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Schutzeinrichtungen Wiederkehrende Prüfung ist unumgänglich

| Autor / Redakteur: Pascal Staub-Lang / M.A. Frauke Finus

Um sichere Arbeitsplätze zu gewährleisten, müssen Betreiber ihre Anlagen regelmäßig prüfen lassen. Das schließt auch die Schutzeinrichtungen ein. Bei berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen (BWS) ist dazu besonderes Know-how gefragt.

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Als elektronische Sicherheitsbauteile müssen BWS die Anforderungen der EG-Maschinenrichtlinie (MaschRL) erfüllen. Das heißt, sie müssen sicher integriert und ihr sicherer Zustand muss dauerhaft aufrechterhalten werden.
Als elektronische Sicherheitsbauteile müssen BWS die Anforderungen der EG-Maschinenrichtlinie (MaschRL) erfüllen. Das heißt, sie müssen sicher integriert und ihr sicherer Zustand muss dauerhaft aufrechterhalten werden.
(Bild: Sick)

Überall dort, wo in einer Produktion Bediener regelmäßig und wiederholt in den Gefahrenbereich einer Maschine eingreifen müssen, bieten sich als Schutzmaßnahme berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen, kurz BWS genannt, an. Hierbei handelt es sich um optoelektronische Elemente, zu denen zum Beispiel Lichtvorhänge, Lichtschranken, Laserscanner oder auch kamerabasierte Systeme zählen. Sie ersetzen mechanische Schutzeinrichtungen, die sonst jedes Mal mühsam geöffnet werden müssten. Das spart den Bedienern Zeit und Arbeitsaufwand. Auch schützen die Einrichtungen die im Umfeld arbeitenden Personen, weil sie sofort einen Maschinenstopp auslösen, wenn jemand in den Gefahrenbereich eindringt. BWS werden darüber hinaus auch immer häufiger dort eingesetzt, wo arbeitsplatzunterstützende Roboter tätig sind. BWS tragen folglich erheblich zum Schutz von Personen bei.

Als elektronische Sicherheitsbauteile müssen BWS die Anforderungen der EG-Maschinenrichtlinie (MaschRL) erfüllen. Das heißt, sie müssen sicher integriert und ihr sicherer Zustand muss dauerhaft aufrechterhalten werden. Jedoch kontrollieren nicht alle Unternehmen, die BWS einsetzen, ausreichend deren Wirksamkeit. Dabei sind sie gesetzlich dazu verpflichtet. Denn jeder Betreiber muss die Sicherheit seiner Maschinen inklusive der Schutzeinrichtungen gewährleisten. BWS müssen deshalb vor dem ersten Einsatz daraufhin geprüft werden, ob sie richtig montiert sind. Anschließend muss der Betreiber wiederkehrend überprüfen, ob mittlerweile Schäden an Bauteilen sowie Verschleißerscheinungen festzustellen sind. Die Betreiber sind für die Einhaltung der Prüffristen selbst verantwortlich. Hier kommen sowohl das Arbeitsschutzgesetz als auch die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zur Anwendung. Beide verpflichten Arbeitgeber, für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Unternehmen, die gewissenhaft vorgehen, vermeiden am Ende Haftungsrisiken.

Expertise spezialisierter Prüfgesellschaften nutzen

Die Maschinenhersteller hingegen stehen in der Verantwortung, dass ihre Anlagen einschließlich der eingebauten Schutzeinrichtungen richtlinienkonform und gegebenenfalls normkonform sind. Das versichern sie in einer Konformitätserklärung nach Maschinenrichtlinie. Dafür dokumentieren sie in einer Risikobeurteilung, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Eine BWS ist als Schutzmaßnahme aber nur eine von vielen möglichen Lösungen.

Aus der BetrSichV folgt die Pflicht zur wiederkehrenden Prüfung von BWS. Der Betreiber muss feststellen, ob die sichere Funktion weiterhin gewährleistet ist. Die Prüfung muss von einer befähigten Person durchgeführt werden. Die Anforderungen an das Prüfpersonal sind in den Technischen Regeln (TRBS 1203) konkretisiert. Ebenso die Anforderungen an Prüfart, -umfang und -fristen.

Eigenes Personal entsprechend zu qualifizieren, kann unter Umständen aufwendig und teuer werden. Daher greifen Unternehmen gern auf die Alternative zurück, die Hersteller der Systeme mit der Prüfung zu beauftragen. Denn sie kennen ihre Maschinen am besten und wissen, was zu messen ist. Eine andere Möglichkeit ist, auf die Expertise spezialisierter Prüfgesellschaften zu vertrauen, zu denen auch TÜV Süd zählt. Denn ohne Know-how und Erfahrung des prüfenden Personals kann es zu fehlerhaften Kennzeichnungen oder Messprotokollen kommen – vor allem dann, wenn bei der Erstprüfung nicht angegeben wurde, auf welche gefahrbringende Bewegung der Maschine sich eine Messung bezog. Auch uneinheitliche Vorgaben dahingehend, wie die Prüf- und Messergebnisse sichtbar gemacht werden sollen (in Form von Protokollen, Hinweisschildern, Aufklebern und ähnlichem), können am Ende gravierende Folgen haben.

