Digitale Führung Warum ist digitale Führung so schwer?

Redakteur: Hendrik Fuhrmann

Viele Führungskräfte haben den pandemiebedingten Wechsel zur digitalen Führung gut gemeistert. Ersetzen können Teams, Zoom & Co die Face-to-Face-Kommunikation jedoch nicht. Woran liegt es, dass digital doch nicht immer gleich besser bedeutet?

Digitale Mitarbeiterführung unterscheidet sich deutlich von der analogen Führung - und bringt einige Schwierigkeiten mit sich.
Digitale Mitarbeiterführung unterscheidet sich deutlich von der analogen Führung - und bringt einige Schwierigkeiten mit sich.
(Bild: ©.shock - stock.adobe.com)

Digitale Führung kann funktionieren, das haben die Erfahrungen seit Beginn der Pandemie gezeigt. In der Kürze der Zeit kann aber auch nicht alles perfekt laufen. Wie eine Befragung der Baulig Consulting von 200 Führungskräften aus dem Mittelstand zeigt, nimmt die Mehrheit zwar die allgemeine Stimmung im Team wahr. Allerdings können sieben von zehn Führungskräften nur schwer einschätzen, wie motiviert einzelne Mitarbeiter sind. Dass ein Anruf oder ein Videocall ein Vier-Augen-Gespräch nicht ersetzen kann, dürfte mittlerweile klar sein. Aber: Was genau fehlt, wenn wir uns nicht gegenüber sitzen? Warum ist digitale Führung manchmal so schwer? Hier lesen Sie drei Erklärungen und was Sie unternehmen können.

Wenn Hinweisreize fehlen

Hinter dem Begriff Cuelessness, zu Deutsch das „Fehlen von Hinweisreizen“, versteckt sich ein Phänomen aus der Kommunikationspsychologie: Je nach Medium fehlen uns gewisse Hinweisreize wie zum Beispiel Mimik, Gestik oder die Stimmlage. Diese geben uns Auskunft über den Kommunikationspartner und spielen eine wichtige Rolle für die soziale Interaktion. Häufig zeigen nonverbale Signale Zustimmung, Widerspruch oder die Einleitung eines Sprecherwechsels an. Digitale Kommunikation sorgt dafür, dass diese wichtigen Hinweisreize herausgefiltert werden. Ergebnisse aus der Forschung zeigen: Je weniger vorhanden sind, desto höher ist die wahrgenommene psychologische Distanz – das Gefühl, dass das Gegenüber „nicht da ist“. Bedeutet im Umkehrschluss: Je mehr Reize uns zur Verfügung stehen, desto besser nehmen wir den Gesprächspartner wahr. Zusätzlich können fehlende Hinweisreize die Kommunikation versachlichen, was sich wiederum auf das Ergebnis des Gesprächs auswirkt.