Energiewende im Mittelstand

Ökoenergie auf dem Weg in die Unternehmen

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Bereits zuvor hatte die Paderborner Brauerei, die mit 93 Mitarbeitern etwa 900.000 hl Bier pro Jahr braut und seit 1990 zur Warsteiner-Gruppe gehört, ihre umweltbewusste und energiesparende Ausrichtung durch eine Kooperation mit dem in der Nachbarschaft liegenden Bauernhof des Landwirts Hubert Franke unter Beweis gestellt. Der landwirtschaftliche Betrieb produziert neben Getreide, Vieh und Milch auch Biomasse zur Energiegewinnung und unterhält ein eigenes Blockheizkraftwerk, das mit Biogas betrieben wird. Die bei der Biogasverbrennung anfallende Abwärme wird in Form von Heißwasser an die Paderborner Brauerei verkauft, die damit 20 % ihres jährlichen Wärmebedarfs von etwa 20 Mio. kWh abdeckt und in der Lage ist, einen Teil des ansonsten aus Erdgas erzeugten Wasserdampfes zu substituieren und dadurch ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Und Technikgeschäftsführer Hans Jürgen Ludwig hat bereits das nächste Projekt zur Effizienzsteigerung der Paderborner Brauerei im Auge: Geplant ist ein Hackschnitzelkraftwerk auf dem Brauereigelände, um den Einsatz von Erdgas zur Dampfproduktion durch die Verbrennung naturbelassener Resthölzer aus umliegenden Forsten zu ersetzen.

Dass Solarthermie nicht nur für Privathaushalte interessant und lukrativ ist, sondern auch für die heimische Industrie, zeigt das Beispiel der Firma Steinbach & Vollmann in Heiligenhaus. Das Unternehmen nutzt in großem Stil Solarthermie zur Erhitzung seiner galvanischen Bäder.

Solarthermie senkt den Gasverbrauch deutlich

Die Kombination von Gas und Sonne, zusammen mit einer energetischen Gebäudesanierung, bescherte Steinbach & Vollmann eine Einsparung des Gasverbrauchs von 35 bis 40 %. Zudem verringerte sich die CO2-Emission um 20 t pro Jahr. Laut Untersuchungen der Universität Kassel liegen über 20 % des industriellen Wärmebedarfs in Deutschland im Temperaturbereich unter 100 °C und könnten durch solarthermische Kollektoren bereitgestellt werden, wie die Energieagentur NRW berichtet. Derzeit liege die installierte Leistung deutschlandweit bei rund 16 TWh pro Jahr, das Potenzial werde auf rund 25 GW thermal geschätzt.

Steinbach & Vollmann versorgt seine Galvanikbäder sowie Heizung und Warmwasser aus den Erträgen einer 400 m² großen solarthermischen Anlage – installiert auf dem Flachdach des Gebäudes. „Die Anlage mit einer Leistung von 160 kW zählt noch immer zu den größten ihrer Art in Deutschland. Galvanischen Betrieben gemeinsam ist der relativ hohe Energieverbrauch durch die Erzeugung von Prozesswärme“, erläutert Gerd Marx von der Energieagentur NRW, die das Unternehmen zur Sonnenenergienutzung beraten hat.

Steinbach & Vollmann übernimmt seine Vorreiterrolle aus Überzeugung. „Die Entscheidung zu Gunsten einer Solaranlage kann nicht ausschließlich unter dem Aspekt einer mittelfristigen Amortisation erfolgen. Technische Neugier und eine gewaltige Portion Idealismus sind ebenso eine unbedingte Voraussetzung“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Finger. Ein weiterer entscheidender Vorteil sei auch die Planungssicherheit.

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