Was regelmäßig zu untersuchen ist

Bei den wiederkehrenden Prüfungen einer BWS muss kontrolliert werden, ob diese sicher montiert ist, ob sie eventuell verändert oder gar manipuliert wurde oder ob sie den Arbeitsablauf gegebenenfalls beeinträchtigen könnte. Mittels einer kalibrierten Nachlaufmessung muss zudem die Zeit ermittelt werden, die die zu überprüfende Maschine nach dem Anhalten der Funktion bis zum tatsächlichen Stillstand benötigt. In diesem Fall sollten die Messergebnisse möglichst nicht von den ursprünglichen Angaben des Maschinenherstellers abweichen. Tun sie es doch, muss festgestellt werden, ob der berechnete Sicherheitsabstand auch bei maximaler Nachlaufzeit ausreicht. Andernfalls muss der Betreiber eine neue Gefährdungsbeurteilung erstellen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Des Weiteren muss ermittelt werden, ob

  • es eine Wiederanlaufsperre gibt, wenn sich eine Person im Gefahrenbereich hinter der BWS befindet.
  • der Gefahrenbereich aus einer von der BWS nicht abgesicherten Richtung zugänglich ist.
  • der berechnete Sicherheitsabstand auch bei maximaler Nachlaufzeit der Maschine ausreicht.

Die von BWS-Herstellern meist vorgeschriebenen Funktionstests ersetzen keinesfalls diese gesetzlich vorgeschriebenen wiederkehrenden Prüfungen, bei denen die gesamte Einbausituation, der Auslösevorgang und der Nachlauf detailliert untersucht werden.

Viele Erfahrungen aus der Praxis

Beispiel BWS mit Muting-Funktion: Eine Muting-Funktion setzt die Auslösung der Sicherheitsfunktion einer BWS vorübergehend außer Kraft – zum Beispiel dann, wenn Waren in einen Sicherheitsbereich oder aus einem Sicherheitsbereich heraus transportiert werden. Währenddessen muss die Sicherheit des Personals anders gewährleistet und anschließend umgehend mit der BWS wiederhergestellt werden. Für eine wiederkehrende Prüfung bedeutet das: Der Muting-Betrieb muss ebenfalls überprüft werden. Zur Prüfung der Schutzeinrichtung darf die Stummschaltung nicht aktiviert sein. BWS mit Muting-Funktion erfordern also erhöhte Aufmerksamkeit.

Beispiel Fahrerlose Transportsysteme (FTS): Sie kommen immer häufiger in der Intralogistik vor. Schutzeinrichtungen sollen hier Personen und Gegenstände im Fahrweg erkennen und Kollisionen verhindern. Laserscanner und druckempfindliche Schutzeinrichtungen, die das System bei Kontakt anhalten, werden dafür häufig kombiniert. Auch FTS stellen besondere Anforderungen an die Prüfung von BWS. Von großer Wichtigkeit ist die Ermittlung des Nachlaufwegs. Problematisch ist nur: Wie sehr das Fahrzeug verzögert und wie schnell es schließlich zum Halten kommt, hängt von den Umgebungsbedingungen ab. Und so sind die Betriebs- und Prüfbedingungen auch jedes Mal andere; schließlich ist das System mobil. Kurzum: Das Messgerät kann nie exakt gleich zum FTS positioniert werden, weil Einsatzort, Fahrwege und Bodenbeschaffenheit variieren (können).

Beispiel Förderbänder: Auch sie sind ein Sonderfall, weil ihre Bewegung eine exakte Messung erschwert. Förderbänder bergen Gefahren durch sich drehende Teile oder dadurch, dass die beförderten Produkte bei einem plötzlichen Stillstand verrutschen. Denn auf einem Förderband sind sie nicht gesichert – anders als bei Transportfahrzeugen. Je nach Produktbewegung und Gewicht des Transportgutes ergeben sich unterschiedliche Messwerte. Möglicherweise kann die Nachlaufzeit nicht exakt ermittelt werden.

Dass BWS verlässlich und reibungslos funktionieren, ist Aufgabe der Hersteller. Sie sind verantwortlich dafür, dass die Systeme korrekt ausgelegt und die relevanten Konstruktionsnormen eingehalten wurden. Betreiber sollten sich die ordnungsgemäße Installation und Inbetriebnahme vom Hersteller der Maschine bestätigen lassen. Für die wiederkehrenden Prüfungen sind ebenfalls die Betreiber verantwortlich. Allerdings dürfen sie diese Aufgabe qualifizierten Dienstleistern übertragen. Unabhängige Dritte wie TÜV Süd unterstützen sie auf Wunsch bei allen Fragen rund um Prüfungen und Funktionstests.

* Pascal Staub-Lang ist Leiter des Kompetenzzentrum Maschinensicherheit bei der TÜV Süd Industrie Service GmbH, Tel. (0 68 94) 9 96 98-13, pascal.staub-lang@tuev-sued.de

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