120 Jahre MM

„Meilensteine der Industrie“ – MM würdigt Spitzeninnovationen

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Nicht alle MM-Champions kommen aus Deutschland

Mit kritischer Sympathie begleitet der „Maschinenmarkt“ seither diesen innovativen Wirtschaftszweig, der die Globalisierung nicht nur „mitgemacht“, sondern aktiv vorangetrieben hat. Genau das feiert der „MM Maschinenmarkt“ im eigenen 120. Jubeljahr mit einer crossmedialen Serie „Meilensteine der Industrie“. Meilensteine sind für die MM-Redaktion: wegweisende Entwicklungsschritte oder Weiterentwicklungen in der Industrie. Dabei kann es sich um technische, prozessurale, logistische oder vertriebliche Innovationen handeln, die 120 Jahre Industriegeschichte mitgeprägt haben.

Zwölf unserer „Champions“, keineswegs nur aus Deutschland, stehen mit ihrem Namen für diese Meilensteine. Milliardenschwere Branchenriesen wie Trumpf, DMG Mori Seiki oder ABB sind ebenso dabei wie kleinere Firmen, auf die schon eher der Begriff „Hidden Champion“ passen würde. Faro beispielsweise, ein US-Unternehmen, das mit seinen Messarmen die Koordinatenmesstechnik mobil gemacht hat. Diese und die anderen Erfolgsgeschichten unserer Serie zeigen, was den Maschinen- und Anlagenbau ausmacht: fortwährendes Tüfteln, Verbessern und Optimieren – und ab und zu auch mal ein Geistesblitz.

Diesen hatte der junge schwedische Ingenieur Sven Wingquist zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sein Frust über die Unzuverlässigkeit der von ihm zu betreuenden Spinnmaschinen sollte zum Nährboden eines wahren Geniestreichs werden. In seiner Freizeit entwickelte der Ingenieur mit dem zweireihigen Pendelkugellager ein revolutionäres Produkt, das nicht nur in der Textilbranche für einen Produktivitätsschub sorgte, sondern auch in vielen anderen Bereichen der Industrie. Das Resultat seiner nächtlichen Tüfteleien beeindruckte in der Firma derart, dass er 1907 mit seinem Arbeitgeber als Sponsor die Aktiebolaget Svenska Kullagerfabrik (SKF) gründete und erster Geschäftsführer dieses Start-ups wurde.

Ein Geistesblitz revolutioniert die Wälzlagertechnik

Das von Wingquist entwickelte winkelbewegliche Lager– ein zweireihiges Pendelkugellager mit einer gemeinsamen sphärischen Laufbahn im Außenring, auf der beide Kugelreihen laufen – konnte sich selbst ausrichten, was in Zeiten lehmiger und instabiler Böden einen entscheidenden Vorteil hatte. Denn durch die freie Ausrichtung des inneren Rings bezüglich des äußeren löste das neue Lager das Kardinalproblem seines „starren“ Ahnen. Denn dieses musste manuell eingestellt werden und überhitzte bei der geringsten Fehlausrichtung.

Anschwellende Orderbücher bewiesen, dass der schwedische Ingenieur richtig lag. Und weil in seiner Brust zwei Herzen schlugen – das des Erfinders und das des Verkäufers –, wartete er nicht darauf, dass die Welt zu ihm kam, sondern ging selbst auf Verkaufstour. Neue Märkte zu erschließen, wurde schnell zum SKF-Erfolgsrezept. Ein weiterer Pluspunkt von Wingquists Geniestreich: Das Pendelkugellager setzte auch in puncto Energieeffizienz Maßstäbe – ein Aspekt, der in dem 2005 etablierten „Beyond-Zero-Portfolio“ wieder aufscheint. Die Reduktion von CO2-Emissionen steht im Zentrum dieses SKF-Umweltkonzepts. So gesehen war Kugellagerpionier Wingquist sogar ein (verfrühter) Ökopionier.

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