Exklusive Reportage Resiliente Weihnachtsproduktion trotzt Covid-19

Redakteur: M. A. Benedikt Hofmann

Beim Very Hidden Champion „Christkind und Weihnachtsmann GmbH” konnte die Produktion auch in Zeiten der Coronapandemie gesichert werden. Gleichzeitig bemüht man sich (schon aus Eigenschutz) um mehr Nachhaltigkeit.

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Digitalisierung verhalf der Christkind und Weihnachtsmann GmbH zu mehr Resilienz in der Produktion. Wie man sieht, erfreuen sich auch die Unternehmensgründer an den neuen Möglichkeiten.
Digitalisierung verhalf der Christkind und Weihnachtsmann GmbH zu mehr Resilienz in der Produktion. Wie man sieht, erfreuen sich auch die Unternehmensgründer an den neuen Möglichkeiten.
(Bild: ©rexandpan - stock.adobe.com)

Man sieht Emma Elfina nicht an, wie viel Kraft die letzten Monate gekostet haben müssen. Zwar lebt sie weit entfernt von allen Corona-Hotspots, aber dennoch ist die Pandemie auch an ihr und ihrem Team nicht spurlos vorüber gegangen. Elfina ist Produktionsleiterin der Christkind und Weihnachtsmann GmbH (CUW) im Stammwerk am Nordpol. Das Unternehmen ist ein sogenannter „Very Hidden Champion“ und trotz seiner weltweiten Marktführerschaft kaum zu finden. Wie wichtig die CUW aber für die globale Befindlichkeit ist, zeigt sich schlagartig, wenn es bei den Experten für Geschenke und Feel-Good-Moments mal nicht so läuft. „Wir haben mit einer ganzen Reihe angesehener Forscher die unterschiedlichsten Szenarien durchgespielt. Uns war wichtig zu sehen, was passiert, sollte uns das Corona-Virus tatsächlich dazu zwingen, das Werk hier vorübergehend zu schließen“, berichtet Elfina. „Die Ergebnisse waren gelinde gesagt schockierend. Weinende Kinder, verzweifelte Erwachsene, das kann man sich nicht vorstellen. Daher haben unsere beiden Gründer entschieden, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Schließung des Werks zu verhindern.“ Und der Ausdruck in Elfinas Augen zeigt, diese Worte wurden ihr nicht vom Marketing beigebracht. In ihren Augen sieht man Demut vor der großen Bedeutung, die die Produkte ihres Unternehmens für viele Menschen haben, und Sorge vor dem, was kommen könnte, wenn sie nicht für die Auswirkungen der Pandemie bereit sind.

Die Produktionsexperten am Nordpol haben sich also zusammengesetzt und Pläne geschmiedet, wie sie die Produktion sichern können. Dabei fiel schnell das Stichwort Resilienz und Elfina und ihr Team begannen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. „Ich muss zugeben, die Digitalisierung war in unserem Unternehmen noch nicht so weit fortgeschritten, wie man es bei einem so innovativen Unternehmen erwarten sollte,“ so die Produktionsleiterin. „Die Krise wurde aber zu einem richtigen Treiber und wir begannen das aufzuholen, was wir in der Vergangenheit versäumt hatten.“ Das war auch besonders wichtig, denn egal mit welchen Experten CUW sprach, alle nannten die Digitalisierung als eine der wichtigsten Grundlagen auf dem Weg zur resilienten Produktion.

Beim Gang durch eine der Produktionshallen fällt Elfinas Blick auf die Steuerung einer der Werkzeugmaschinen. „Der erste und gleichzeitig einer der umfangreichsten Punkte auf unserer Agenda war daher natürlich die Vernetzung unserer Maschinen“, erklärt sie, während sie sich wie zum Beweis auf dem Tablet, das sie immer bei sich hat, durch einige Dashboards klickt. „Glücklicherweise gibt es mittlerweile Lösungen, die dabei sehr hilfreich sind. Wir setzen hier am Standort beispielsweise voll auf Umati.“ Die auf dem Standard OPC UA basierende Marke Umati bezeichnen die Initiatoren bei den Verbänden VDMA und VDW als Weltsprache der Produktion und wie man sieht, bis zum Nordpol hat es die Maschinensprache schon geschafft.

Die Maschinen zu vernetzen war aber nur ein Teil des Projekts „Aufholjagd Digitalisierung“. Auch für die Mitarbeiter mussten Möglichkeiten geschaffen werden, remote zu arbeiten. Die relativ leeren Büros, beispielsweise in der Verwaltung oder der Konstruktion zeigen, dass die IT-Verantwortlichen diese Mammutaufgabe erfolgreich bewältigt haben. Elfina zufolge war einer der Gründe dafür, dass sie sich zu jeder Zeit der möglichen Probleme bewusst waren und die Anforderungen der Mitarbeiter immer im Blick hatten. Apropos die Mitarbeiter: Diese nahmen die Möglichkeit vermehrt von zu Hause oder einem beliebigen anderen Ort aus arbeiten zu können gerne auf und machen davon seither rege Gebrauch – ohne dass die Produktivität darunter gelitten hätte, wie einige zu Beginn befürchteten.

