Umfrage Automobilzulieferer verabschieden sich vom Verbrenner

Redakteur: Svenja Gelowicz

Die meisten der Zulieferer sind auf dem Weg hin zur Elektromobilität gut vorangekommen. Dafür nehmen viele Mittelständler auch viel Geld in die Hand – bislang zahlen sich die Investitionen jedoch noch kaum aus.

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Der weltgrößte Zulieferer Bosch sieht Elektromobilität als künftiges Kerngeschäft – und ist eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 5 Milliarden Euro in Vorleistung gegangen.
Der weltgrößte Zulieferer Bosch sieht Elektromobilität als künftiges Kerngeschäft – und ist eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 5 Milliarden Euro in Vorleistung gegangen.
(Bild: Bosch)

Mehr als 80 Prozent der Automobilzulieferer sind der Meinung, dass sich die Elektromobilität als Technologiestandard durchsetzen wird. Das ist ein Ergebnis einer Studie vom Branchenverband VDA und der Unternehmensberatung Deloitte. Genauso groß ist der Anteil derjenigen Unternehmen, die ihr Geschäft bereits auf die Elektromobilität ausgerichtet haben. Sie stecken demnach über 30 Prozent ihrer F&E-Budgets in Technik für den E-Antrieb.

Über ein Fünftel der Unternehmen nutzt dafür die Gewinne, die aus dem angestammten Geschäft mit dem Verbrenner stammen. Nur zehn Prozent der Unternehmen sind nach eigenen Angaben vom Antriebswandel nicht betroffen und wollen ihr Geschäft deshalb nicht neu ausrichten. Lediglich fünf Prozent der Zulieferer planen zu gleichen Teilen, sich entweder über Fusionen mit anderen Unternehmen zu konsolidieren oder die Automotive-Branche gänzlich zu verlassen.

Die Strategien der Zulieferer

Laut Deloitte können Automobilzulieferer verschiedene Strategien wählen beziehungsweise kombinieren. Zu den Schrumpfungsstrategien beim Verbrenner gehören ein schneller Marktaustritt, Exit genannt, das Abschöpfen des Markts („Harvest“) oder den Kauf anderer Anbieter, also eine Konsolidierung.

„Die Unternehmen setzen strategisch auf Augenmaß. Ein Großteil verfolgt eine Harvest-Strategie, also einen kontrollierten, langsamen Rückzug aus dem Markt für Verbrennungstechnik bei gleichzeitigem Aufbau des Geschäftsbereichs Elektromobilität“, sagt Harald Proff, Partner und Leiter Automobilindustrie bei Deloitte Deutschland und Global. „Radikalere Strategien wie beispielsweise einen frühzeitigen schnellen Marktaustritt werden dagegen nur von einer Minderheit der Befragten gefahren.“

Die meisten Unternehmen kombinieren die Harvest-Strategie demnach mit der Entwicklung interner Kompetenzen (52 Zulieferer) oder mit einem anschließenden Technologiesprung (19 Zulieferer).

Branche glaubt an Brennstoffzelle und E-Fuels

Von den befragten Zulieferern aus der VDA-Herstellergruppe III glauben dennoch etwa 30 Prozent daran, dass Brennstoffzellen noch ein Antriebsstandard werden könnten. Bei synthetischen Kraftstoffen sind es sogar 40 Prozent.

Auch bei der Frage, bis wann der Verbrenner endgültig abgelöst wird, gehen die Meinungen auseinander. Die meisten rechnen damit nicht mehr innerhalb des laufenden Jahrzehnts, 26 der Unternehmen glauben sogar, dass es erst ab 2040 oder später soweit sein wird.

Wo die Autozulieferer bei der Transformation stehen

Die Studienautoren haben die Transformation für ihre Befragung in verschiedenen Phasen unterteilt, diese Skala hat insgesamt sieben Stufen. Die meisten der Unternehmen haben dabei die Hälfte des Wegs schon hinter sich. Lediglich fünf Prozent der befragten Zulieferer befinden sich vor dem Sprung in ein Geschäftsmodell, das nur auf Elektromobilität basiert. Die Pandemie habe diesen Prozess sogar noch beschleunigt. „Die Unternehmen schreiten bei der Transformation voran. Das bedeutet jedoch gewaltige Investitionen und damit große Herausforderungen – gerade für die mittelständisch geprägte Zuliefererlandschaft“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Viele investieren hier deutlich mehr als sie aktuell daran verdienen können.“

Die Zulieferer selbst nennen als Hürden vor allem zu wenig politisch Unterstützung und fehlende Planungssicherheit. Der steigende Druck in Sachen Nachhaltigkeit, der langsame Ausbau bei erneuerbaren Energien und der Fachkräftemangel kommen hinzu.

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