Verschärftes Lebensmittelrecht

Maschinenbauer für Lebensmittelbranche müssen sich bei Kunststoffen neu orientieren

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Änderungen im Produktionsablauf wegen Anpassung an GMP-Richtlinien

Wie die separate Lagerung, Handhabung und Etikettierung verursacht auch die Rückverfolgbarkeit Kosten. Außerdem wurden Änderungen im Produktionsablauf vorgenommen. Grund dafür war die Anpassung der Qualitätssicherung an die GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice) für Produkte mit Lebensmittelkontakt. Unter Good Manufacturing Practice versteht man Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung für Arzneimittel und Wirkstoffe, aber auch bei Kosmetika, Lebensmitteln und Tierfuttermitteln.

Die Standard-Industriekunststoffe müssen nicht lebensmittelkonform nach der EU-Verordnung sein. Sie müssen nicht das gesamte Procedere durchlaufen. Die Rückverfolgbarkeit der einzelnen Kunststoffchargen bis zu den Rohstoffen entfällt und damit auch das Kürzel FS am Ende des Produktnamens. Allerdings bleibt die FDA-Konformität erhalten. An der lebensmittelrechtlichen Zulassung für die Märkte außerhalb der Europäischen Union hat sich daher bislang nichts geändert.

Unproblematischer Kunststoffwechsel bei der nächsten Anlageninspektion

Für die Maschinenhersteller und -anwender, die bereits seit Jahren Kunststoffe von Murtfeldt Kunststoffe für Anwendungen im Lebensmittelbereich erhalten, ist der Übergang zur EU-verordnungskonformen Kunststofffamilie fließend. So erhält die Sektkellerei Schloss Wachenheim bei Neustadt an der Weinstraße den „neuen“ Originalwerkstoff „S“ plus+ AB [FS] für die Flaschenaufnahmebacken des Rinsers bei der nächsten routinemäßigen Anlageninspektion (Bild 4). Denn vom Kunststoffwechsel bleiben die bewährten Funktionseigenschaften wie antibakterielle Wirkung, Chemikalienbeständigkeit und Verschleißfestigkeit unberührt. Sie können in der gewohnt hohen Qualität gewährleistet werden.

In der Lebensmittel- und Genussmittelindustrie werden als Rinser Reinigungs- und Entkeimungsanlagen bezeichnet, die Glasflaschen partikelfrei ausspülen und sterilisieren. Dazu greifen die Aufnahmebacken aus dem Werkstoff „S“ plus+ AB die zu säubernden Flaschen und transportieren sie durch den Rinser. Die antibakterielle Wirkung der Kunststoffgreifer ist eine unabdingbare Notwendigkeit. Ohne sie besteht die Gefahr, dass nach der Sterilisation doch noch Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze in die Flaschen gelangen, die das Produkt schädigen und daher ein Gesundheitsrisiko darstellen. In der Sektkellerei des Schlosses Wachenheim hat daher die Hygiene oberste Priorität. Mit weltweit mehr als 1200 Mitarbeitern gehört das Haus zu den international führenden Herstellern von Sekt und Schaumwein.

Umfassendes Eigenschaftsprofil über antimikrobielle Merkmale hinaus

Der Greiferwerkstoff enthält spezielle Substanzen, die das Wachstum von Bakterien und anderen Mikroben verhindern. So wird sowohl das Entstehen von unangenehmen Gerüchen als auch die Bildung von Biofilm unterbunden. Zudem hat der Kunststoff eine hohe Abriebfestigkeit, eine gute Chemikalienbeständigkeit und zeigt keine Feuchtigkeitsaufnahme. Das sind Funktionseigenschaften, die für Greiferwerkstoffe bei Rinsern auf Schloss Wachenheim eine große Rolle spielen.

* Ralf Schmitt-Kling ist Produktmanager im Bereich Lebensmittelindustrie bei der Murtfeldt Kunststoffe GmbH & Co. KG in 44309 Dortmund

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