Der macht jetzt die Biege! Eine Roboterzelle revolutioniert das Blechbiegen

Redakteur: Peter Königsreuther

Eine von Litauen geführte Partnerschaft hat die weltweit erste standardisierte Roboterzelle für das Blechbiegen entwickelt. Eine eine Innovation, die mehr Flexibilität bringt – trotz Fachkräftemangel.

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Erstmals gelingt das Blechbiegen in einer Roboterzelle! Mit dem leicht bedienbaren Robobend machen sich Blechverarbeiter unabhängiger vom Fachkräftemangel und von unflexiblen Einzweckmaschinen für die Umformung. In maximal 3 Minuten seien auch komplexe Teile in Form.
Erstmals gelingt das Blechbiegen in einer Roboterzelle! Mit dem leicht bedienbaren Robobend machen sich Blechverarbeiter unabhängiger vom Fachkräftemangel und von unflexiblen Einzweckmaschinen für die Umformung. In maximal 3 Minuten seien auch komplexe Teile in Form.
(Bild: Robobend)

Gebogene Blechteile in Dick und Dünn werden praktisch überall benötigt. Doch die derzeitigen Fertigungsverfahren basieren auf teuren Einzweckmaschinen, die sich nicht nur schwer an andere Anforderungen anpassen lassen, sagt Thomas Ronlev, Roboterspezialist bei Factobotics und Mitbegründer von Robobend Aps. Genau das ist der Vorteil des Robobend: Er kann so programmiert werden kann, dass damit eine breite Palette von Produkten herstellbar ist. Der Roboter kann in bestehende Produktionslinien integriert werden und ist mit allen vorhandenen Abkantpressen kompatibel. heißt es weiter. Die Biegezeit hänge von der Schwierigkeit des herzustellenden Teils ab und reiche von einer Minute für einfache Teile und zwischen 2 bis 3 Minuten für anspruchsvollere Komponenten.

Nach einer Investition von fast 1 Million Euro konnte Robobend im letzten Jahr seinen ersten standardisierten Roboter für das Unternehmen Tool Denmark A/S installieren. Seitdem habe man diverse Aufträge aus der Automobil- und Bauindustrie, dem Lebensmittelsektor und anderen Branchen erhalten.

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Millionen unbesetzter Arbeitsplätze machen Roboter nötig

Mit 150.000 bis 200.000 Abkantpressen, die derzeit in Betrieb sind, gilt Deutschland als riesiger Markt für Robobend. Erste Anfragen von deutschen Unternehmen und Vertriebspartnern gebe es schon. Deutschland ist für Ronlev von entscheidender Bedeutung, weil das Land einen großen Vorsprung in der Fertigung hat und ein großes Interesse daran besteht, die Nase vorn zu behalten. Deutsche Unternehmen setzen nicht zuletzt in Zeiten des Fachkräftemangels deshalb auf die Unterstützung durch Robotersysteme.

Und in der Tat sind qualifizierte Arbeitskräfte in ganz Europa ein großes Problem: Das Portal Skills Panorama der Europäischen Kommission prognostiziert bis 2030 rund 2,7 Millionen unbesetzte Stellen im Maschinenbau in der EU. Qualifizierte Arbeitskräfte, ist Ronlev überzeugt, sind zwar für den Erfolg von entscheidender Bedeutung, aber die kommenden Generationen entscheiden sich lieber für andere Berufe.

Keine Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Roboter

Ronlev und sein Kollege Justinas Katkus, Mitbegründer und Leiter des Produktdesigns bei Factobotics, weisen dabei darauf hin, dass die Automatisierung keine Bedrohung für Arbeitsplätze darstellt, sondern den Wert von Fachkräften erhöht. Der Grund: Roboter helfen, Arbeitsplätze zu erhalten. Denn durch sie könnten die Fabriken die gleiche oder eine höhere Kapazität beibehalten. Und das bedeutet, dass das Geld in Europa bleibt! Und zwar in Form von Arbeitsplätzen, Löhnen, Lieferketten und Investitionen.

Und angesichts der Covid-19-Pandemie, die die globalen Lieferketten zu Zerreißen gespannt hält, erkennen die Hersteller auch, dass sie sich nicht mehr auf Zulieferer an weit entfernten Standorten wie China verlassen können. Weil Roboter aber immer leistungsfähiger, billiger und einfacher zu implementieren seien, kehrten die Unternehmen den Prozess des Offshoring um, damit die Produktion näher an den Standort rücken kann. Das stabilisiert ihre Lieferketten.

So könnten die Zukunft der Roboter aussehen

Die Robotik hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht, führt Ronlev weiter aus. Roboter der nächsten Generation, zu denen auch der Robobend (hier ein Video) zähle, sind nun intelligenter, einfacher zu programmieren und zu bedienen. Sie können problemlos in bestehende Produktionsprozesse integriert werden, ohne dass die gesamte Produktionslinie neu geplant werden muss. Außerdem erfordert die Robotisierung nicht mehr die gleichen hohen Anfangsinvestitionen. Und auch das, wie es heißt, immer beliebter werdende Geschäftsmodell „Robots as a Service“ (RaaS) ermöglicht es Unternehmen, Roboter zu leasen statt zu kaufen. Das macht Roboter auch für kleinere Unternehmen mit geringen Stückzahlen zu einer attraktiven Option.

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