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Wankelmotor Der Motor im Westentaschenformat

Autor / Redakteur: Barbara Stumpp / Simone Käfer

Der erste moderne Kreiskolbenmotor entstand schon 1923, doch mit dem Wankelmotor und dem Automobilhersteller NSU wurde er berühmt. Danach geriet er ein wenig in Vergessenheit, erlebt nun aber eine Renaissance bei Hybrid- und Elektroautos.

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Dieser Zweischeiben-Wankelmotor ist aus einem RO 80 von NSU. Das Kammervolumen des Motors betrug 995 cm³, er leistete 130 PS und schaffte 180 km/h.
Dieser Zweischeiben-Wankelmotor ist aus einem RO 80 von NSU. Das Kammervolumen des Motors betrug 995 cm³, er leistete 130 PS und schaffte 180 km/h.
(Bild: Audi)

Ein rotierender Kolben, der die Antriebswelle direkt dreht, sollte den Energieverlust mit einem gängigen Hubkolbenantrieb ablösen. Schon 1588 entwarf der italienische Ingenieur Ramelli eine wasserbetriebene Maschine nach dem Drehkolbenprinzip. Knapp 200 Jahre später zeichnete James Watt eine Umlaufkolben-Dampfmaschine. William Murdoch modifizierte sie Ende des 18. Jahrhunderts und trieb damit Bohrmaschinen und Drehbänke in seiner Werkstatt an.

Kreiskolbenmotor leichter als Hubkolbenmotor

Die erste moderne Kreiskolbenmaschine entwickelte Wallinder & Skoog 1923. Diese Version hatte einen fünfeckigen Läufer. Aber das zentrale Problem mit den Abdichtungen löste Felix Wankel erst mehr als 20 Jahre später und ließ sich im Herbst 1956 den Wankelmotor patentieren.

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Der Kreiskolbenmotor braucht im Vergleich mit dem Hubkolbenmotor weder Pleuel, Einlass- oder Auslassventile noch eine Nockenwelle mit ihren Stößeln oder Stößelstangen. Das macht ihn leichter, kompakter, beschert ihm einen außerordentlich ruhigen Motorlauf und Treibstoff geringerer Oktanzahl reicht völlig aus.

1957: Das Rennen Wankel gegen Paschke

Einige Versuche waren nötig, doch im Februar 1957 lief die Drehkolbenmaschine DKM 54 von Felix Wankel endlich. Bei dieser Version drehen sich Kammer (Außenläufer) und Innenläufer. Kraftabgebendes Element ist aber der Außenläufer. Im selben Jahr begann der NSU-Ingenieur Hanns-Dieter Paschke mit einer einfacher aufgebauten Kreiskolbenmaschine (KKM) zu arbeiten, allerdings strikt geheim gehalten vor Wankel. Als dieser davon erfuhr, schimpfte er, dass sie sein Rennpferd zum Ackergaul gemacht hätten. Worauf man seitens NSU konterte: „Hätten wir wenigstens schon den Ackergaul!” Am 7. Juli 1958 lief mit dem KKM 57P zum ersten Mal ein Kreiskolbenmotor. Doch von den Laufflächen platzten Chromschichten ab. Häufige Motorausfälle waren die Folge. Die Lösung des Problems waren leichtere Sinter-Kohledichtleisten.

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