Werkstoffe Glasfaserbeton als Alternative zu Kunststoff und Stahl

Autor / Redakteur: Bernhard Kuttkat / Claudia Otto

Ventilatorgehäuse bestehen standardmäßig aus Kunststoff oder Stahl. Jetzt soll ein neu konstruiertes und gefertigtes Gehäusematerial aus glasfaserverstärktem Beton diese ersetzen. Die Vorteile liegen im kostengünstigeren Material und in der energieeffizienteren Produktion aus heimischen Rohstoffen.

Anbieter zum Thema

Die Serienreife für eine Baureihe von Ventilatoren mit glasfaserverstärktem Gehäuse ist für Ende 2013 geplant.
Die Serienreife für eine Baureihe von Ventilatoren mit glasfaserverstärktem Gehäuse ist für Ende 2013 geplant.
(Bild: Hürner-Funken)

Baustoffe durch Fasern zu verstärken, ist keine neue Idee. Bereits bei Tonziegeln von ägyptischen Bauwerken wurden Strohhalme oder Haare zur Verbesserung der Eigenschaften zugesetzt. In neuer Zeit hat sich die Idee bereits bei anderen Werkstoffen bewährt. Faserbeton enthält eine Beimischung aus Stahl-, Glas- oder Kunststofffasern. Die Fasern können bestimmte mechanische Eigenschaften des Betons verbessern, beispielsweise die Zugfestigkeit, Schlagfestigkeit oder Verformbarkeit. Von Glasfaserbeton spricht man bei einem Glasfaseranteil von 2,5 bis 5 Vol.-%.

Neues Material spart Kosten und erlaubt höhere Temperaturen

Dort übernehmen die Glasfasern die Funktion der Bewehrung. Weil die Glasfaser nicht rostet, ist für Bauteile aus Glasfaserbeton, die keine weitere metallische Bewehrung enthalten, keine Mindestbetondeckung erforderlich. Die Mindestdicke kann so bis auf wenige Millimeter reduziert werden. Damit können äußerst filigrane Formen hergestellt werden. Mit Glasfaser entsteht beispielsweise eine extrem dünne Platte von 8 bis 13 mm, die sehr leicht und zugleich biegefest ist.

Was sich bereits im Fassadenbau, Mauerwerksbau, bei Bedachungs- und Brandschutzplatten sowie bei Verkleidungen bewährt hat, soll nun im Ventilatorenbau Einzug halten. „Ziel dieses Projektes 'glasfaserverstärkte Ventilatorgehäuse' ist es, die standardmäßig verwendeten Ventilatorgehäusematerialien Kunststoff beziehungsweise Stahl durch ein völlig neu konstruiertes und gefertigtes Gehäusematerial aus glasfaserverstärktem Beton zu ersetzen“, erklärt Dr. Hermann Mauch, Geschäftsführer der Hürner-Funken GmbH in Mücke-Atzenhain, Hersteller von Industrie- und Laborkunststoffventilatoren.

Die Entwicklung entstand aus der Idee, von den Rohstoffen wie Öl aus dem Ausland am Standort Deutschland unabhängiger zu sein, erinnert sich Mauch: „Gleichzeitig suchten wir nach Werkstoffen, die bei höheren Anwendungstemperaturen Vorteile gegenüber den Standardkunststoffen besitzen.“ Er fügt hinzu: „Der Anwender hat durch das verwendete neue Material einen Kostenvorteil und es sind auch höhere Anwendungstemperaturen gegenüber den Standardkunststoffen möglich.“ Das Projekt wird seit Mitte 2011 vom Land Hessen und der EU gefördert.

40 % Fördermittel von einem Projektvolumen von 1 Mio. Euro

Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hürner-Funken GmbH, Mücke-Atzenhain, mit dem Fachbereich Maschinenbau der Technischen Hochschule Mittelhessen THM, Gießen, und der German Technologies and Engineering Conceptz G-Tecz GbR, Kassel. Das Gesamtprojektvolumen beträgt rund 1 Mio. Euro, wobei die Projektteilnehmer im Schnitt 40 % Fördermittel erhalten.

(ID:39143850)