Auch digitale Viren sind eine Bedrohung

Aber ganz ohne Sorgen lässt die Digitalisierungsoffensive das Management bei CUW dennoch nicht zurück. Denn nicht nur biologische Viren bedrohen die Produktion im Unternehmen, sondern auch die digitalen. Und auch im Bereich der Cybersecurity mussten sich die Experten bei CUW einigen Versäumnissen aus der Vergangenheit stellen. An dieser Stelle stößt Walter Wichtel zu uns. Wichtel, ein Mann von für Weihnachtselfen außerordentlicher Körpergröße und Statur, ist Chief Information Officer bei der Christkind und Weihnachtsmann GmbH. „Ehrlich gesagt hatten wir in der Vergangenheit mehr Glück als Verstand“, man merkt Wichtel bei jedem einzelnen Wort an, wie wichtig ihm dieses Thema ist. „Hackerangriffe auf andere produzierende Unternehmen haben uns gerade noch rechtzeitig gezeigt, wie wichtig die Cybersecurity ist. So konnten wir agieren, bevor es zu spät war.“

Wichtig waren diese Maßnahmen aber nicht nur um den durchgehenden Ablauf der Produktion sicherzustellen. CUW lebt von den Ideen und Innovationen seiner Entwickler. Daher sind Produktpiraten ein besonders großes Problem und es musste sichergestellt sein, dass Konstruktionspläne nicht in die falschen Hände geraten. „Es gibt Preise wie den Best of Industry Award, bei denen wir sehr stolz sind, wenn wir sie gewinnen“, so Elfina schmunzelnd. „Aber auf den Plagiarius können wir wirklich verzichten.“

Neue Themen in der Weihnachts-Produktion

Gefragt, ob sie und ihr Team sich 2020 überhaupt mit anderen Themen als Covid-19 beschäftigen konnten, führt uns Elfina in einen anderen Bereich der Produktionshalle. Hier reiht sich in langen Gängen eine andere Art von Maschinen aneinander: Drucker für Kunststoff und Metall. „Natürlich haben wir uns beispielsweise auch mit modernen Produktionsmethoden beschäftigt“, stellt die Produktionsleiterin klar. „Die Additive Fertigung bietet für uns beispielsweise extrem großes Potenzial und richtig gemacht, lässt sie sich auch problemlos in die bestehende Fertigung integrieren.“

Überraschend war, dass CUW gleichzeitig Tests dazu fährt, wie die Produktion von einer Umstellung auf eine Versorgung mit Gleichstrom profitieren könnte. Der Nachhaltigkeit kommt bei dem Unternehmen schon sehr lange eine große Bedeutung zu, sind die beiden Gründer doch sehr am Wohl des gesamten Planeten interessiert. Deshalb wurde beispielsweise auf allen Hallendächern Photovoltaik angebracht. „Unsere Elektrotechnikspezialisten brachten dann irgendwann zur Sprache, dass es eigentlich viel besser wäre, wenn wir diesen Strom direkt nutzen könnten. So begannen wir uns mit dem Gleichstrom in der Fabrik zu beschäftigen“, erklärt Elfina.

Mehr Nachhaltigkeit am Nordpol

Zur Wahrheit gehört es aber auch, zu sagen, dass Nachhaltigkeit bei CUW nicht nur aus selbstlosen Gründen eine sehr große Rolle spielt. Immerhin stehen große Teile des Unternehmens auf dem sogenannten „ewigen Eis“, dessen Ewigkeit durch Klimawandel und Erderwärmung mittlerweile deutliche Risse bekommen hat. „Wem wollen wir etwas vormachen, natürlich ist auch das ein Grund für unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet“, Ewald Engel weiß von er spricht, immerhin ist der Chef des Facility Managements und für den Zustand der Fertigungsgebäude zuständig. „Vor einigen Jahren ging es relativ plötzlich los. Risse traten wie aus dem Nichts auf und zogen sich quer durch unsere Hallen und Büroräume. Da wussten wir, wir müssen etwas tun.“ Auch die „Flugstreiks für das Klima” der Rentiere könnten dabei eine Rolle gespielt und einige Verantwortliche aufgerüttelt haben. Die Innovatoren vom Nordpol sprachen in der Folge mit einigen Experten und wurden in dieser Sicht der Dinge bestätigt. „Jetzt engagieren wir uns in mehreren Gremien zu diesem Thema und beteiligen uns an wichtigen Events, wie zum Beispiel Green Shift, so wollen wir unseren Teil zur Bewältigung dieser Krise beitragen“, erläutert Engel weiter.

Weihnachten kann kommen!

Auch am Nordpol war 2020 also ein bewegtes Jahr. Aber wie sieht es jetzt aus, da die Hochzeit für die Produktion unmittelbar bevorsteht? Elfina zögert bei der Beantwortung dieser Frage keine Sekunde: „Wir sind bereit, Weihnachten kann kommen! Unsere Produktion und unsere Lieferketten sind so gut aufgestellt wie noch nie. Ja, wir werden in Zukunft sicher noch darüber nachdenken müssen, ob wir nicht weniger zentralisiert, sondern lokal verteilt produzieren, aber das ist ein Thema für die nächsten Jahre. Jetzt gilt es erst Mal das Weihnachtsgeschäft 2020 zu managen und darauf freue ich mich sehr!“

Mit dieser etwas anderen Exklusiv-Reportage wünscht Ihnen das Team des MM Maschinenmarkt erholsame und vor allem gesunde Feiertage und einen guten Start in ein hoffentlich deutlich positiveres Jahr 2021!

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