Ressourceneffizienz

Photovoltaik-Produktion muss „grüner“ werden

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Auch bei der Dünnschichtproduktion benötigen Hersteller reichlich Energie und Chemie. CIS- oder CdTe-Module werden bei hohen Temperaturen in langen Prozessen aus Kupfer, Indium, toxischem Selen, Cadmium und Schwefelwasserstoff oder Cadmium-Tellurid gefertigt. Beim Dünnschichtsilizium reinigen die Hersteller ihre Kammern bislang mit NF3.

Doch so vorsichtig sie dabei auch agieren – ganz können sie das Treibhausgas nicht am Entfleuchen hindern. „17 Prozent gelangen während seines Produktlebenszyklus’ in die Atmosphäre“, erläutert Linde-Manager Weisheit. Die Nachfrage der PV nach Lindes Fluor-Generatoren steige deshalb.

Zulieferer mit sauberen Techniken

Die Solarhersteller können noch viel mehr tun, als ihren Gasanbieter zu wechseln. Die Zulieferer bieten ihnen diverse Möglichkeiten, ihre Fertigung auf eine grüne Basis zu stellen. Modernste Produktionsmaschinen steigern die Ausbeute bei sinkenden Verbrauchswerten. So offerieren Anbieter von Equipment zur Dünnschichtproduktion wie Applied Materials oder Von Ardenne Maschinen, die das Absorbermaterial schneller auf größeren Flächen auftragen.

Auf den kristallinen Bereich spezialisierte Maschinenbauer wie Schmid liefern Anlagen, die dünnere Siliziumwafer verarbeiten können. Auch immer mehr Recycling-Spezialisten bieten der PV ihre Dienste an. So offeriert die italienische Firma Saita Zellenfabrikanten neuerdings ein System, das 96% des Prozesswassers aufbereitet und es im Kreislauf zirkulieren lässt. Dadurch werde der Frischwasserbedarf der Zellenfertigung auf ein Fünfundzwanzigstel reduziert, erklärt Marketingmanager Carlo Enrico Martini. Außerdem gelange dank des Recyclings kein Abwasser in die Kanalisation.

Greenfab für 1 GW Solarleistung erzeugt Energie selbst

Der Berliner Fabrikplaner ib vogt legt noch eine Schippe drauf: Er hat eine sogenannte „Greenfab“ entwickelt, die ökologisch gebaut und betrieben wird. Bis zu einem GW Solarleistung kann dort hergestellt werden. Die nötige Energie, erklärt Projektmanager Lino Garcia, erzeugen Solar- oder Erdwärmeanlagen vor Ort.

Abwärme dient zum Heizen und Kühlen. Weniger Schmutzwasser gelangt in die Kanalisation, da ein Großteil wiedergewonnen wird. Integrierte Logistik- und Transportkonzepte verkürzen Wege und steigern zusätzlich die Energieeffizienz. So kann die Solarindustrie mit der Greenfab mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: große Mengen PV-Technik effizient und sauber fertigen.

Solarpeq 2010 präsentiert „grüne“ Konzepte für die Solarindustrie

Einige ihrer grünen Innovationen und Ansätze werden die Zulieferer vom 28. September bis 1. Oktober 2010 Fachmesse für solare Produktionstechnik, solarpeq, in Düsseldorf zeigen. Die parallel stattfindende glasstec präsentiert als Weltleitmesse der Glasindustrie entsprechende Lösungen im Bereich Solarglas.

Doch so groß die Vorteile einer grünen Produktion sind – der Öko-Durchbruch kommt allmählich, nicht plötzlich. Obwohl bereits vor drei Jahren entwickelt, hat ib vogt laut Garcia noch keine einzige komplette Greenfab verkauft, sondern immer nur einzelne, ökologisch besonders kritische Bestandteile der Fertigung, etwa Konzepte fürs Abwasserrecycling. „Die PV ist im Gegensatz zur Chipindustrie noch nicht tief ins Green Manufacturing eingestiegen“, sagt Carlos Lee vom Halbleiterverband SEMI.

Grün kommt in Dosen

Doch was hemmt den Durchbruch von Triple Green in der Solarbranche? Ein entscheidender Aspekt sind die hohen Investitionskosten für eine nachhaltige Produktion. So sei eine Greenfab mit einem GW Kapazität „sicherlich etwas teurer“ als eine normale GW-Fabrik, erklärt Garcia. Durch Energie- und Rohstoffersparnisse mache sich eine Investition zwar bezahlt, wann genau, sei aber von Fall zu Fall unterschiedlich.

Wichtig ist jedoch: Wer viele Millionen Euro investiert, muss den Zeitpunkt für den Return on Investment kennen. Nach zehn Jahren käme dieser wahrscheinlich zu spät, da bei dem hohen Innovationstempo der PV Fab-Design und -Interieur wohl längst veraltet wären. Das grüne Werk wäre also abrissreif, bevor es Gewinn abwirft.

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