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Wirkung der Russland-Sanktionen fragwürdig

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In einem „High-Risk“-Szenario für die russische Wirtschaft, das unter anderem einen beschränkten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten, niedrigere Auslandsinvestitionszuflüsse und einen Wertverfall des Kreditportfolios der Banken, aber keine Handelssanktionen vorsieht, befürchtet die Weltbank gar eine Schrumpfung

des russischen BIP um 1,8 %.

EU hat Russlands einziges nennenswertes handelspolitisches Projekt torpediert

Trotz der geringen politischen Erfolgsaussichten haben Sanktionen nach den jüngsten Ereignissen dennoch eine wichtige politische Signalwirkung. „Die EU und die USA können nach der Annexion der Krim und dem Abschuss eines Passagierflugzeuges nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, erklärt Yalcin.

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Kritisch zu betrachten sei allerdings auch die Rolle der europäischen Handelspolitik in den vergangenen Jahren. Durch die Assoziierungsabkommen der EU mit Georgien, Moldawien und der Ukraine, die im vergangenen Monat unterzeichnet worden sind, habe die EU Russlands einziges nennenswertes handelspolitisches Projekt, den Ausbau einer regionalen Zollunion auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR, unmöglich gemacht.

Georgien, Moldawien und Ukraine – ökonomisch eher unbedeutend

Für die Ifo-Forscher ist kaum kaum nachvollziehbar, weshalb die EU so geringes Interesse

an einem Freihandelsabkommen mit Russland gezeigt hat. Die „Eastern Partnership“ betrachtet die EU explizit als „Kernziel der Außenpolitik“ (Europäische Union 2009), obwohl

die ökonomische Bedeutung der östlichen Partner verschwindend gering ist.

Das BIP von Georgien, Moldawien und der Ukraine, also der Länder, mit denen die EU nun Freihandelsabkommen unterhält, beträgt zusammen weniger als 10 % des russischen BIP. Dennoch werde Russland von der EU handelspolitisch komplett ignoriert. Noch in den 1990er Jahren habe die EU Russland größere Beachtung geschenkt.

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