prozesse als auch kompletter Geschäftsmodelle“, sagt Paul Mairl, der als Chief Digital Officer bei GKN Sinter Metals in Bruneck in Südtirol beim weltweit größten Hersteller von Präzisionsbauteilen aus Metallpulver die Digitalisierung der Produktion steuert. Mairl sieht dabei neue Organisationsmodelle entstehen. Dank der Datenverfügbarkeit können die Unternehmen über intelligente Datenanalyse bestehende Geschäftsprozesse neu gestalten. „Heute arbeitet man stark mit einem reaktiven Ansatz: Man erkennt und definiert Abweichungen anhand eines vorher festgelegten Plans und definiert dann korrektive Maßnahmen auf Basis dieser Abweichungen. Im Grunde genommen ist man immer etwas zu spät. Die Digitalisierung macht es möglich, vorausschauend in die Prozesse einzugreifen.“ Wer die Digitalisierung umsetzen will, der muss auch in der Lage sein, Prozesse digital zu denken. „Oftmals werden bestehende Prozesse digitalisiert, ohne die Vorteile der Digitalisierung wirklich erkannt zu haben“, beobachtet Mairl. Nicht nur die IT-Mitarbeiter eines Unternehmens sollten dazu in der Lage sein. „Wir als Unternehmen verpflichten uns, ein modernes und digitales Umfeld zu schaffen, in dem jeder Mitarbeiter diese neuen Fähigkeiten als Teil seiner Arbeit lernen kann. Dies betrifft den Umgang mit neuen Technologien und Smart Devices, aber noch viel mehr die Fähigkeit, datengetriebene Entscheidungen zu treffen und daraus Verbesserungspotenzial und Innovationsmöglichkeiten zu erkennen.“ Kreativität, analytisches aber auch soziales Denken und Innovation sind Kernkompetenzen, die die Unternehmen künftig noch mehr brauchen werden.

Zukunft der Produktion: Digital – Vernetzt – Global Das 13. Internationale Forum Mechatronik kommt am 25. und 26. September 2019 nach Cham. Der Jahreskongress versteht sich als europäischer Marktplatz für neue Technologien und vernetzt Experten aus innovativen Unternehmen mit der Wissenschaft. Darüber hinaus kann sich die Start-up-Szene aus dem Bereich Mechatronik potenziellen Investoren aus der Wirtschaft präsentieren. Veranstalter sind die Mechatronik-Cluster aus Österreich, der Schweiz, Südtirol, Tschechien und Bayern.
Die bis zu 300 Teilnehmer erwarten ein abwechslongsreiches Programm, wie eine B2B-Kooperationsbörse, Exkursionen zu Branchen-Unternehmen, renommierte Keynote-Speaker, zahlreiche Best-Practice-Beispiele sowie eine Begleitende Fachausstellung. Ein Bayerisch-Böhmischer Festabend rundet das Programm zum grenzüberschreitenden Event kulturell ab.

Datendurchgängigkeit zwischen PLM und MES

Wie die Digitalisierung in der Elektronikproduktion in den letzten Jahren massiv zu-genommen hat, das beschreibt Alois Mahr, Director Global Engineering bei der Zollner Elektronik AG in Zandt im Landkreis Cham: „Einer der Treiber war die Rückverfolgbarkeit, die sogenannte Traceability.“ Gerade das Management der Lebenszyklen eines Produkts (PLM-Prozesse) müsse durchgängig gedacht werden. Wie das gelingt? Indem verschiedenste Softwarelösungen intelligent miteinander kommunizieren. „Dazu sollten stets die Standardschnittstellen der Systeme genutzt werden. Sonderlösungen ziehen meist zusätzlichen Programmieraufwand und intensive Pflege gerade bei Neuerungen nach sich“, weiß Mahr. Damit PLM-Prozesse von den Daten aus der Produktion profitieren können, müsse der Brückenschlag zur MES-Welt gelingen. MES ist Teil eines Fertigungsmanagementsystems und für die Produktionssteuerung verantwortlich. Es ist direkt an die Betriebsprozesse der Anlagen oder Fertigungslinien angebunden und kontrolliert in Echtzeit alle Prozesse, die eine zeitnahe Auswirkung auf die Produktion haben. Auf Basis der Datenauswertung können Optimierungsmaßnahmen für die Produktlebenszyklen abgeleitet werden. „Nach der Entwicklungsphase beziehungsweise ab Serienstart haben die Produkte eine gewisse Lebensdauer. In dieser Zeit gibt es in der Regel Produktpflegemaßnahmen wie ein Redesign oder Qualitätsverbesserungen. Bei der Umsetzung solcher Maßnahmen sollten die gewonnen Erkenntnisse aus den Produktionsdaten berücksichtigt werden“, erklärt Mahr. Ebenso seien diese Daten bei Neuentwicklung von Nachfolgeprodukten hilfreich.

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