Automobil-Leichtbau

75 Jahre Kunststoff-Karosserie

Seite: 2/5

Anbieter zum Thema

Corvette und Thunderbird

Dadurch gelang ausgerechnet General Motors – Fords härtestem Rivalen – die Pionierleistung, mit der Corvette ein echtes Plastikauto in Serienproduktion gehen zu lassen. Als die Corvette im Januar 1953 Weltpremiere feierte, wurde der bis dahin sportlichste Chevrolet aller Zeiten vom Publikum bejubelt.

Endlich hatte Amerika einen eigenen Sportwagen, noch dazu mit der Weltneuheit einer aufregend geformten Fiberglas-Karosserie. Allerdings sollte die Kunststoffkarosserie einer der Auslöser dafür werden, dass aus dem Traumwagen zunächst ein Alptraum wurde – zu aufwändig und langwierig gestaltete sich noch die Produktion des glasfaserverstärkten Kunstharzes.

Problematische Fertigung

Am 30. Juni 1953 liefen in Flint, Michigan, die Corvette-Bänder an. Bis zum Jahresende liefen aber nur 314 Autos vom Band, so problematisch gestaltete sich die Fertigung. Die zweite Hiobsbotschaft für Chevrolet war der katastrophal schlechte Bestelleingang für den nur 112 kW/152 PS starken Sportwagen, dem es am standesgemäßen Achtzylinder fehlte. So konnte Chevrolet im ersten Jahr nicht einmal die Hälfte der Produktion verkaufen. Das Aus für Amerikas Sportwagenhoffnung drohte 1955: Nur knapp 700 Corvettes verließen die neuen Produktionsanlagen in St. Louis, Missouri. Gleichzeitig schickte Ford mit dem Thunderbird seinen ersten zweisitzigen Sportwagen erfolgreich ins Rennen. In nur zehn Tagen verkaufte Ford rund 3.500 Einheiten des Leichtbau-Sportlers – überwiegend mit 156 kW/212 PS starkem V8 und formschönem Hardtop aus modernen Verbundmaterialien.

Sportler und „Duroplast-Bomber“

Die Rettung für die Corvette brachte ein neuer Chefingenieur: Zora Arkus-Duntov, ein früherer Rennfahrer, demonstrierte den GM-Verantwortlichen was dem Fiberglasauto fehlte. Mit einem 145 kW/197 PS starken V8-Triebwerk beschleunigte Duntov die Corvette in Daytona auf eine Höchsgeschwindigkeit von 150 Meilen (241 km/h) und legte damit die Basis für einen erfolgreichen Relaunch des Racers. Konträr dazu verlief das Schicksal des Volvo Sport P 1900. Der Schwede schrieb 1954 Geschichte als erster europäischer Roadster mit Fiberglas-Karosserie. Doch dessen Entwicklung verlief offenbar zu schnell.

Folge der übereilten Volvo-Entwicklung waren massive Qualitätsprobleme, die nach nur 68 produzierten Einheiten das vorzeitige Aus für den P 1900 brachten. Tatsächlich waren es bis Ende der 1950er Jahre vor allem Concepts und Kleinstmobile, die mit Fiberglas Furore machten. Andererseits gab es aber auch atemberaubend gezeichnete Sportler wie den DKW Monza, die Renault Alpine oder den Lotus Elise mit Fiberglas-Monocoque.

(ID:42991481)